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14
Dez
10

Weihnachtszeit – Blog- und Backzeit!

Ja, mich gibt es noch, Berlin hat mich nicht verschlungen. Nur die Motivation und die Anlässe zum Bloggen haben gefehlt. Aber weil ich gerade nichts zu tun habe, habe ich beschlossen, mir meine vernachlässigte Seite mal wieder vorzuknöpfen – diesmal, passend zur Jahreszeit, mit Plätzchenrezepten. (Und anderen, vielleicht.)

Das folgende Rezepte lässt sich genauso für Zimtsterne verwenden, aber ich hasse Ausstechplätzchen, und den Guss mit einer Stricknadel auch noch in die äußerste Stern-Spitze zu ziehen, macht mich wahnsinnig, deshalb die vereinfachte und genauso schön anzusehende Variante – Zimtbällchen.

 

Zutaten

3 Eiweiß

250g Puderzucker

1 EL gemahlener Zimt

2 EL Zitronensaft oder Kirschwasser

250g bis 300g fein gemahlene, ungeschälte Mandeln

 

  1. Eiweiß steif schlagen, Puderzucker nach und nach dazusieben. Mindestens 7 Minuten weiterschlagen, bis die Masse glänzt. Davon gut 3 EL für die Glasur zugedeckt beiseite stellen.
  2. Zimtpulver, Zitronensaft/Kirschwasser und Mandeln sorgfältig unter den Eischnee heben. Masse zu einer Kugel formen und 1 Stunde kalt stellen.
  3. Aus dem Teig mit nassen Händen walnussgroße Kugeln formen, in die Mitte mit einem nassen Kochlöffel eine Vertiefung drücken.
  4. Etwas Eiweißmasse daraufgeben und eine Haselnuss auf die Kugel setzen.
  5. Im vorgeheizten Backofen bei 125°C 25 bis 30 Minuten backen.

 

Und das sieht dann so aus:

(Nur Handyqualität, und warum das Bild gedreht ist, ist mir ein Rätsel, aber hey – Hauptsache lecker!)

31
Mai
10

Hannah will meer

(wie gesagt – ich gaukle zeitnahes Schreiben vor…es war natürlich nicht der letzte Freitag, sondern der Freitag vor 6 Wochen)

Am vergangenen Freitag haben Rosie, Ryan und ich uns zu einem spontanen Kurztrip an die französische Mittelmeerküste, genauer nach Sète, entschlossen. Die Entscheidung fiel gegen 21 Uhr, Zugtickets und Jugendherberge wurden noch schnell reserviert, und dann standen auch schon die Reisevorbereitungen an: Ryan und ich sind nach Hause gegangen, um Sachen zu packen und (in meinem Fall) den PAD-Bericht noch schnell fertig zu schreiben. Da meine Klamotten noch nicht alle trocken waren, habe ich erst bis Mitternacht geschrieben – leider nicht genug Zeit für die Lyoner Luft, der Fön musste her:

Dem Spektakel wohnte auch Ryan bei, der inzwischen mit Sack und Tüten vorbeigekommen war, um aus übrig gebliebenem Obst einen apple and pear crumble zu backen. Angesichts der leicht absurden Situation fiel es schwer, nicht dauernd herumzugackern – doch Rücksicht auf die friedlich schlummernde Laure war geboten, und so schälten wir in aller Stille Birnen und Äpfel, kneteten Streusel und tranken Weinreste, bis endlich um dreiviertel Zwei der Crumble goldgelb aus dem Ofen kam – noch kurz abgekühlt und transportfähig verpackt, ging es zurück zu Rosalie.

Nach kurzer Nachtruhe klingelte um 6 der Wecker – gerade genug Zeit, um den Zug nach Avignon um halb 8 zu bekommen. Völlig überrascht waren wir, als dieser tatsächlich planmäßig fuhr – die SNCF machte mal wieder grève, schon wochenlang. Nicht ganz so reibungslos lief es auf der restlichen Strecke von Avignon nach Montpellier: kein Regionalzug, kein TGV, nur ein Bus nach Nîmes stand bereit. Dank Rosalies aktiver Anstehtechnik und trotz zeternder Franzosen, die den Weg versperrten, saßen wir drei immerhin gemütlich auf Schalensitzen und blickten in die traurigen Gesichter all derer, die nicht mehr mitgekommen waren.

Letztendlich war die Busfahrt gar keine schlechte Unannehmlichkeit – wir haben mehr von der Gegend gesehen, und wir sind nicht einmal später als geplant in Montpellier angekommen, weil die Verbindung Nîmes-Montpellier gut passte. Da der nächste Zug nach Sète erst später am Nachmittag fahren sollte, haben wir uns die Innenstadt von Montpellier angeschaut und dort die leckersten Crêpes aller Zeiten gegessen – aus Buchweizenmehl und gefüllt mit allerlei Köstlichkeiten – Thunfisch, Ratatouille, frische Tomaten oder oder oder – die Auswahl war groß und die Wahl fiel schwer.

Nach dem Essen ging’s weiter mit dem TGV nach Sète – eingekesselt von Koffern, weinenden Kindern und Hunden. Riesigen Hunden. Zum Glück war die Fahrt bald überstanden und uns stand nur noch der Fußmarsch zur Jugendherberge bevor – bei 25°C, in der prallen Sonne und mit Gepäck wahrlich kein Zuckerschlecken – die letzten ca. 400m Meter  ging’s bergauf, die Schultern schmerzten – und dem Apple Crumble war auch schon gut warm geworden. In der Jugendherberge angekommen, haben wir erstmal unser Gepäck abgestellt und uns gesonnt. Als uns das zu langweilig wurde und die Sonne langsam hinter dem Hügel verschwand, haben wir uns auf den Weg zurück in den Ort gemacht und eins der vielen, vielen Restaurants fürs Abendessen ausgesucht. Irgendwann war es dann Zeit, in die Jugendherberge zurückzugehen, um endlich unser Zimmer beziehen zu können – wir hatten Glück, ein Zimmer für uns, alles ordentlich und sauber.

Da unsere Verpflegung für den Tag hauptsächlich aus Apple Crumble bestanden hatte, sind wir nach einer kurzen Erfrischungspause schon wieder den Hügel abwärts und zum Essen gegangen. Wir hatten uns ein Fischrestaurant ausgesucht, und Ryan, abenteuerlustig wie er ist, hat als Vorspeise die Austern-Schnecken-etc.-Platte gewählt – in der irrigen Annahme, das Zeug wäre irgendwie gekocht/frittiert/o.ä. – eine Entscheidung, die er noch bereuen sollte:

Was darauf folgte, war keine kulinarische Höchstleistung, aber ganz okay. Satt und müde sind wir in die Jugendherberge zurückgelaufen und haben uns ins Bett gehauen – mit der Aussicht auf einen Tag am Strand.

Schock am Morgen: man sah nichts. Außer Wolken und Nebel. Beim Frühstück waren wir gedrückter Stimmung und schon dabei, einen Plan B zu entwerfen. Unsere Mienen hellten sich erst auf, als der Himmel aufriss, pünktlich nach unserer Einkaufstour bei Monoprix, und wir doch noch zurück zu Plan A gehen konnten!  Der Strand war eine gute halbe Stunde von der Jugendherberge entfernt, wir haben uns für den noch etwas längeren, aber schöneren Weg über den Hügel entschieden. Hübsch war’s, ein bisschen windig und sonnig – perfekte Bedingungen für den ersten Sonnenbrand!

Am späten Nachmittag haben wir uns auf den Weg zurück gemacht und haben im Hostel ein Festmahl zubereitet, schließlich wollten wir auch im Urlaub nicht auf unsere Kochrituale verzichten – es gab Taboulé und staunende Blicke von der Herbergsmutter.

Der nächste Tag verlief ähnlich, mit dem einzigen Unterschied, dass Rosie kränkelte und beim Sonnenbaden passen musste. Sie hat was verpasst: ein Bad im Mittelmeer! So viel kälter als die Ostsee im Sommer war es nicht. Trotzdem wurde es am Strand irgendwann frisch, und so sind wir zur schlafenden Rosalie zurückgekehrt, haben mit den Resten vom Vortag gekocht und Karten gespielt. Mit der Ruhe des Vortags war es allerdings vorbei: schlagartig hatte sich die Jugendherberge gefüllt – mit Jugendlichen! Ryan und ich haben noch ein bisschen mit ein paar anderen Gästen gequatscht und sind früh ins Bett. An Schlaf war nicht zu denken: Feueralarm! Minutenlang gab es ohrenbetäubendes Klingeln, das selbst Tote aufgeweckt hätte. Ich will ja keine Vermutungen anstellen, aber…wer war doch gleich angekommen?!

Am Dienstag war Rosie wieder fit genug, um zum Strand mitzukommen – es war der bisher heißeste Tag, kaum noch Wind und keine Wolke am Himmel. Perfekt, um herumzuliegen, zu lesen und zu dösen! Dösen wollte wohl auch die Sonne und hat sich am Nachmittag spontan aus dem Staub gemacht. Naja – so hatten wir wenigstens Zeit genug, das Abendesen vorzubereiten, ganz unspektakulär mit Salat, Baguette, Guacamole und Nachos. Diesmal wurde es etwas später, wir saßen noch mit einem Deutschen und einem Ami auf der Terrasse und haben mit der Herbergsmutter gequatscht. Und so hatten wir wenigstens noch nicht geschlafen, als der Feueralarm losging…wieder war’s die Jugendgruppe…

Am Mittwoch mussten wir schon wieder zurück nach Lyon, der Streik war vorbei und wir hatten somit keine Ausrede, unseren Urlaub zu verlängern…schade eigentlich, schön war’s…

31
Mai
10

Zurück

Mit der bevorstehenden (und inzwischen erfolgten) Rückkehr nach Berlin hat sich mein Elan, das Blog doch wenigstens im Wochenabstand mit neuem Inhalt zu füllen, vollends verflüchtigt – und das weder aus Mangel an Erlebnissen noch aus Zeitmangel…aber weil mir irgendwie gerade danach ist und ich erst später als erwartet arbeiten muss, bringe ich’s jetzt hinter mich. Es wird zwei immer geplante und nie geschriebene Einträge über die letzten Wochen in Lyon geben – ich tue einfach so, als wäre ich nicht völlig im Verzug 🙂

09
Mai
10

Neue Backabenteuer: Brioches pralinées

Aus Lyon habe ich einen Beutel pralines roses mitgebracht, eine Lyoner Spezialität, die man dort an jeder Ecke findet: schreiend rosafarbene Dinger, die aus Mandeln und eben rosa eingefärbtem Zucker bestehen. Sehr süß und klebrig, und sehr lecker! Für eine tarte aux pralines war ich nicht motiviert genug, also habe ich ein paar Mal brioches aux pralines gemacht, passend für’s Sonntagsfrühstück. Eigentlich ganz einfach – Hefeteig plus pralines roses.

Brioches

Für den Teig:

50 ml Milch
20 g Hefe
250 g Mehl
1 Prise Salz
100 g weiche Butter
50 g Zucker
2 kleine zimmerwarme Eier
pralines roses (nach Gefühl, lieber zu viel als zu wenig!)

Mehl für die Arbeitsfläche
Butter für das Backblech
1 Eigelb
2 EL Milch

  1. Milch erwärmen (lauwarm), Hefe in die Milch bröckeln und glatt rühren. Das Mehl auf die Arbeitsfläche sieben. Hefeansatz, 1 Prise Salz, weiche Butter und den Zucker dazugeben. In die Mitte eine Mulde drücken und die Eier hineinschlagen. (Ich bin ein bisschen ungeschickt und habe die Zutaten beim ersten Mal in der gesamten Küche verteilt – beim zweiten Versuch habe ich alles in einer großen Rührschüssel vermischt, das funktioniert auch ganz gut!)
  2. Die Zutaten zu einem weichen Teig verkneten. Den Teig gründlich durchkneten, auf die Arbeitsfläche schlagen und wieder zusammendrücken, bis er glatt ist und kaum mehr klebt. (Falls er noch zu klebrig ist, noch etwas Mehl hinzufügen!)
  3. Den Teig in einer Schüssel abgedeckt an einem warmen Ort etwa 30 Minuten gehen lassen.
  4. Den Teig auf der bemehlten Arbeitsfläche nochmal kurz durchkneten und in einer großen Schüssel mit Klarsichtfolie abgedeckt über Nacht im Kühlschrank gehen lassen.
  5. Den Teig nochmal kräftig durchkneten, pralines roses unterkneten und Teig in ca. 12 Portionen teilen. Teigkugeln auf ein gebuttertes Backblech setzen. Abgedeckt 1 Stunde gehen lassen.
  6. Backofen auf 180°C vorheizen. Eigelb und Milch verquirlen und die Brioches damit bestreichen. Etwa 20 Minuten backen.

Als Alternative zu pralines roses gehen natürlich auch Schokostückchen, Rosinen o.ä. Sehr lecker sind die Brioches auch ‚pur‘ mit Hagelzucker bestreut!

Etwas zu groß geratene Brioches aux pralines...ich muss sie noch perfektionieren!

Etwas zu groß geratene Brioches…ich muss sie noch perfektionieren!

15
Apr
10

Das Ende ist nah

Noch knapp 2 Wochen, dann bin ich schon wieder in Deutschland – am 28.4. um 14.55 geht mein Flug, Ankunft in Tegel um 17.55…mir bleiben also noch grob geschätzt 312 Stunden vie à la française…und die muss ich genießen! Kann ich auch – es sind Ferien, mal wieder. Und so sitze ich mit Rosalie im allseits beliebten Café J’adore und schmiede Reisepläne. Klar ist: es soll in den Süden gehen, nach Montpellier, 3 Tage oder so – einziges Problem: Streik bei der SNCF. Es wäre aber auch langweilig und völlig unfranzösisch, wenn ausnahmsweise alles fahren würde. Nun, wir werden schon irgendwie hinkommen, schlimmstenfalls dauert’s 4 statt eineinhalb Stunden.

Einige Mit-Assistenten sind schon weg, irgendwie ist es komisch, wie sich nach und nach alles auflöst. In den letzten Wochen gab’s also einige Abschieds(und Geburtstags)feiern, gerne mal bei Sonnenschein im Park, mit Ostereiern, Essen und Fußball. Meine Eltern waren auch nochmal da, ich war gut beschäftigt – und meistens ist das Wetter einfach zu schön, um zu bloggen. Asche auf mein Haupt! (Vielleicht zieht der isländische Vulkanstaub ja bis zu uns, dann erledigt sich das von ganz alleine)

Und so großartig erwähnenswerte Dinge sind nicht passiert, ich belasse es für heute dabei, ein paar Fotos und dann bis zum nächsten Mal!

Sonjas Abschieds-Geburtstags-Osterpicknick

endlich wieder berges du Rhône!

Larissas Geburtstag im Park - aktiv!

24
Mrz
10

Qu’est-ce qu’il fait beau!

Marmelade: 2,50€. Baguette: 0.80€. Frühstück auf dem Balkon: unbezahlbar.

Seit ein paar Tagen ist hier der – fast schon sommerliche – Frühling ausgebrochen. Es wurde aber auch Zeit nach diesem überaus strengen Lyoner Winter mit grandiosen 10cm Schnee und Eiseskälte um die -10°C…

Aber der Reihe nach – ich habe schließlich lange nicht geschrieben (was zum Teil auch daran lag, dass einfach nicht viel passiert ist, das ich erwähnenswert gefunden hätte). Zum anderen lag’s an Julias einwöchigem Besuch bei mir – da hatte ich einfach keine Lust, mich mit der Blogpflege zu beschäftigen. (Jetzt schreibe ich auf dem Balkon, da fällt’s leicht! [in Top und kurzen Hosen]).

Die letzte Ferienwoche ist, natürlich, schnell vergangen, die Schule war wie immer – wechselhaft, aber auszuhalten. So langsam gewöhne ich mich ans Unterrichten und finde es fast schade, dass es bald vorbei ist.

Einmal war ich noch Skifahren, wieder in L’Alpe d’Huez, diesmal mit Patrick und Aurelien. Wir hatten verdammtes Schwein mit dem Wetter, den ganzen Vormittag Sonnenschein pur und -5°, perfekte Bedingungen, der Schnee war nicht zu hart, nicht zu weich. Ich habe mich einmal mehr als lahme Ente entpuppt und hatte schon fast ein schlechtes Gewissen, weil die anderen 2 dauernd auf mich warten mussten…hingefallen bin ich nur zweimal, aber dafür spektakulär – auf einer vereisten Piste voller Buckel bin ich, den Kopf voran, so lange bergab geschlittert, bis ich irgendwann im oberschenkelhohen Tiefschnee abseits der Piste angekommen war, die Ski immer noch an den Füßen, und mich nur mit Müh und Not und schweißgebadet wieder auf die Piste zurückkämpfen konnte. Danach hatte ich gründlich die Schnauze voll und bin erstmal ein Stück zu Fuß weiter, bis das Schlimmste überstanden war – netterweise haben sich die Herren dazu bereit erklärt, einmal ne grüne Piste zu fahren, damit ich wieder zu Kräften kommen konnte. Dann ging’s besser – aber am Ende war ich so erschöpft, dass ich den Lift nach unten genommen habe und im Bus gleich eingeschlafen bin.

Am 10.3. ist Julia angekommen, leider noch vor dem Frühlingsausbruch, es war verdammt frisch. Wir haben das übliche Lyon-Programm absolviert – Opéra, Hôtel de Ville, Terreaux, Bellecour, Vieux-Lyon, Fourvière, Croix-Rousse, Berthom, Épicerie…

Netterweise hat Annick, meine Collège-Lehrerin am Freitag gestreikt, so dass ich Julia einen Tag länger Gesellschaft leisten konnte. Für den Abend hatte Laure gekocht – einen Kohleintopf mit allerlei Schweinefleisch aus der Auvergne, dazu echt österreichische Serviettenknödel – ein Hochgenuss!


Am Samstag haben wir mit Rachel, Ana, Ryan und Jill einen Ausflug nach Vienne gemacht, einer Kleinstadt nicht weit von Lyon, in der es vor allem römische Ruinen zu sehen gibt. Wir hatten Glück, es war ein sonniger, wenn auch noch kühler Tag, wir sind den halben Tag herumgelatscht, immer auf der Suche nach weiteren Sehenswürdigkeiten. Es war ein netter Ausflug, nicht spektakulär spannend, aber es hat Spaß gemacht.

Auf der Rückfahrt haben wir mein neues Lieblingsspiel gespielt – Jungle Speed! Darum geht’s: Grabsch nach dem Totem und werde deine Karten los…einfach, aber unterhaltsam! (Ich werd’s mir wohl noch kaufen, als kleines Souvenir)

Der Sonntag war wettermäßig leider weniger bezaubernd, es war eiskalt und bewölkt – trotzdem sind wir zum Fußballspielen in den Park gegangen. Julia musste sich leider mit einem Platz auf der Trainerbank begnügen, weil sie keine Turnschuhe mithatte.
Wegen des Wetters waren wir nicht sehr viele, haben aber noch Verstärkung in Form von Pasquale (Italien), Martín (Spanien) und Raïd (Marokko) bekommen – wodurch wir zwar nicht wesentlich besser, aber immerhin zahlreicher geworden waren. Aus Mitleid mit den Zuschauern haben wir beschlossen, vom Park ins Café umzuziehen, um uns aufzuwärmen – was auch wir Spieler bitter nötig hatten.

Am Montag und Dienstag musste ich arbeiten, aber Julia hat sich auch alleine beschäftigen können – und sooo lange war’s ja auch nicht. Am Mittwoch hat endlich der Frühling Einzug gehalten – T-Shirt-Wetter! Passend dazu hatten wir ein Picknick im Park geplant, es waren an die 30 Assistenten da, von denen ich viele zum ersten Mal gesehen habe. Das Essen war köstlich, es gab alles, was das Herz begehrte. Und weil St Patrick’s Day war, an dem es nach Aussage diverser Amerikaner ausschließlich darum geht, grün zu tragen und sich zu betrinken, hatten wir einige Weinvorräte mitgebracht. Die Polizei hat das nicht so gerne gesehen – während ich Julia zum Flughafenbus gebracht habe, kamen 6 flics auf Segways und haben den verbliebenen Picknickern nahegelegt, sämtliche offenen Weinflaschen zu entsorgen oder wahlweise eine Strafe von 60€ pro Nase zu zahlen – tant pis, der Verbrauch war ohnehin schon weit fortgeschritten. Ich bin nochmal in den Park zurückgekommen – für eine weitere Runde Jungle Speed, bei der ich nur mäßig erfolgreich war – aber ganz offensichtlich hat’s trotzdem Spaß gemacht:

Weil die Sonne inzwischen weg war, hat sich die Runde aufgelöst – um sich später am Abend in Vieux-Lyon wieder zusammenzufinden, um aus dem St Patrick’s Day raus- und in Zanes Geburtstag reinzufeiern. Es war der reinste Wahnsinn, wie viele Menschen unterwegs waren, alle mehr oder weniger grün gewandet oder mit grünlichen Utensilien ausgestattet.

Ich war froh, dass ich am Donnerstag nicht arbeiten musste!

Der Park ruft, ich mache Schluss, immerhin beinahe in der Gegenwart angekommen. à plus!

02
Mrz
10

It’s London, baby!

Die Erinnerungen aus London hatten eine Woche Zeit sich zu setzen – höchste Zeit für den Blogeintrag, bevor sie verblassen. Die Tatsache, dass ich in einer Woche Ferien nicht dazu gekommen bin, obwohl ich alle Zeit der Welt hatte, und stattdessen mitten in der Nacht vor meinem längsten Schultag einen möglicherweise langen Blogeintrag anfange, sollte mir vielleicht zu denken geben, was meine Motivation zu unterrichten angeht. But anyway…es geht ja erst um 11 los…

Vorbemerkung: Die Bilder geben einen stark verfälschten Eindruck davon, wie das Wetter war.

Tag 1 – Dienstag

Mein Flieger geht um halb 11 – früh genug, mir die Zeit bis zum Aufstehen mit den Olympischen Spielen und den herzergreifend grottigen französischen Fernsehkommentatoren zu vertreiben. Weil ich EasyJet nicht traue, bin ich mehr als zeitig zum Flughafen gefahren – zum Glück: Ich musste eine halbe Stunde warten, um mein Gepäck und mich einzuchecken. Der erste Eindruck: Erwartungen erfüllt – die Frau am Schalter hat mehrere Minuten gebraucht, meine Buchung zu finden, und musste eine Kollegin hinter mir her rennen lassen, weil sie vergessen hatte, meinen Ausweis zu kontrollieren. Es war ein bisschen wie mit den Kindern bei der Parkeisenbahn im FEZ: Alle nehmen ihre Aufgabe total ernst, aber letztendlich sind’s doch Amateure.
Die Zeit bis zum Abflug habe ich mit meinem iPod verbracht. Im Stehen – denn in der Wartehalle gab’s grob geschätzt 20 Sitze für 120 Leute. Kurz vor der planmäßigen Boardingzeit  haben die sich in einem Pulk um den Ausgang geschart – fertig machen zum Run auf die billigen Plätze! Der Einfachheit halber habe ich mich auf den erstbesten fallen lassen – und bin schon kurz vor dem Start eingeschlafen. Nicht weiter tragisch – mein Sitznachbar, obwohl er mich im Wartesaal pausenlos angestarrt hatte, schien an einer Kontaktaufnahme ohnehin nicht interessiert. Abgesehen davon, dass er irgendwann im Schlaf in meine Richtung fiel.
Die Ankunft in Gatwick war verdammt englisch: Regen, wohin man blickte…der graue Himmel ließ die Landschaft und die Dörfer an der Bahnstrecke nach London recht eintönig aussehen. Zum Glück war’s nach einer halben Stunde überstanden – Ankunft an London Bridge Station! Da ich noch vom letzten Mal Guthaben auf meiner Oyster Card hatte, konnte ich mich gleich durch die Menschenmassen zur Tube durchkämpfen, Umsteigen in Elephant and Castle, und in Lambeth North wartete schon Silvie auf mich. Wir sind zu ihr gegangen, um meine Sachen abzustellen, und sind dann trotz grottigen Wetters aufgebrochen, die Stadt zu Fuß zu erkunden – von ihrer Wohnung sind es nur 10 Minuten zu Fuß zum Big Ben. Dort haben wir Michael für das obligatorisch Scheißfoto getroffen – voilà:

Weil das Wetter nicht besser wurde, sind wir in die National Portrait Gallery gegangen, haben ein paar schöne, einige hässliche Porträts gesehen und sind schließlich weiter durch die nassen Straßen spaziert, einige Zwischenstops in diversen Geschäften inklusive. Völlig ausgehungert sind wir irgendwann am Russell Square gelandet, haben asiatisch zu Abend gegessen und dann einige Freunde von Silvie im Pub getroffen. Es lief Fußball und der Pub war dementsprechend voll, also sind wir auf der Suche nach einem Platz weitergezogen und sind nach einigem Herumirren in der Bowling Alley gelandet, die es mir schon bei meinem letzten Besuch angetan hatte – 50er-Jahre-Dekor und Bier, hatte was. Inzwischen war ich so müde, dass ich fast am Tisch eingeschlafen wäre, und wir sind nach Hause gefahren.

Tag 2 – Mittwoch

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen: Wir sind zu Silvies Uni nach Kingston, einem Vorort von London, gefahren, weil sie dort ein Tutorial mit einem Professor hatte. Die Sonne schien, und so fiel es nicht allzu schwer, aus dem Bett zu kommen. Nach einer kurzen Bahnfahrt, Frühstück aus dem Supermarkt und einem kleinen Fußmarsch durch Kingston sind wir an der Uni angekommen und Silvie hat mir ihre letzte Arbeit gezeigt – ein 2×1.5m großes (Selbst-?)Porträt.

(Mehr gibt’s auf Silvies Website)

Um das Gemälde ging’s auch im Tutorium, ihr Professor schien ziemlich angetan – zu Recht, wie ich Kunstexperte finde.
Zwischendurch sind wir noch Zeugen eines schier unglaublichen Spektakels geworden: einige Studenten haben Bronzeskulpturen gegossen. Es war wirklich interessant, orange glühend und so weiter – leider habe ich keine Fotos gemacht, weil ich wie gebannt zugeschaut habe. Anschließend ging das Tutorium weiter, wir haben etwas gegessen, sind noch kurz durch die Fußgängerzone von Kingston und zur Themse gelaufen und haben uns dann auf den Rückweg von der Klein- in die Monsterstadt gemacht.

Weil das Wetter immer noch schön war, sind wir nach Camden gefahren und sind von dort am Kanal entlang zum Primrose Hill spaziert, von dem aus man einen schönen Blick über London hat.

Beim Sainsbury’s haben wir ein bisschen für’s Abendessen eingekauft, ehe wir nach Hause gefahren sind. Mit dem Bus natürlich, weil Silvies Abo nicht für die U-Bahn gilt. Ich habe viel Zeit in Bussen verbracht.
Zuhause bei Silvie haben wir erstmal Tee getrunken, während wir darauf gewartet haben, dass ihr Freund Juan zum Essen vorbeikommt. Ich traue mich ja fast nicht, es zu schreiben, aber – ich habe gekocht…es gab Pasta mit Broccoli und Hähnchengeschnetzeltem, lecker!
Nach dem Essen ging’s mit dem Bus zu einer Ausstellung einiger Kommilitonen in einem leerstehenden Restaurant irgendwo am Arsch der Welt. Die Leute dort waren alle sehr, sehr cool – zumindest sahen sie so aus, als würden sie sich so fühlen. Naja…Geschmackssache. Genau wie die Kunstwerke, die sie ausgestellt haben. Es hat nicht lange gedauert, bis wir genug hatten und uns auf den Rückweg gemacht haben.

Tag 3 – Donnerstag

Der Donnerstag fing an, wie der Dienstag aufgehört hatte – regnerisch…deswegen war es auch kein großer Verlust, den Großteil des Morgens verschlafen zu haben. Weil es wirklich keinen Spaß machte, draußen herumzulaufen, sind wir in die Tate Britain, in ein sehr cooles Nobelkaufhaus und ins Café gegangen – so kann man die Zeit totschlagen…
Am Abend sind wir wieder Essen gegangen – zur Abwechslung mal chinesisch. Weil Silvies finnischer Kumpel Markus noch auf sich warten ließ, haben wir auch mit der Bestellung noch gewartet – und uns böse Blicke und Kommentare der Kellner eingefangen – tant pis! Das Essen war jedenfalls trotzdem lecker und sie haben uns nicht vergiftet. Im Anschluss an die reichliche Mahlzeit sind wir in einen Pub weitergezogen und haben dort  Tom getroffen, ebenfalls ein Freund von Silvie. Nach einigen Pints war’s Zeit für den Heimweg.

Tag 4 – Freitag

Am nächsten Tag klingelte leider der Wecker – Silvie musste arbeiten. Ich bin mit ihr gefahren, um mir den Taschen Store und vor allem ein paar der interessanteren Bücher anzugucken. Anschließend habe ich mich auf den Weg zur London Bridge Station gemacht – sicherheitshalber mit der U-Bahn. Dort habe ich Rachel getroffen, die auch gerade mit ihren Eltern in London war. Wir sind auf den Borough Street Market gegangen, der mit französischen Märkten allerdings keinesfalls mithalten konnte, haben The Monument bestiegen und heiße Schokolade getrunken, die Tate Modern besucht und schließlich ihre Eltern an der Tower Bridge getroffen.

Weil die Sonne schien, sind wir noch eine Weile an der Themse spazieren gegangen, ehe ich mich auf den Weg nach Camden Town gemacht habe, um Tom, Silvie und Juan zum Abendessen und anschließend zu einem Konzert in einem Pub zu treffen. Tom war vor Silvie und Juan da und wir sind eine Weile in der Gegend herumgeirrt, auf der Suche nach dem Restaurant, zu dem Silvie mir eine Wegbeschreibung gegeben hatte, an die ich mich nur noch sehr lückenhaft erinnern konnte. Letzten Endes sind wir doch zur U-Bahn-Station zurückgegangen, um dort auf die beiden zu warten. Es stellte sich heraus, dass wir nur ein paar Meter vor dem Restaurant umgekehrt waren – shit happens! Das leckere (asiatische) Essen war Entschädigung genug für meine Blindheit.
Die Band, die im Pub spielen sollte, hatte sich auf ihrem MySpace als Bluegrass angekündigt – haben aber nicht gehalten, was sie versprochen haben. Ich habe Tom um seine Ohrstöpsel beneidet! Irgendwann war’s dann vorbei, das Bier geleert, Zeit für’s Bett!

Tag 5 – Samstag

Am Samstag musste Silvie wieder arbeiten, den Tag musste ich aber trotzdem nicht alleine verbringen: Tom hatte sich als Fremdenführer angeboten. Wir haben uns an der St Paul’s Cathedral getroffen und haben Stunden dort verbracht. Nicht unbedingt, weil wir so begeistert waren – vielmehr, weil die vielen Statuen und Gedenktafeln für längst verblichene englische Seefahrer, koloniale Ausbeuter und Seeleute genügend Anlass zum Witze Reißen gegeben haben. Und natürlich, weil der Aufstieg in die Kuppel seine Zeit brauchte – ich habe die Stufen nicht gezählt, aber in meiner Erinnerung wabert eine Zahl >500 herum. Da das Wetter gut war, entschädigte der Ausblick für die Anstrengung.

Völlig erschöpft vom Sightseeingmarathon in der Kathedrale, haben wir uns eine Pause im Coffeeshop gegönnt…und ich musste dieses Monster von heißer Schokolade besiegen, das Tom mir gekauft hatte:

Wundersamerweise bin ich ohne größere Anstrengung als Sieger aus diesem Kampf hervorgegangen – ich war so stolz auf mich!
Tom hatte nach dem mittelmäßigen Konzert am Vorabend ein weitaus vielversprechenderes Konzert im Royal National Theatre herausgesucht – ein Folk/Bluegrass/whatever-Duo, Geige, Gitarre und gelegentlich Mandoline. Die zwei waren wirklich gut, gesanglich und musikalisch top. Balsam für meine geschundenen Ohren…
Silvie war inzwischen mit der Arbeit fertig und hat uns am Theater getroffen. Zusammen sind wir in Richtung Soho gelaufen, haben zu Abend gegessen (diesmal nicht asiatisch, sondern Pasta…) und uns mit 2 von Silvies Freunden zu einer weiteren Pubrunde getroffen. Es war ein langer Tag, und so sind wir schon bald nach Hause gefahren – Silvie leicht angeheitert, weil sie zu wenig gegessen und zu viel gearbeitet hatte.

Tag 6 – Sonntag

Und Sonntag hieß: Früh aufstehen für den Gottesdienst in der Westminster Abbey – der einzige Weg, den Eintrittspreis von schlappen 12 £ zu umgehen. Und natürlich war’s interessant, einen Gottesdienst in einem fremden Land mitzuerleben – und auf Englisch Kirchenlieder zu singen! Das Aufstehen hat sich gelohnt!
Und weil beten hungrig macht, haben wir zu Mittag gekocht. Nudeln. Mit Sauce. Abwechslung³. Nein, im Ernst – meine Kreation sehr frei nach einem von Rosalies Rezepten hat allen geschmeckt.
Obwohl es geregnet hat, haben wir uns dazu aufgerafft, zur Brick Lane zu fahren, einer Gegend, die zu 95% aus Vintage-Läden nebst dazugehörigen Menschen besteht. Fündig geworden bin ich in keinem dieser Läden – und erst der Rough Trade Store hat mein Herz höher schlagen lassen – CDs und Platten, so weit das Auge reichte, einige ausgefallene Sachen natürlich, ich hätte ein Vermögen ausgeben können. Weil aber meine Pounds zur Neige gingen, habe ich mich auf eine einzige CD beschränkt – A friend of a friend von der Dave Rawlings Machine. Wochenlang hatte ich die youtube-Videos rauf und runter gespielt und war kurz davor gewesen, das Album im iTunes-Store zu kaufen – aber eine richtige, echte CD in den Händen zu halten, hat mich doch um einiges glücklicher gemacht. Kostprobe gefällig?

Das Wetter war mies, wir alle müde, also sind wir früh nach Hause gefahren – und Silvie ist gleich eingeschlafen, während ich noch einige Zeit Musik gehört habe. Der letzte Abend in London, zu Hause verbracht…Asche auf mein Haupt!

Tag 7 – Montag

Obwohl wir früh im Bett gewesen waren, sind wir recht spät aufgestanden – egal, es regnete! Um auch das noch abzuhaken, haben wir einen Abstecher zu Harrod’s gemacht – nach 2 Minuten waren wir wieder draußen, es war voll und uns war nicht danach, im Kaufhaus herumzulungern. Das Frühstück war karg gewesen, deshalb haben wir nach Harrod’s zu Mittag gegessen, ich habe meine Postkarten gekauft und wir sind zurück zu Silvie gefahren – es war schon fast Zeit, meine Sachen zu packen und zum Flughafen zu fahren! Silvie hat mich noch zur U-Bahn gebracht, und schon saß ich im Zug nach Gatwick. EasyJet hat sich wieder von seiner ‚besten‘ Seite gezeigt – wenn ich’s irgendwie vermeiden kann, fliege ich in Zukunft nicht mehr mit denen!
Immerhin haben sie mich und mein Gepäck heil nach Hause gebracht, nur leicht verspätet, und um halb 11 war ich zurück in Lyon.

Die Zeit in London ist viel zu schnell vergangen – aber ich war mit Sicherheit nicht zum letzten Mal da!

Was in Lyon in der letzten Woche geschah, gibt’s demnächst zu lesen – höchste Zeit zu schlafen – Décines ruft!