Archive for the 'Unterwegs' Category

21
Sep
11

En attendant LE TAXI

Warteschlange auf’s nächste Taxi, Flughafen Tegel, Montag, kurz nach 10.

(Für die große Version einfach klicken)

 Ja, der gesamte Bereich zwischen den beiden gelben Taxi-Schildern stand voll. Ja, nach links ging die Schlange auch noch ein paar Meter weiter. Beim Bus sah’s allerdings auch nicht viel besser aus.

31
Mai
10

Hannah will meer

(wie gesagt – ich gaukle zeitnahes Schreiben vor…es war natürlich nicht der letzte Freitag, sondern der Freitag vor 6 Wochen)

Am vergangenen Freitag haben Rosie, Ryan und ich uns zu einem spontanen Kurztrip an die französische Mittelmeerküste, genauer nach Sète, entschlossen. Die Entscheidung fiel gegen 21 Uhr, Zugtickets und Jugendherberge wurden noch schnell reserviert, und dann standen auch schon die Reisevorbereitungen an: Ryan und ich sind nach Hause gegangen, um Sachen zu packen und (in meinem Fall) den PAD-Bericht noch schnell fertig zu schreiben. Da meine Klamotten noch nicht alle trocken waren, habe ich erst bis Mitternacht geschrieben – leider nicht genug Zeit für die Lyoner Luft, der Fön musste her:

Dem Spektakel wohnte auch Ryan bei, der inzwischen mit Sack und Tüten vorbeigekommen war, um aus übrig gebliebenem Obst einen apple and pear crumble zu backen. Angesichts der leicht absurden Situation fiel es schwer, nicht dauernd herumzugackern – doch Rücksicht auf die friedlich schlummernde Laure war geboten, und so schälten wir in aller Stille Birnen und Äpfel, kneteten Streusel und tranken Weinreste, bis endlich um dreiviertel Zwei der Crumble goldgelb aus dem Ofen kam – noch kurz abgekühlt und transportfähig verpackt, ging es zurück zu Rosalie.

Nach kurzer Nachtruhe klingelte um 6 der Wecker – gerade genug Zeit, um den Zug nach Avignon um halb 8 zu bekommen. Völlig überrascht waren wir, als dieser tatsächlich planmäßig fuhr – die SNCF machte mal wieder grève, schon wochenlang. Nicht ganz so reibungslos lief es auf der restlichen Strecke von Avignon nach Montpellier: kein Regionalzug, kein TGV, nur ein Bus nach Nîmes stand bereit. Dank Rosalies aktiver Anstehtechnik und trotz zeternder Franzosen, die den Weg versperrten, saßen wir drei immerhin gemütlich auf Schalensitzen und blickten in die traurigen Gesichter all derer, die nicht mehr mitgekommen waren.

Letztendlich war die Busfahrt gar keine schlechte Unannehmlichkeit – wir haben mehr von der Gegend gesehen, und wir sind nicht einmal später als geplant in Montpellier angekommen, weil die Verbindung Nîmes-Montpellier gut passte. Da der nächste Zug nach Sète erst später am Nachmittag fahren sollte, haben wir uns die Innenstadt von Montpellier angeschaut und dort die leckersten Crêpes aller Zeiten gegessen – aus Buchweizenmehl und gefüllt mit allerlei Köstlichkeiten – Thunfisch, Ratatouille, frische Tomaten oder oder oder – die Auswahl war groß und die Wahl fiel schwer.

Nach dem Essen ging’s weiter mit dem TGV nach Sète – eingekesselt von Koffern, weinenden Kindern und Hunden. Riesigen Hunden. Zum Glück war die Fahrt bald überstanden und uns stand nur noch der Fußmarsch zur Jugendherberge bevor – bei 25°C, in der prallen Sonne und mit Gepäck wahrlich kein Zuckerschlecken – die letzten ca. 400m Meter  ging’s bergauf, die Schultern schmerzten – und dem Apple Crumble war auch schon gut warm geworden. In der Jugendherberge angekommen, haben wir erstmal unser Gepäck abgestellt und uns gesonnt. Als uns das zu langweilig wurde und die Sonne langsam hinter dem Hügel verschwand, haben wir uns auf den Weg zurück in den Ort gemacht und eins der vielen, vielen Restaurants fürs Abendessen ausgesucht. Irgendwann war es dann Zeit, in die Jugendherberge zurückzugehen, um endlich unser Zimmer beziehen zu können – wir hatten Glück, ein Zimmer für uns, alles ordentlich und sauber.

Da unsere Verpflegung für den Tag hauptsächlich aus Apple Crumble bestanden hatte, sind wir nach einer kurzen Erfrischungspause schon wieder den Hügel abwärts und zum Essen gegangen. Wir hatten uns ein Fischrestaurant ausgesucht, und Ryan, abenteuerlustig wie er ist, hat als Vorspeise die Austern-Schnecken-etc.-Platte gewählt – in der irrigen Annahme, das Zeug wäre irgendwie gekocht/frittiert/o.ä. – eine Entscheidung, die er noch bereuen sollte:

Was darauf folgte, war keine kulinarische Höchstleistung, aber ganz okay. Satt und müde sind wir in die Jugendherberge zurückgelaufen und haben uns ins Bett gehauen – mit der Aussicht auf einen Tag am Strand.

Schock am Morgen: man sah nichts. Außer Wolken und Nebel. Beim Frühstück waren wir gedrückter Stimmung und schon dabei, einen Plan B zu entwerfen. Unsere Mienen hellten sich erst auf, als der Himmel aufriss, pünktlich nach unserer Einkaufstour bei Monoprix, und wir doch noch zurück zu Plan A gehen konnten!  Der Strand war eine gute halbe Stunde von der Jugendherberge entfernt, wir haben uns für den noch etwas längeren, aber schöneren Weg über den Hügel entschieden. Hübsch war’s, ein bisschen windig und sonnig – perfekte Bedingungen für den ersten Sonnenbrand!

Am späten Nachmittag haben wir uns auf den Weg zurück gemacht und haben im Hostel ein Festmahl zubereitet, schließlich wollten wir auch im Urlaub nicht auf unsere Kochrituale verzichten – es gab Taboulé und staunende Blicke von der Herbergsmutter.

Der nächste Tag verlief ähnlich, mit dem einzigen Unterschied, dass Rosie kränkelte und beim Sonnenbaden passen musste. Sie hat was verpasst: ein Bad im Mittelmeer! So viel kälter als die Ostsee im Sommer war es nicht. Trotzdem wurde es am Strand irgendwann frisch, und so sind wir zur schlafenden Rosalie zurückgekehrt, haben mit den Resten vom Vortag gekocht und Karten gespielt. Mit der Ruhe des Vortags war es allerdings vorbei: schlagartig hatte sich die Jugendherberge gefüllt – mit Jugendlichen! Ryan und ich haben noch ein bisschen mit ein paar anderen Gästen gequatscht und sind früh ins Bett. An Schlaf war nicht zu denken: Feueralarm! Minutenlang gab es ohrenbetäubendes Klingeln, das selbst Tote aufgeweckt hätte. Ich will ja keine Vermutungen anstellen, aber…wer war doch gleich angekommen?!

Am Dienstag war Rosie wieder fit genug, um zum Strand mitzukommen – es war der bisher heißeste Tag, kaum noch Wind und keine Wolke am Himmel. Perfekt, um herumzuliegen, zu lesen und zu dösen! Dösen wollte wohl auch die Sonne und hat sich am Nachmittag spontan aus dem Staub gemacht. Naja – so hatten wir wenigstens Zeit genug, das Abendesen vorzubereiten, ganz unspektakulär mit Salat, Baguette, Guacamole und Nachos. Diesmal wurde es etwas später, wir saßen noch mit einem Deutschen und einem Ami auf der Terrasse und haben mit der Herbergsmutter gequatscht. Und so hatten wir wenigstens noch nicht geschlafen, als der Feueralarm losging…wieder war’s die Jugendgruppe…

Am Mittwoch mussten wir schon wieder zurück nach Lyon, der Streik war vorbei und wir hatten somit keine Ausrede, unseren Urlaub zu verlängern…schade eigentlich, schön war’s…

24
Mrz
10

Qu’est-ce qu’il fait beau!

Marmelade: 2,50€. Baguette: 0.80€. Frühstück auf dem Balkon: unbezahlbar.

Seit ein paar Tagen ist hier der – fast schon sommerliche – Frühling ausgebrochen. Es wurde aber auch Zeit nach diesem überaus strengen Lyoner Winter mit grandiosen 10cm Schnee und Eiseskälte um die -10°C…

Aber der Reihe nach – ich habe schließlich lange nicht geschrieben (was zum Teil auch daran lag, dass einfach nicht viel passiert ist, das ich erwähnenswert gefunden hätte). Zum anderen lag’s an Julias einwöchigem Besuch bei mir – da hatte ich einfach keine Lust, mich mit der Blogpflege zu beschäftigen. (Jetzt schreibe ich auf dem Balkon, da fällt’s leicht! [in Top und kurzen Hosen]).

Die letzte Ferienwoche ist, natürlich, schnell vergangen, die Schule war wie immer – wechselhaft, aber auszuhalten. So langsam gewöhne ich mich ans Unterrichten und finde es fast schade, dass es bald vorbei ist.

Einmal war ich noch Skifahren, wieder in L’Alpe d’Huez, diesmal mit Patrick und Aurelien. Wir hatten verdammtes Schwein mit dem Wetter, den ganzen Vormittag Sonnenschein pur und -5°, perfekte Bedingungen, der Schnee war nicht zu hart, nicht zu weich. Ich habe mich einmal mehr als lahme Ente entpuppt und hatte schon fast ein schlechtes Gewissen, weil die anderen 2 dauernd auf mich warten mussten…hingefallen bin ich nur zweimal, aber dafür spektakulär – auf einer vereisten Piste voller Buckel bin ich, den Kopf voran, so lange bergab geschlittert, bis ich irgendwann im oberschenkelhohen Tiefschnee abseits der Piste angekommen war, die Ski immer noch an den Füßen, und mich nur mit Müh und Not und schweißgebadet wieder auf die Piste zurückkämpfen konnte. Danach hatte ich gründlich die Schnauze voll und bin erstmal ein Stück zu Fuß weiter, bis das Schlimmste überstanden war – netterweise haben sich die Herren dazu bereit erklärt, einmal ne grüne Piste zu fahren, damit ich wieder zu Kräften kommen konnte. Dann ging’s besser – aber am Ende war ich so erschöpft, dass ich den Lift nach unten genommen habe und im Bus gleich eingeschlafen bin.

Am 10.3. ist Julia angekommen, leider noch vor dem Frühlingsausbruch, es war verdammt frisch. Wir haben das übliche Lyon-Programm absolviert – Opéra, Hôtel de Ville, Terreaux, Bellecour, Vieux-Lyon, Fourvière, Croix-Rousse, Berthom, Épicerie…

Netterweise hat Annick, meine Collège-Lehrerin am Freitag gestreikt, so dass ich Julia einen Tag länger Gesellschaft leisten konnte. Für den Abend hatte Laure gekocht – einen Kohleintopf mit allerlei Schweinefleisch aus der Auvergne, dazu echt österreichische Serviettenknödel – ein Hochgenuss!


Am Samstag haben wir mit Rachel, Ana, Ryan und Jill einen Ausflug nach Vienne gemacht, einer Kleinstadt nicht weit von Lyon, in der es vor allem römische Ruinen zu sehen gibt. Wir hatten Glück, es war ein sonniger, wenn auch noch kühler Tag, wir sind den halben Tag herumgelatscht, immer auf der Suche nach weiteren Sehenswürdigkeiten. Es war ein netter Ausflug, nicht spektakulär spannend, aber es hat Spaß gemacht.

Auf der Rückfahrt haben wir mein neues Lieblingsspiel gespielt – Jungle Speed! Darum geht’s: Grabsch nach dem Totem und werde deine Karten los…einfach, aber unterhaltsam! (Ich werd’s mir wohl noch kaufen, als kleines Souvenir)

Der Sonntag war wettermäßig leider weniger bezaubernd, es war eiskalt und bewölkt – trotzdem sind wir zum Fußballspielen in den Park gegangen. Julia musste sich leider mit einem Platz auf der Trainerbank begnügen, weil sie keine Turnschuhe mithatte.
Wegen des Wetters waren wir nicht sehr viele, haben aber noch Verstärkung in Form von Pasquale (Italien), Martín (Spanien) und Raïd (Marokko) bekommen – wodurch wir zwar nicht wesentlich besser, aber immerhin zahlreicher geworden waren. Aus Mitleid mit den Zuschauern haben wir beschlossen, vom Park ins Café umzuziehen, um uns aufzuwärmen – was auch wir Spieler bitter nötig hatten.

Am Montag und Dienstag musste ich arbeiten, aber Julia hat sich auch alleine beschäftigen können – und sooo lange war’s ja auch nicht. Am Mittwoch hat endlich der Frühling Einzug gehalten – T-Shirt-Wetter! Passend dazu hatten wir ein Picknick im Park geplant, es waren an die 30 Assistenten da, von denen ich viele zum ersten Mal gesehen habe. Das Essen war köstlich, es gab alles, was das Herz begehrte. Und weil St Patrick’s Day war, an dem es nach Aussage diverser Amerikaner ausschließlich darum geht, grün zu tragen und sich zu betrinken, hatten wir einige Weinvorräte mitgebracht. Die Polizei hat das nicht so gerne gesehen – während ich Julia zum Flughafenbus gebracht habe, kamen 6 flics auf Segways und haben den verbliebenen Picknickern nahegelegt, sämtliche offenen Weinflaschen zu entsorgen oder wahlweise eine Strafe von 60€ pro Nase zu zahlen – tant pis, der Verbrauch war ohnehin schon weit fortgeschritten. Ich bin nochmal in den Park zurückgekommen – für eine weitere Runde Jungle Speed, bei der ich nur mäßig erfolgreich war – aber ganz offensichtlich hat’s trotzdem Spaß gemacht:

Weil die Sonne inzwischen weg war, hat sich die Runde aufgelöst – um sich später am Abend in Vieux-Lyon wieder zusammenzufinden, um aus dem St Patrick’s Day raus- und in Zanes Geburtstag reinzufeiern. Es war der reinste Wahnsinn, wie viele Menschen unterwegs waren, alle mehr oder weniger grün gewandet oder mit grünlichen Utensilien ausgestattet.

Ich war froh, dass ich am Donnerstag nicht arbeiten musste!

Der Park ruft, ich mache Schluss, immerhin beinahe in der Gegenwart angekommen. à plus!

02
Mrz
10

It’s London, baby!

Die Erinnerungen aus London hatten eine Woche Zeit sich zu setzen – höchste Zeit für den Blogeintrag, bevor sie verblassen. Die Tatsache, dass ich in einer Woche Ferien nicht dazu gekommen bin, obwohl ich alle Zeit der Welt hatte, und stattdessen mitten in der Nacht vor meinem längsten Schultag einen möglicherweise langen Blogeintrag anfange, sollte mir vielleicht zu denken geben, was meine Motivation zu unterrichten angeht. But anyway…es geht ja erst um 11 los…

Vorbemerkung: Die Bilder geben einen stark verfälschten Eindruck davon, wie das Wetter war.

Tag 1 – Dienstag

Mein Flieger geht um halb 11 – früh genug, mir die Zeit bis zum Aufstehen mit den Olympischen Spielen und den herzergreifend grottigen französischen Fernsehkommentatoren zu vertreiben. Weil ich EasyJet nicht traue, bin ich mehr als zeitig zum Flughafen gefahren – zum Glück: Ich musste eine halbe Stunde warten, um mein Gepäck und mich einzuchecken. Der erste Eindruck: Erwartungen erfüllt – die Frau am Schalter hat mehrere Minuten gebraucht, meine Buchung zu finden, und musste eine Kollegin hinter mir her rennen lassen, weil sie vergessen hatte, meinen Ausweis zu kontrollieren. Es war ein bisschen wie mit den Kindern bei der Parkeisenbahn im FEZ: Alle nehmen ihre Aufgabe total ernst, aber letztendlich sind’s doch Amateure.
Die Zeit bis zum Abflug habe ich mit meinem iPod verbracht. Im Stehen – denn in der Wartehalle gab’s grob geschätzt 20 Sitze für 120 Leute. Kurz vor der planmäßigen Boardingzeit  haben die sich in einem Pulk um den Ausgang geschart – fertig machen zum Run auf die billigen Plätze! Der Einfachheit halber habe ich mich auf den erstbesten fallen lassen – und bin schon kurz vor dem Start eingeschlafen. Nicht weiter tragisch – mein Sitznachbar, obwohl er mich im Wartesaal pausenlos angestarrt hatte, schien an einer Kontaktaufnahme ohnehin nicht interessiert. Abgesehen davon, dass er irgendwann im Schlaf in meine Richtung fiel.
Die Ankunft in Gatwick war verdammt englisch: Regen, wohin man blickte…der graue Himmel ließ die Landschaft und die Dörfer an der Bahnstrecke nach London recht eintönig aussehen. Zum Glück war’s nach einer halben Stunde überstanden – Ankunft an London Bridge Station! Da ich noch vom letzten Mal Guthaben auf meiner Oyster Card hatte, konnte ich mich gleich durch die Menschenmassen zur Tube durchkämpfen, Umsteigen in Elephant and Castle, und in Lambeth North wartete schon Silvie auf mich. Wir sind zu ihr gegangen, um meine Sachen abzustellen, und sind dann trotz grottigen Wetters aufgebrochen, die Stadt zu Fuß zu erkunden – von ihrer Wohnung sind es nur 10 Minuten zu Fuß zum Big Ben. Dort haben wir Michael für das obligatorisch Scheißfoto getroffen – voilà:

Weil das Wetter nicht besser wurde, sind wir in die National Portrait Gallery gegangen, haben ein paar schöne, einige hässliche Porträts gesehen und sind schließlich weiter durch die nassen Straßen spaziert, einige Zwischenstops in diversen Geschäften inklusive. Völlig ausgehungert sind wir irgendwann am Russell Square gelandet, haben asiatisch zu Abend gegessen und dann einige Freunde von Silvie im Pub getroffen. Es lief Fußball und der Pub war dementsprechend voll, also sind wir auf der Suche nach einem Platz weitergezogen und sind nach einigem Herumirren in der Bowling Alley gelandet, die es mir schon bei meinem letzten Besuch angetan hatte – 50er-Jahre-Dekor und Bier, hatte was. Inzwischen war ich so müde, dass ich fast am Tisch eingeschlafen wäre, und wir sind nach Hause gefahren.

Tag 2 – Mittwoch

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen: Wir sind zu Silvies Uni nach Kingston, einem Vorort von London, gefahren, weil sie dort ein Tutorial mit einem Professor hatte. Die Sonne schien, und so fiel es nicht allzu schwer, aus dem Bett zu kommen. Nach einer kurzen Bahnfahrt, Frühstück aus dem Supermarkt und einem kleinen Fußmarsch durch Kingston sind wir an der Uni angekommen und Silvie hat mir ihre letzte Arbeit gezeigt – ein 2×1.5m großes (Selbst-?)Porträt.

(Mehr gibt’s auf Silvies Website)

Um das Gemälde ging’s auch im Tutorium, ihr Professor schien ziemlich angetan – zu Recht, wie ich Kunstexperte finde.
Zwischendurch sind wir noch Zeugen eines schier unglaublichen Spektakels geworden: einige Studenten haben Bronzeskulpturen gegossen. Es war wirklich interessant, orange glühend und so weiter – leider habe ich keine Fotos gemacht, weil ich wie gebannt zugeschaut habe. Anschließend ging das Tutorium weiter, wir haben etwas gegessen, sind noch kurz durch die Fußgängerzone von Kingston und zur Themse gelaufen und haben uns dann auf den Rückweg von der Klein- in die Monsterstadt gemacht.

Weil das Wetter immer noch schön war, sind wir nach Camden gefahren und sind von dort am Kanal entlang zum Primrose Hill spaziert, von dem aus man einen schönen Blick über London hat.

Beim Sainsbury’s haben wir ein bisschen für’s Abendessen eingekauft, ehe wir nach Hause gefahren sind. Mit dem Bus natürlich, weil Silvies Abo nicht für die U-Bahn gilt. Ich habe viel Zeit in Bussen verbracht.
Zuhause bei Silvie haben wir erstmal Tee getrunken, während wir darauf gewartet haben, dass ihr Freund Juan zum Essen vorbeikommt. Ich traue mich ja fast nicht, es zu schreiben, aber – ich habe gekocht…es gab Pasta mit Broccoli und Hähnchengeschnetzeltem, lecker!
Nach dem Essen ging’s mit dem Bus zu einer Ausstellung einiger Kommilitonen in einem leerstehenden Restaurant irgendwo am Arsch der Welt. Die Leute dort waren alle sehr, sehr cool – zumindest sahen sie so aus, als würden sie sich so fühlen. Naja…Geschmackssache. Genau wie die Kunstwerke, die sie ausgestellt haben. Es hat nicht lange gedauert, bis wir genug hatten und uns auf den Rückweg gemacht haben.

Tag 3 – Donnerstag

Der Donnerstag fing an, wie der Dienstag aufgehört hatte – regnerisch…deswegen war es auch kein großer Verlust, den Großteil des Morgens verschlafen zu haben. Weil es wirklich keinen Spaß machte, draußen herumzulaufen, sind wir in die Tate Britain, in ein sehr cooles Nobelkaufhaus und ins Café gegangen – so kann man die Zeit totschlagen…
Am Abend sind wir wieder Essen gegangen – zur Abwechslung mal chinesisch. Weil Silvies finnischer Kumpel Markus noch auf sich warten ließ, haben wir auch mit der Bestellung noch gewartet – und uns böse Blicke und Kommentare der Kellner eingefangen – tant pis! Das Essen war jedenfalls trotzdem lecker und sie haben uns nicht vergiftet. Im Anschluss an die reichliche Mahlzeit sind wir in einen Pub weitergezogen und haben dort  Tom getroffen, ebenfalls ein Freund von Silvie. Nach einigen Pints war’s Zeit für den Heimweg.

Tag 4 – Freitag

Am nächsten Tag klingelte leider der Wecker – Silvie musste arbeiten. Ich bin mit ihr gefahren, um mir den Taschen Store und vor allem ein paar der interessanteren Bücher anzugucken. Anschließend habe ich mich auf den Weg zur London Bridge Station gemacht – sicherheitshalber mit der U-Bahn. Dort habe ich Rachel getroffen, die auch gerade mit ihren Eltern in London war. Wir sind auf den Borough Street Market gegangen, der mit französischen Märkten allerdings keinesfalls mithalten konnte, haben The Monument bestiegen und heiße Schokolade getrunken, die Tate Modern besucht und schließlich ihre Eltern an der Tower Bridge getroffen.

Weil die Sonne schien, sind wir noch eine Weile an der Themse spazieren gegangen, ehe ich mich auf den Weg nach Camden Town gemacht habe, um Tom, Silvie und Juan zum Abendessen und anschließend zu einem Konzert in einem Pub zu treffen. Tom war vor Silvie und Juan da und wir sind eine Weile in der Gegend herumgeirrt, auf der Suche nach dem Restaurant, zu dem Silvie mir eine Wegbeschreibung gegeben hatte, an die ich mich nur noch sehr lückenhaft erinnern konnte. Letzten Endes sind wir doch zur U-Bahn-Station zurückgegangen, um dort auf die beiden zu warten. Es stellte sich heraus, dass wir nur ein paar Meter vor dem Restaurant umgekehrt waren – shit happens! Das leckere (asiatische) Essen war Entschädigung genug für meine Blindheit.
Die Band, die im Pub spielen sollte, hatte sich auf ihrem MySpace als Bluegrass angekündigt – haben aber nicht gehalten, was sie versprochen haben. Ich habe Tom um seine Ohrstöpsel beneidet! Irgendwann war’s dann vorbei, das Bier geleert, Zeit für’s Bett!

Tag 5 – Samstag

Am Samstag musste Silvie wieder arbeiten, den Tag musste ich aber trotzdem nicht alleine verbringen: Tom hatte sich als Fremdenführer angeboten. Wir haben uns an der St Paul’s Cathedral getroffen und haben Stunden dort verbracht. Nicht unbedingt, weil wir so begeistert waren – vielmehr, weil die vielen Statuen und Gedenktafeln für längst verblichene englische Seefahrer, koloniale Ausbeuter und Seeleute genügend Anlass zum Witze Reißen gegeben haben. Und natürlich, weil der Aufstieg in die Kuppel seine Zeit brauchte – ich habe die Stufen nicht gezählt, aber in meiner Erinnerung wabert eine Zahl >500 herum. Da das Wetter gut war, entschädigte der Ausblick für die Anstrengung.

Völlig erschöpft vom Sightseeingmarathon in der Kathedrale, haben wir uns eine Pause im Coffeeshop gegönnt…und ich musste dieses Monster von heißer Schokolade besiegen, das Tom mir gekauft hatte:

Wundersamerweise bin ich ohne größere Anstrengung als Sieger aus diesem Kampf hervorgegangen – ich war so stolz auf mich!
Tom hatte nach dem mittelmäßigen Konzert am Vorabend ein weitaus vielversprechenderes Konzert im Royal National Theatre herausgesucht – ein Folk/Bluegrass/whatever-Duo, Geige, Gitarre und gelegentlich Mandoline. Die zwei waren wirklich gut, gesanglich und musikalisch top. Balsam für meine geschundenen Ohren…
Silvie war inzwischen mit der Arbeit fertig und hat uns am Theater getroffen. Zusammen sind wir in Richtung Soho gelaufen, haben zu Abend gegessen (diesmal nicht asiatisch, sondern Pasta…) und uns mit 2 von Silvies Freunden zu einer weiteren Pubrunde getroffen. Es war ein langer Tag, und so sind wir schon bald nach Hause gefahren – Silvie leicht angeheitert, weil sie zu wenig gegessen und zu viel gearbeitet hatte.

Tag 6 – Sonntag

Und Sonntag hieß: Früh aufstehen für den Gottesdienst in der Westminster Abbey – der einzige Weg, den Eintrittspreis von schlappen 12 £ zu umgehen. Und natürlich war’s interessant, einen Gottesdienst in einem fremden Land mitzuerleben – und auf Englisch Kirchenlieder zu singen! Das Aufstehen hat sich gelohnt!
Und weil beten hungrig macht, haben wir zu Mittag gekocht. Nudeln. Mit Sauce. Abwechslung³. Nein, im Ernst – meine Kreation sehr frei nach einem von Rosalies Rezepten hat allen geschmeckt.
Obwohl es geregnet hat, haben wir uns dazu aufgerafft, zur Brick Lane zu fahren, einer Gegend, die zu 95% aus Vintage-Läden nebst dazugehörigen Menschen besteht. Fündig geworden bin ich in keinem dieser Läden – und erst der Rough Trade Store hat mein Herz höher schlagen lassen – CDs und Platten, so weit das Auge reichte, einige ausgefallene Sachen natürlich, ich hätte ein Vermögen ausgeben können. Weil aber meine Pounds zur Neige gingen, habe ich mich auf eine einzige CD beschränkt – A friend of a friend von der Dave Rawlings Machine. Wochenlang hatte ich die youtube-Videos rauf und runter gespielt und war kurz davor gewesen, das Album im iTunes-Store zu kaufen – aber eine richtige, echte CD in den Händen zu halten, hat mich doch um einiges glücklicher gemacht. Kostprobe gefällig?

Das Wetter war mies, wir alle müde, also sind wir früh nach Hause gefahren – und Silvie ist gleich eingeschlafen, während ich noch einige Zeit Musik gehört habe. Der letzte Abend in London, zu Hause verbracht…Asche auf mein Haupt!

Tag 7 – Montag

Obwohl wir früh im Bett gewesen waren, sind wir recht spät aufgestanden – egal, es regnete! Um auch das noch abzuhaken, haben wir einen Abstecher zu Harrod’s gemacht – nach 2 Minuten waren wir wieder draußen, es war voll und uns war nicht danach, im Kaufhaus herumzulungern. Das Frühstück war karg gewesen, deshalb haben wir nach Harrod’s zu Mittag gegessen, ich habe meine Postkarten gekauft und wir sind zurück zu Silvie gefahren – es war schon fast Zeit, meine Sachen zu packen und zum Flughafen zu fahren! Silvie hat mich noch zur U-Bahn gebracht, und schon saß ich im Zug nach Gatwick. EasyJet hat sich wieder von seiner ‚besten‘ Seite gezeigt – wenn ich’s irgendwie vermeiden kann, fliege ich in Zukunft nicht mehr mit denen!
Immerhin haben sie mich und mein Gepäck heil nach Hause gebracht, nur leicht verspätet, und um halb 11 war ich zurück in Lyon.

Die Zeit in London ist viel zu schnell vergangen – aber ich war mit Sicherheit nicht zum letzten Mal da!

Was in Lyon in der letzten Woche geschah, gibt’s demnächst zu lesen – höchste Zeit zu schlafen – Décines ruft!

15
Feb
10

London Calling!

Zuerst die angekündigte Fortsetzung von letztem Mittwoch:

Wir hatten also nur Platz in einem seltsamen Café gefunden, und nichtmal dort alle an einem Tisch – Rosie, Tristan (ihr amerikanischer Besuch) und ich haben uns also abgesondert – und sind in unseren Stamm-Coffeeshop in Croix-Rousse gegangen. Ich war inzwischen völlig durchgefroren, weil ich mich kleidungstechnisch auf Fußball und nicht auf Stadtspaziergang eingestellt hatte – da kam mir die gigantische Chocolat viennois (sehr wenig heiße Schokolade, sehr viel Sahne) gerade recht.

Es folgt: die nächste Koch-Episode…Rosie und Tristan sind mit einer Wagenladung Gemüse bei mir vorbeigekommen, Tristan hat lecker gekocht – Nudeln mit Pilz-Zucchini-Soße, dazu Wein en masse. Netter Abend!

Am Montag und Dienstag nichts Neues – Schule! Die Montags-Seconde war ätzend wie gewohnt, manche Schüler treiben mich wirklich zur Weißglut! Der Dienstag war überraschend angenehm, sogar die späte schlimme Seconde war nahezu handzahm – was vielleicht daran lag, dass der Störenfried Nr. 1, der permanent singt oder summt, nicht da war – und die Störenfriede 2 bis 10 nicht dagegen anstören mussten. Es hat zum ersten Mal Spaß gemacht, mit der Klasse zu arbeiten!

Schon ist Mittwoch – DER Küchentag! Auf vielfachen Wunsch eines einzelnen Herrn, Ryan, habe ich Spätzle und Gulasch eingeplant – dumm nur, dass Ryan vergessen hatte, dass er schon etwas anderes vorhatte, und deshalb nicht in den Genuss deutscher Hausmannskost gekommen ist…nach Abstechern in diverse Supermärkte und Fleischereien habe ich Fleisch gefunden, das dem, was ich in Deutschland als Gulaschfleisch gekauft hätte, zumindest einigermaßen nahe kam, ich habe Ewigkeiten damit verbracht, es passend hinzuschnippeln, habe Tränen über Tonnen von Zwiebeln vergossen und Salat in rauen Mengen geputzt. Es roch gut, ganz sicher war ich meiner Sache aber nicht – mein erstes ‚eigenes‘ Gulasch, dann auch noch für 7 Personen – es war aufregend! Wie immer hat das Spätzlereiben zu allgemeiner Heiterkeit beigetragen, mir sind fast die Hände abgebrannt und die Arme abgefallen, aber am Ende hatten wir einen Berg Spätzle, der gerade so für alle gereicht hat. Zum Glück gab’s noch Salat sowie allerbesten Nachtisch: Tiramisú von Michael, Tarte aux pralines und Tarte aux poires von Laure. Völlig vollgestopft haben Laure und ich uns später um den Abwasch gekümmert – wenn man unbedingt ins Bett will, geht das schnell!

Den nächsten Vormittag habe ich komplett verschlafen und vergammelt, für Freitag musste ich glücklicherweise nichts vorbereiten, und so konnte ich ruhigen Gewissens um 6 zur Happy Hour im Les Berthom gehen – belgisches Bier zu erschwinglichen Preisen erheitert das Gemüt! Wir waren eine ganze Horde und hatten den Eingangsbereich in Beschlag genommen – sehr zur Freude der Kellner…um 8 war der Spaß vorbei und wir sind in den nächsten Pub umgezogen – Happy Hour bis 9! Für mich war dann auch leider Schluss, die Schule rief! Den letzten Schultag vor den Ferien hab ich mit Ach und Krach hinter mich gebracht, ich weiß nicht, wer sich mehr über die 2 freien Wochen gefreut hat – die Schüler oder ich…

Am Abend war ich so müde, dass ich gar nichts mehr groß gemacht habe, sondern einfach ins Bett gefallen bin – und auch am nächsten Morgen von Laure beim Staubsaugen nur kurz aufgewacht bin. Nach einem späten Frühstück und ein paar kleineren Besorgungen habe ich mich mit Mike im L’Épicerie zu einem frühen Abendessen inklusive Tarte aux framboises und Glühwein getroffen. Danach ging’s, weil im Kino nichts Interessantes lief, zu Mike – er hat ein paar Lieder auf der Mandoline und seiner brandneuen Gitarre zum Besten gegeben, anschließend haben wir ‚Into The Wild‘ geschaut, einen Film über einen College-Absolventen, der alle Ersparnisse spendet und durch die USA trampt, um schließlich in einem verlassenen Bus in Alaska zu enden – beeindruckend! Zur Aufheiterung haben wir uns noch die letzte Folge der Daily Show angeschaut, dann musste ich schon nach Hause eilen, weil Sonya sich für die Nacht angekündigt hatte – sie musste den ersten Bus zum Flughafen erwischen, morgens um 5 – hieß: Wecker auf 4.15…kaum war ich wieder im Bett und schon im Halbschlaf, klingelte mein Handy: sie hatte sich verlaufen – wie das passieren konnte, ist mir schleierhaft, von mir zum Bahnhof muss man immer nur geradeaus gehen…aber egal, letztendlich hat sie’s gefunden und den Flieger erwischt. Später am Tag, inzwischen ausgeruhter, habe ich mich mit Mike im Parc de la Tête d’Or zum Laufen (er) bzw. Radfahren (ich) getroffen. Trotz Skiunterwäsche, Mütze und Handschuhen habe ich gefroren wie ein Schneider und war mehr als froh über den heißen Tee zuhause. Das nächste Mal sollte ich vielleicht auch laufen – ich bin sicher, dass mich das aufwärmen würde. (Ob allerdings Mike der ideale Laufpartner wäre, bezweifle ich stark – er trainiert für den Marathon…)

Jetzt sitze ich hier, um mich herum Berge von Wäsche – London calling! Morgen früh geht’s für 6 Tage zu Silvie. Ich freue mich schon wie verrückt, nach 2 Jahren endlich wieder dorthin zu kommen. Einige andere Lyoner sind auch da, ich werde mich sicher nicht langweilen, wenn Silvie arbeiten muss/in der Uni ist. Wir hören uns danach wieder, take care, tout le monde!

29
Jan
10

„Ich habe einen Puff in meinem Zimmer!“

Am vergangenen Mittwoch bin ich pünktlich um 10.10 aufgewacht – Zeit genug, zu duschen und zum Bahnhof zu rennen, um Georg um 11 vom Bahnhof abzuholen – im strömenden Regen und mit knurrendem Magen. Nachdem Georg von der freundlichen TCL-Frau mit einer Técély-Karte ausgestattet worden war, haben wir uns auf den Weg nach Hause gemacht – dabei habe ich das hier in der Tram entdeckt:

Nach dem Frühstück haben wir trotz Mistwetters die erste Sightseeing-Tour in Angriff genommen – und dabei ist mir aufgefallen, dass Lyon an Sehenswürdigkeiten nicht allzu viel zu bieten hat – in Windeseile hatten wir Oper, Rathaus/Place des Terreaux und Bellecour abgehakt und haben uns, statt weiter im Regen herumzuplatschen, mit Ryan und Rosie getroffen, um Tandoori zu essen – diesmal ohne die verhängnisvolle Sauce indienne – aus Fehlern (anderer) lernt man!

Weil es nicht aufhören wollte zu regnen, sind wir nur ein paar Schritte hügelaufwärts ins nächste Café gegangen, meinen neuen Lieblingscoffeeshop, in dem wir schon so manche Stunde geplant haben – alles kein Problem dank wi-fi und sehr netten Besitzern, die nicht blöd gucken, wenn man stundenlang an seinem Tee nippt. Am Mittwoch haben wir schneller und vor allem mehr getrunken – die heiße Schokolade dort ist ein Gedicht, und sie besteht zu zwei Dritteln aus Sahne!

Als wäre das nicht schon genug der Schlemmerei gewesen, sind wir nach einem kurzen Abstecher nach Hause schon wieder losgezogen – zu einem ordentlichen Lyon-Besuch gehört natürlich ein Essen im L’Épicerie! Michael war mit von der Partie, es war lecker wie immer – für Georg und mich gab’s die tartine Tomate, Pesto, Mozzarella, Michael hat sich an die (im Übrigen sehr leckere) Tages-Tartine mit Zucchini usw. gewagt und zum Abschluss gab’s Dessert – Crumble aux Pommes (Laure lacht immer, wenn ich versuche, „crumble“ französisch auszusprechen) und Mousse au Chocolat.

Der Abend war noch jung – genau wie wir – also haben wir Rosie und Ryan Bescheid gesagt und sind nach Vieux-Lyon ins Les Berthom gegangen – meine Lieblingsadresse, wenn’s um Bier geht! Zwar haben sie kein deutsches Bier, das wäre wohl zu viel verlangt, aber die Auswahl an belgischem Gesöff ist riesig und die Preise okay…

Gequatscht haben wir über dies und das in dieser und jener Sprache – das hat das Ganze natürlich spannend gemacht! Irgendwann (und immer noch ab und zu) war ich so durcheinander, dass ich selbst zu Ryan Sachen auf Deutsch gesagt habe…der Arme!

Damit war’s aber dann genug für den Tag – Zeit für’s Bett! Zum Glück hatte ich auch am Donnerstag frei – ich habe lange und Georg zu lange geschlafen, aber irgendwann am Nachmittag haben wir dann den Rest des spärlichen Lyoner Sightseeingprogramms abgehakt: das Wetter war schöner als am Mittwoch, und so sind wir nach Fourvière hochgefahren, haben die römischen Theater besichtigt und sind zurück nach Vieux-Lyon gelaufen.

Théâtres romains

Théâtres romains

Auf dem Weg nach unten haben wir – außer dem heiligen Georg – ein ziemlich cooles Café entdeckt, Retro-Stil hart an der Grenze zum Kitsch, aber nett!

alleine schon die Limo-Gläser...

alleine schon die Limo-Gläser...

Paul, Georgs alter Austauschpartner, den ich im Sommer 08 in Berlin kurz kennen gelernt hatte, war auch in der Stadt, und wir hatten vor, uns zu treffen. Da er aber auf unsere SMS nicht reagiert hat, haben wir ein Crêpes-Treffen bei Michael ausgemacht –  nur um eine halbe Stunde später Paules Antwort zu bekommen – too late, Monsieur! Und so sah es mal wieder so aus:

Irgendwann, viel zu schnell, war der Crêpe-Teig alle, aber Ryan war noch nicht satt…deswegen sind wir zu mir aufgebrochen – nach einigen nutzlosen bis bizarren Nachrichten und Telefonaten von Ryan mit Rosie, die schließlich dazugestoßen ist. Aus Mangel an Essbarem (und weil ich für Freitag ohnehin eingeladen hatte) gab’s nur schnell zusammengerührte Tomatensoße und Nudeln, was aber in dem Moment allen genug war – und dank Balsamico hatte die Soße sogar Geschmack!

Am nächsten Tag hieß es früh aufstehen – Schule in St Laurent! Georg habe ich noch ein bisschen schlafen lassen, während ich mich fertig gemacht habe. Wenn er sich schon bereit erklärt hatte, mitzukommen, wollte ich ihm wenigstens so viel Schlaf wie möglich ermöglichen. Es war noch dunkel, als wir uns auf den Weg zum Busbahnhof gemacht haben, und während der Fahrt wären wir beide fast eingeschlafen.

Die Schüler haben uns aber dann auf Trab gebracht…nach der obligatorischen Fragerunde (und natürlich wieder „‚Ast du Chaustiere?“) haben wir mit den Anfängern Memory mit Farben und einfachen Wörtern gespielt – es hat Spaß gemacht (obwohl ich verloren habe!!!) und die Stunde ist schnell vergangen. Danach war eine Stunde gammeln und Unterrichtsplanung angesagt – die 3ème Euro war großartig! In der Gruppe, die an dem Tag dran war, sind ein paar echt pfiffige Schüler, einer von ihnen hat tatsächlich Ironie benutzt – auf Deutsch! Die Klasse hat demnächst eine Sprachprüfung, weshalb ich mit ihnen dafür üben soll – einfach Fragen in 3-4 Minuten beantworten. Annick hatte mir einige Beispiele gegeben – eins davon: Beschreibe dein Zimmer! Klar, jeder hatte ein Bett, einen Schrank, einen Schreibtisch – und eine sagte „Und ich habe einen Puff!“. Nach einem Moment ungläubigen Staunens brachen Georg und ich in schallendes Gelächter und ließen die Ärmste erstmal erklären, was sie denn da hat (offensichtlich so eine Art Sitzsack/Hocker), ehe wir sie aufgeklärt haben, was sie da gerade gesagt hatte. Von leckerem (…) Casino-Essen gestärkt, haben wir noch die letzten beiden Stunden hinter uns gebracht und sind nach Hause gefahren. Es war wohl der Schultag, der am schnellsten vergangen ist. Es war lustig, mit jemandem zusammenzuarbeiten – umso mehr deshalb, weil es zum Schießen war, wie die ganzen Teenie-Mädchen Georg angehimmelt haben!

Kaum zuhause angekommen, war es auch schon Zeit, das Essen vorzubereiten! Hähnchengeschnetzeltes mit Broccoli und Nudeln…mmm! Ryan und Rosie sind vorbeigekommen – DIE Kochgruppe schlechthin! Nach dem Essen sind wir zu Ryan gefahren – Ana hat ihren Geburtstag nachgefeiert…und diese Party hat das Attribut ‚legendär‘ verdient! Es war verrückt…wir waren ungefähr 30 Leute, je später die Stunde, desto ausgelassener wurde es…

Um nicht auf dem Hügel zu versauern, haben wir den letzten Bus nach Perrache genommen – ein Wunder, dass wir die Fahrt unverletzt überstanden haben, der Fahrer ist gefahren wie eine Wildsau und wir konnten uns kaum halten…in Perrache angekommen, hat der Wahnsinn seinen Höhepunkt erreicht: wir 30, alle gut angeheitert, sind zwar in den Bahnhof hineingekommen, aber – oh Wunder – nicht mehr raus, weil in der Zwischenzeit die Türen abgeschlossen worden waren – Betriebsschluss! Nach einer Weile hatten die völlig verwirrten Sicherheitsleute, die sich absolut nicht erklären konnten, wie wir in den Bahnhof gekommen waren, die Schlüssel besorgt und wir konnten zum Club weiterziehen. Leider war’s zu spät – nirgendwo sind wir reingekommen. Weil wir nicht weiter in der Kälte herumstehen wollten, sind Ryan, Rosie, Georg und ich nach Charpennes véloviert…was für ein wilder Ritt! Ich wusste nicht, dass die Vélo’vs so schnell können…

Heil bei mir angekommen, sind wir gleich ins Bett/auf den Fußboden gefallen (letzterer dürfte auch nicht viel härter als mein Bett sein…oder, Georg?) – denn am Samstag sollte der Wecker früh klingeln: ein Tagesausflug nach Grenoble stand auf dem Programm!

Es wurde ein unvergesslicher Tag, der eigentlich einen eigenen Blogeintrag verdient hätte – aber dafür bin ich inzwischen zu müde und zu faul…deshalb nur die Kurzfassung:
Wir – Georg, Rosie, Ryan, Rachel, Jaime und ich – haben uns am Part-Dieu getroffen, um die 1 1/2 Stunden Zugfahrt nach Grenoble in Angriff zu nehmen. Dort sind wir zunächst Richtung Innenstadt gegangen und haben uns etwas umgeschaut und Falafel gegessen, morgens um 11…es war trotzdem lecker! Nach einem Kaffee im ältesten Kaffeehaus Frankreichs (in dem man uns leider in die obere und ganz sicher nicht alte Etage abgeschoben hatte) haben wir uns an den langen Aufstieg zur Bastille gemacht…lang deshalb, weil wir unterwegs geschätzte 1000000 Fotos geschossen haben…eine kleine Auswahl hier:

schwerer, als es aussieht - dieses verdammte Ding hat sich in alle Richtungen bewegt!

Rosie, ich, Jaime, Ryan, Georg, Rachel auf der Bastille!

Nach dem Gang durch irgendeinen seltsamen Tunnel gerieten die Dinge etwas außer Kontrolle – Schneemann und Schneeballschlacht waren angesagt…die Teams waren nicht ganz klar – Georg gegen Ryan und alle gegen die beiden, glaube ich…aber wie auch immer – es gab ohnehin keinen klaren Sieger…

Ausgepowert und ausgehungert haben wir uns an den Abstieg gemacht – Treppen über Treppen – meine Beine haben gezittert, als wir endlich unten angekommen waren! Bevor wir nach Lyon gefahren sind, haben wir uns noch eine Pizza gegönnt – die hielt ungefähr bis zuhause vor…Essen konnte ich nicht bieten, aber heiße Schokolade für alle, dazu ein schlechter Film (Mystic River), den wir nur zur Hälfte gesehen haben, weil wir alle fast eingeschlafen sind…Ende eines wunderbaren Tages!

Am Sonntag haben wir ausgeschlafen – ich bis 10, Georg bis 1, danach sind wir trotz Kälte und Regenwolken in den Parc gegangen…Tiere, Zuckerwatte, Eis und Fußball!

Du sollst nichts essen, was größer als dein Kopf ist - wahre Worte!

Nach einem kleinen Spaziergang waren wir durchgefroren und – Achtung – hungrig…ich hatte absolut nichts mehr zuhause, also wurde diesmal Rosies Küche (die ungefähr die Größe eines durchschnittlichen Küchentischs hat) benutzt – gebratene Zucchini, Paprika und Aubergine, mein Lieblings-Standardessen! Kaum verspeist, war es für Georg und mich auch schon Zeit, nach Hause und dann zum Bahnhof gehen – 5 Tage waren wie im Flug vergangen! Mir hat’s Spaß gemacht, wir haben einiges erlebt und unternommen, du bist jederzeit wieder willkommen, Georg (falls die Zeit noch reicht 😉 )! Bis zum nächsten Mal!

(Was diese Woche sonst geschah, werde ich – hoffentlich – morgen in der Schule aufschreiben…jetzt muss ich dringend ins Bett, St Laurent ruft schon!)

17
Jan
10

Schon wieder Sonntag…

…Zeit für das nächste Update, bevor mich mein Gedächtnis im Stich lässt.

Montag und Dienstag, die Tage, an denen ich hart arbeiten muss, waren wie gewohnt – Schüler, die nichts machen, außer zu reden, von meiner fabelhaften Terminale mal abgesehen, die sich trotz der unmenschlichen Zeit, montags um 8, und entsprechend müde immerhin bemüht, was auf die Reihe zu kriegen. Ansonsten war’s eher ätzend – einziges Highlight in meiner Seconde war die Diskussion mit einer Schülerin, die alles andere als doof, aber leider auch sehr vorlaut und nervig ist – sie hat festgestellt, dass das französische Schulsystem verdammt schlecht ist, was Fremdsprachen angeht – Recht hat sie! Nur auf das Warum haben weder sie noch ich eine Antwort gefunden.

Am Dienstag habe ich abends, wenn ich mich recht entsinne, nichts weiter gemacht, als mit Ana bei Starbucks Kaffee zu trinken- also springe ich gleich zum Mittwoch: 5 Stunden Shopping-Marathon! Ryan braucht für seine Aufnahmeinterviews an mehreren Medical Schools einen Anzug – und da wir uns im Lande Liliput befinden, war klar, dass es schwer werden würde, für den dürren Riesen Ryan etwas Passendes zu finden. Rachel, Ryan und ich sind nach dem ersten erfolglosen Versuch in einem ziemlich schicken (und teuren) Anzugladen gelandet, in dem Ryan nach einigem Anprobieren tatsächlich einen fast perfekten Anzug gefunden hat – fast perfekt bis auf den Preis. Das Herz sagte ja, der Kopf war noch nicht überzeugt, also sind wir weitergezogen. Der nächste Laden war billiger und unerträglich – der Verkäufer war aufdringlich, fast agressiv, und gar nicht mehr freundlich, als wir NEIN zu seinen Anzügen gesagt haben. Auf dieses Geschäft folgte der nächste Reinfall: 1000€ waren definitiv zu viel. Einen anderen schicken und fast perfekten Anzug haben wir noch gefunden, und während Ryan mit sich gerungen hat, haben wir beim Brioche Dorée zu Nachmittag gegessen. Auch bei Printemps gab’s nichts, was uns richtig vom Hocker gerissen hätte, und nachdem Ryan sich noch von seiner Mutter telefonisch Rat geholt hatte, hat er sich für den ersten fast perfekten Anzug entschieden – der Verkäufer hatte Recht mit „Ça va très bien avec vos cheveux“ – „Das passt sehr gut zu Ihrer Haarfarbe“. Um einige hundert Euro ärmer, aber um einen schicken Anzug reicher, hat Ryan das Geschäft als glücklicher Mann verlassen.

Zur Feier des Tages haben wir ein bisschen Wein gekauft und haben es uns mit Marzipan in meinem Wohnzimmer gemütlich gemacht. Ulrich war auch zuhause, und so waren wir gezwungen Französisch zu sprechen – wenngleich wir, wie Laure augenzwinkernd bemerkt hat, sofort Englisch gesprochen haben, wenn er das Zimmer verlassen hat – die Macht der Gewohnheit! Später sind Ryan und ich noch in die einzige Bar in Guillotière gegangen, in der man nicht das Fürchten bekommt, und haben uns dort mit Mike auf ein Bier getroffen. Ryan musste am nächsten Tag unterrichten und war vom Einkaufen erschöpft, Mike und ich sind noch auf’s La Marquise gegangen, es war nichts los und wir sind bald gegangen.

Den Donnerstag habe ich wieder mal zum Haushaltstag gemacht und reichlich gekocht – meine geliebte Hackfleisch-Auberginen-Paprika-Zucchini-Mischung mit Reis und Joghurtsoße. Es waren Unmengen übrig, und als Rosie mich nach meinen Plänen für Freitag gefragt hat, habe ich sie zum Essen eingeladen. Um 6 klingelte das Telefon – Ryan. Er hatte ein Huhn gekauft, dass er nicht alleine essen wollte, und da er wusste, dass Rosie zu mir kommen würde, hat er vorgeschlagen mit Huhn und Co. vorbeizukommen und es für uns zu kochen. „Master of Chicken“ wäre der passende Titel für ihn, falls es mit der Medical School nicht klappt – das Hühnchen war mal wieder köstlich! Die Wartezeit haben wir mit meinem Resteessen, von Laure gestiftetem Schinken, Bier und Wein vertrieben – und mit angeregten Diskussionen auf Französisch. Dazu gab’s französische Chansons und amerikanischen Folk und Bluegrass – mein musikalischer Horizont erweitert sich dramatisch! Hier mein Ohrwurm seit mehreren Tagen:

Und so ging der Abend dahin, wir waren satt und zufrieden, vor allem aber müde – ich habe noch schnell den Abwasch gemacht, bevor ich wie tot ins Bett gefallen bin.

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen: Skifahren in Alpe d’Huez war angesagt. Wir waren eine Gruppe von 8 Leuten – was uns allerdings erst klar wurde, als wir uns alle hundemüde am Bus getroffen haben, denn wir hatten nicht zusammen gebucht. Mit von der Partie waren Emily, Sara, Mike, Patrick, Benjamin, Greg und Rob. Die Busfahrt war lang und langweilig, schlafen konnte ich nicht. Gegen dreiviertel Zehn sind wir angekommen, und da nur Mike und ich noch Ausrüstung leihen mussten, sind die anderen schon hochgefahren – wir wollten uns später wieder treffen. Nach einigem Warten waren auch Mike und ich soweit und haben uns auf den Weg nach oben gemacht. Ich war etwas unsicher, was meine Fahrkünste anging, weil ich schon seit Jahren nicht mehr Ski gefahren war (unglaublich, dass der Ski-Grundkurs schon 4 Jahre her ist!). Bei den ersten Abfahrten, obwohl nicht sehr anspruchsvoll, ging’s mir dann auch vor allem darum, die Ski unter Kontrolle zu halten und nicht hinzufallen – erst nach einiger Zeit und nachdem Mike mich genötigt hatte, eine Abfahrt zu nehmen, die von der Gondel aus atemberaubend steil aussah, fühlte es sich mehr und mehr an wie Skifahren. Es hat Spaß gemacht, ja!

Den Rest der Mannschaft haben wir durch Zufall früher als geplant wiedergetroffen – ich habe Greg auf der Piste am wilden Rudern mit den Armen erkannt, er ist zum ersten Mal Ski gefahren, und als ich ihn gerufen habe, hat er mich vor Schreck fast umgefahren. Den Rest des Tages haben wir in wechselnden Gruppen verbracht – Mike und Rob haben die ein oder andere Abfahrt genommen, die wir anderen uns nicht zugetraut haben.

Das Foto (ohne Patrick, der fotografiert hat, und Ben, der’s nicht mitbekommen hat) ist auf dem Pic Blanc entstanden – 3330m, trotz Wolken eine atemberaubende Aussicht – und der Weg zurück für alle außer Mike mit der Gondel, weil es nur schwarze Pisten gab.

Die letzte Abfahrt des Tages ging zurück in den Ort – angegeben als blaue, also eher einfache Piste, entpuppte sie sich sich als „ab und zu blau, überwiegend rot und vereist, am Ende dafür als Ausgleich grün“ – aber es blieb Patrick und mir (die anderen hatten entweder eine wirklich rote Piste oder den Lift genommen) nichts anderes übrig, als uns irgendwie nach unten zu kämpfen, es gab kein Zurück. Nach 5 Stunden Skifahren war ich froh, endlich wieder meine normalen Schuhe anzuhaben, und ich war so hundemüde, dass ich die Fahrt nach Lyon fast komplett verschlafen habe. Nach der Ankunft haben wir noch eben Pizza gegessen, ehe wir nach Hause gegangen sind.

Nachdem ich mich schnell umgezogen hatte, bin ich zur Glühweinparty bei Maxi, Larissa, Alina und Sophie weitergezogen – der heiße Glühwein nach so viel frischer Luft tat gut! Auf der Party hatte ich eine Begegnung der dritten Art: Jemand, der mich kannte obwohl wir uns noch nie gesehen hatten…dass mein Blog für alle im Internet steht, weiß ich ja, aber jemanden zu treffen, der es tatsächlich gelesen hat, obwohl er nicht zu Familie und Freundeskreis gehört, war doch etwas bizarr.

Weil das Wetter heute grandios war, sonnig und relativ mild, haben Michael, Rosie und ich eine kleine Radtour an der Rhône vom Parc de la Tête d’Or im Norden bis zum Stade de Gerland im Süden und (fast) zurück gemacht – es war herrlich!

Soviel zu dieser Woche – mehr folgt dann irgendwann bald! Gute Nacht!