Archive for the 'Feiern' Category

24
Mrz
10

Qu’est-ce qu’il fait beau!

Marmelade: 2,50€. Baguette: 0.80€. Frühstück auf dem Balkon: unbezahlbar.

Seit ein paar Tagen ist hier der – fast schon sommerliche – Frühling ausgebrochen. Es wurde aber auch Zeit nach diesem überaus strengen Lyoner Winter mit grandiosen 10cm Schnee und Eiseskälte um die -10°C…

Aber der Reihe nach – ich habe schließlich lange nicht geschrieben (was zum Teil auch daran lag, dass einfach nicht viel passiert ist, das ich erwähnenswert gefunden hätte). Zum anderen lag’s an Julias einwöchigem Besuch bei mir – da hatte ich einfach keine Lust, mich mit der Blogpflege zu beschäftigen. (Jetzt schreibe ich auf dem Balkon, da fällt’s leicht! [in Top und kurzen Hosen]).

Die letzte Ferienwoche ist, natürlich, schnell vergangen, die Schule war wie immer – wechselhaft, aber auszuhalten. So langsam gewöhne ich mich ans Unterrichten und finde es fast schade, dass es bald vorbei ist.

Einmal war ich noch Skifahren, wieder in L’Alpe d’Huez, diesmal mit Patrick und Aurelien. Wir hatten verdammtes Schwein mit dem Wetter, den ganzen Vormittag Sonnenschein pur und -5°, perfekte Bedingungen, der Schnee war nicht zu hart, nicht zu weich. Ich habe mich einmal mehr als lahme Ente entpuppt und hatte schon fast ein schlechtes Gewissen, weil die anderen 2 dauernd auf mich warten mussten…hingefallen bin ich nur zweimal, aber dafür spektakulär – auf einer vereisten Piste voller Buckel bin ich, den Kopf voran, so lange bergab geschlittert, bis ich irgendwann im oberschenkelhohen Tiefschnee abseits der Piste angekommen war, die Ski immer noch an den Füßen, und mich nur mit Müh und Not und schweißgebadet wieder auf die Piste zurückkämpfen konnte. Danach hatte ich gründlich die Schnauze voll und bin erstmal ein Stück zu Fuß weiter, bis das Schlimmste überstanden war – netterweise haben sich die Herren dazu bereit erklärt, einmal ne grüne Piste zu fahren, damit ich wieder zu Kräften kommen konnte. Dann ging’s besser – aber am Ende war ich so erschöpft, dass ich den Lift nach unten genommen habe und im Bus gleich eingeschlafen bin.

Am 10.3. ist Julia angekommen, leider noch vor dem Frühlingsausbruch, es war verdammt frisch. Wir haben das übliche Lyon-Programm absolviert – Opéra, Hôtel de Ville, Terreaux, Bellecour, Vieux-Lyon, Fourvière, Croix-Rousse, Berthom, Épicerie…

Netterweise hat Annick, meine Collège-Lehrerin am Freitag gestreikt, so dass ich Julia einen Tag länger Gesellschaft leisten konnte. Für den Abend hatte Laure gekocht – einen Kohleintopf mit allerlei Schweinefleisch aus der Auvergne, dazu echt österreichische Serviettenknödel – ein Hochgenuss!


Am Samstag haben wir mit Rachel, Ana, Ryan und Jill einen Ausflug nach Vienne gemacht, einer Kleinstadt nicht weit von Lyon, in der es vor allem römische Ruinen zu sehen gibt. Wir hatten Glück, es war ein sonniger, wenn auch noch kühler Tag, wir sind den halben Tag herumgelatscht, immer auf der Suche nach weiteren Sehenswürdigkeiten. Es war ein netter Ausflug, nicht spektakulär spannend, aber es hat Spaß gemacht.

Auf der Rückfahrt haben wir mein neues Lieblingsspiel gespielt – Jungle Speed! Darum geht’s: Grabsch nach dem Totem und werde deine Karten los…einfach, aber unterhaltsam! (Ich werd’s mir wohl noch kaufen, als kleines Souvenir)

Der Sonntag war wettermäßig leider weniger bezaubernd, es war eiskalt und bewölkt – trotzdem sind wir zum Fußballspielen in den Park gegangen. Julia musste sich leider mit einem Platz auf der Trainerbank begnügen, weil sie keine Turnschuhe mithatte.
Wegen des Wetters waren wir nicht sehr viele, haben aber noch Verstärkung in Form von Pasquale (Italien), Martín (Spanien) und Raïd (Marokko) bekommen – wodurch wir zwar nicht wesentlich besser, aber immerhin zahlreicher geworden waren. Aus Mitleid mit den Zuschauern haben wir beschlossen, vom Park ins Café umzuziehen, um uns aufzuwärmen – was auch wir Spieler bitter nötig hatten.

Am Montag und Dienstag musste ich arbeiten, aber Julia hat sich auch alleine beschäftigen können – und sooo lange war’s ja auch nicht. Am Mittwoch hat endlich der Frühling Einzug gehalten – T-Shirt-Wetter! Passend dazu hatten wir ein Picknick im Park geplant, es waren an die 30 Assistenten da, von denen ich viele zum ersten Mal gesehen habe. Das Essen war köstlich, es gab alles, was das Herz begehrte. Und weil St Patrick’s Day war, an dem es nach Aussage diverser Amerikaner ausschließlich darum geht, grün zu tragen und sich zu betrinken, hatten wir einige Weinvorräte mitgebracht. Die Polizei hat das nicht so gerne gesehen – während ich Julia zum Flughafenbus gebracht habe, kamen 6 flics auf Segways und haben den verbliebenen Picknickern nahegelegt, sämtliche offenen Weinflaschen zu entsorgen oder wahlweise eine Strafe von 60€ pro Nase zu zahlen – tant pis, der Verbrauch war ohnehin schon weit fortgeschritten. Ich bin nochmal in den Park zurückgekommen – für eine weitere Runde Jungle Speed, bei der ich nur mäßig erfolgreich war – aber ganz offensichtlich hat’s trotzdem Spaß gemacht:

Weil die Sonne inzwischen weg war, hat sich die Runde aufgelöst – um sich später am Abend in Vieux-Lyon wieder zusammenzufinden, um aus dem St Patrick’s Day raus- und in Zanes Geburtstag reinzufeiern. Es war der reinste Wahnsinn, wie viele Menschen unterwegs waren, alle mehr oder weniger grün gewandet oder mit grünlichen Utensilien ausgestattet.

Ich war froh, dass ich am Donnerstag nicht arbeiten musste!

Der Park ruft, ich mache Schluss, immerhin beinahe in der Gegenwart angekommen. à plus!

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02
Mrz
10

It’s London, baby!

Die Erinnerungen aus London hatten eine Woche Zeit sich zu setzen – höchste Zeit für den Blogeintrag, bevor sie verblassen. Die Tatsache, dass ich in einer Woche Ferien nicht dazu gekommen bin, obwohl ich alle Zeit der Welt hatte, und stattdessen mitten in der Nacht vor meinem längsten Schultag einen möglicherweise langen Blogeintrag anfange, sollte mir vielleicht zu denken geben, was meine Motivation zu unterrichten angeht. But anyway…es geht ja erst um 11 los…

Vorbemerkung: Die Bilder geben einen stark verfälschten Eindruck davon, wie das Wetter war.

Tag 1 – Dienstag

Mein Flieger geht um halb 11 – früh genug, mir die Zeit bis zum Aufstehen mit den Olympischen Spielen und den herzergreifend grottigen französischen Fernsehkommentatoren zu vertreiben. Weil ich EasyJet nicht traue, bin ich mehr als zeitig zum Flughafen gefahren – zum Glück: Ich musste eine halbe Stunde warten, um mein Gepäck und mich einzuchecken. Der erste Eindruck: Erwartungen erfüllt – die Frau am Schalter hat mehrere Minuten gebraucht, meine Buchung zu finden, und musste eine Kollegin hinter mir her rennen lassen, weil sie vergessen hatte, meinen Ausweis zu kontrollieren. Es war ein bisschen wie mit den Kindern bei der Parkeisenbahn im FEZ: Alle nehmen ihre Aufgabe total ernst, aber letztendlich sind’s doch Amateure.
Die Zeit bis zum Abflug habe ich mit meinem iPod verbracht. Im Stehen – denn in der Wartehalle gab’s grob geschätzt 20 Sitze für 120 Leute. Kurz vor der planmäßigen Boardingzeit  haben die sich in einem Pulk um den Ausgang geschart – fertig machen zum Run auf die billigen Plätze! Der Einfachheit halber habe ich mich auf den erstbesten fallen lassen – und bin schon kurz vor dem Start eingeschlafen. Nicht weiter tragisch – mein Sitznachbar, obwohl er mich im Wartesaal pausenlos angestarrt hatte, schien an einer Kontaktaufnahme ohnehin nicht interessiert. Abgesehen davon, dass er irgendwann im Schlaf in meine Richtung fiel.
Die Ankunft in Gatwick war verdammt englisch: Regen, wohin man blickte…der graue Himmel ließ die Landschaft und die Dörfer an der Bahnstrecke nach London recht eintönig aussehen. Zum Glück war’s nach einer halben Stunde überstanden – Ankunft an London Bridge Station! Da ich noch vom letzten Mal Guthaben auf meiner Oyster Card hatte, konnte ich mich gleich durch die Menschenmassen zur Tube durchkämpfen, Umsteigen in Elephant and Castle, und in Lambeth North wartete schon Silvie auf mich. Wir sind zu ihr gegangen, um meine Sachen abzustellen, und sind dann trotz grottigen Wetters aufgebrochen, die Stadt zu Fuß zu erkunden – von ihrer Wohnung sind es nur 10 Minuten zu Fuß zum Big Ben. Dort haben wir Michael für das obligatorisch Scheißfoto getroffen – voilà:

Weil das Wetter nicht besser wurde, sind wir in die National Portrait Gallery gegangen, haben ein paar schöne, einige hässliche Porträts gesehen und sind schließlich weiter durch die nassen Straßen spaziert, einige Zwischenstops in diversen Geschäften inklusive. Völlig ausgehungert sind wir irgendwann am Russell Square gelandet, haben asiatisch zu Abend gegessen und dann einige Freunde von Silvie im Pub getroffen. Es lief Fußball und der Pub war dementsprechend voll, also sind wir auf der Suche nach einem Platz weitergezogen und sind nach einigem Herumirren in der Bowling Alley gelandet, die es mir schon bei meinem letzten Besuch angetan hatte – 50er-Jahre-Dekor und Bier, hatte was. Inzwischen war ich so müde, dass ich fast am Tisch eingeschlafen wäre, und wir sind nach Hause gefahren.

Tag 2 – Mittwoch

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen: Wir sind zu Silvies Uni nach Kingston, einem Vorort von London, gefahren, weil sie dort ein Tutorial mit einem Professor hatte. Die Sonne schien, und so fiel es nicht allzu schwer, aus dem Bett zu kommen. Nach einer kurzen Bahnfahrt, Frühstück aus dem Supermarkt und einem kleinen Fußmarsch durch Kingston sind wir an der Uni angekommen und Silvie hat mir ihre letzte Arbeit gezeigt – ein 2×1.5m großes (Selbst-?)Porträt.

(Mehr gibt’s auf Silvies Website)

Um das Gemälde ging’s auch im Tutorium, ihr Professor schien ziemlich angetan – zu Recht, wie ich Kunstexperte finde.
Zwischendurch sind wir noch Zeugen eines schier unglaublichen Spektakels geworden: einige Studenten haben Bronzeskulpturen gegossen. Es war wirklich interessant, orange glühend und so weiter – leider habe ich keine Fotos gemacht, weil ich wie gebannt zugeschaut habe. Anschließend ging das Tutorium weiter, wir haben etwas gegessen, sind noch kurz durch die Fußgängerzone von Kingston und zur Themse gelaufen und haben uns dann auf den Rückweg von der Klein- in die Monsterstadt gemacht.

Weil das Wetter immer noch schön war, sind wir nach Camden gefahren und sind von dort am Kanal entlang zum Primrose Hill spaziert, von dem aus man einen schönen Blick über London hat.

Beim Sainsbury’s haben wir ein bisschen für’s Abendessen eingekauft, ehe wir nach Hause gefahren sind. Mit dem Bus natürlich, weil Silvies Abo nicht für die U-Bahn gilt. Ich habe viel Zeit in Bussen verbracht.
Zuhause bei Silvie haben wir erstmal Tee getrunken, während wir darauf gewartet haben, dass ihr Freund Juan zum Essen vorbeikommt. Ich traue mich ja fast nicht, es zu schreiben, aber – ich habe gekocht…es gab Pasta mit Broccoli und Hähnchengeschnetzeltem, lecker!
Nach dem Essen ging’s mit dem Bus zu einer Ausstellung einiger Kommilitonen in einem leerstehenden Restaurant irgendwo am Arsch der Welt. Die Leute dort waren alle sehr, sehr cool – zumindest sahen sie so aus, als würden sie sich so fühlen. Naja…Geschmackssache. Genau wie die Kunstwerke, die sie ausgestellt haben. Es hat nicht lange gedauert, bis wir genug hatten und uns auf den Rückweg gemacht haben.

Tag 3 – Donnerstag

Der Donnerstag fing an, wie der Dienstag aufgehört hatte – regnerisch…deswegen war es auch kein großer Verlust, den Großteil des Morgens verschlafen zu haben. Weil es wirklich keinen Spaß machte, draußen herumzulaufen, sind wir in die Tate Britain, in ein sehr cooles Nobelkaufhaus und ins Café gegangen – so kann man die Zeit totschlagen…
Am Abend sind wir wieder Essen gegangen – zur Abwechslung mal chinesisch. Weil Silvies finnischer Kumpel Markus noch auf sich warten ließ, haben wir auch mit der Bestellung noch gewartet – und uns böse Blicke und Kommentare der Kellner eingefangen – tant pis! Das Essen war jedenfalls trotzdem lecker und sie haben uns nicht vergiftet. Im Anschluss an die reichliche Mahlzeit sind wir in einen Pub weitergezogen und haben dort  Tom getroffen, ebenfalls ein Freund von Silvie. Nach einigen Pints war’s Zeit für den Heimweg.

Tag 4 – Freitag

Am nächsten Tag klingelte leider der Wecker – Silvie musste arbeiten. Ich bin mit ihr gefahren, um mir den Taschen Store und vor allem ein paar der interessanteren Bücher anzugucken. Anschließend habe ich mich auf den Weg zur London Bridge Station gemacht – sicherheitshalber mit der U-Bahn. Dort habe ich Rachel getroffen, die auch gerade mit ihren Eltern in London war. Wir sind auf den Borough Street Market gegangen, der mit französischen Märkten allerdings keinesfalls mithalten konnte, haben The Monument bestiegen und heiße Schokolade getrunken, die Tate Modern besucht und schließlich ihre Eltern an der Tower Bridge getroffen.

Weil die Sonne schien, sind wir noch eine Weile an der Themse spazieren gegangen, ehe ich mich auf den Weg nach Camden Town gemacht habe, um Tom, Silvie und Juan zum Abendessen und anschließend zu einem Konzert in einem Pub zu treffen. Tom war vor Silvie und Juan da und wir sind eine Weile in der Gegend herumgeirrt, auf der Suche nach dem Restaurant, zu dem Silvie mir eine Wegbeschreibung gegeben hatte, an die ich mich nur noch sehr lückenhaft erinnern konnte. Letzten Endes sind wir doch zur U-Bahn-Station zurückgegangen, um dort auf die beiden zu warten. Es stellte sich heraus, dass wir nur ein paar Meter vor dem Restaurant umgekehrt waren – shit happens! Das leckere (asiatische) Essen war Entschädigung genug für meine Blindheit.
Die Band, die im Pub spielen sollte, hatte sich auf ihrem MySpace als Bluegrass angekündigt – haben aber nicht gehalten, was sie versprochen haben. Ich habe Tom um seine Ohrstöpsel beneidet! Irgendwann war’s dann vorbei, das Bier geleert, Zeit für’s Bett!

Tag 5 – Samstag

Am Samstag musste Silvie wieder arbeiten, den Tag musste ich aber trotzdem nicht alleine verbringen: Tom hatte sich als Fremdenführer angeboten. Wir haben uns an der St Paul’s Cathedral getroffen und haben Stunden dort verbracht. Nicht unbedingt, weil wir so begeistert waren – vielmehr, weil die vielen Statuen und Gedenktafeln für längst verblichene englische Seefahrer, koloniale Ausbeuter und Seeleute genügend Anlass zum Witze Reißen gegeben haben. Und natürlich, weil der Aufstieg in die Kuppel seine Zeit brauchte – ich habe die Stufen nicht gezählt, aber in meiner Erinnerung wabert eine Zahl >500 herum. Da das Wetter gut war, entschädigte der Ausblick für die Anstrengung.

Völlig erschöpft vom Sightseeingmarathon in der Kathedrale, haben wir uns eine Pause im Coffeeshop gegönnt…und ich musste dieses Monster von heißer Schokolade besiegen, das Tom mir gekauft hatte:

Wundersamerweise bin ich ohne größere Anstrengung als Sieger aus diesem Kampf hervorgegangen – ich war so stolz auf mich!
Tom hatte nach dem mittelmäßigen Konzert am Vorabend ein weitaus vielversprechenderes Konzert im Royal National Theatre herausgesucht – ein Folk/Bluegrass/whatever-Duo, Geige, Gitarre und gelegentlich Mandoline. Die zwei waren wirklich gut, gesanglich und musikalisch top. Balsam für meine geschundenen Ohren…
Silvie war inzwischen mit der Arbeit fertig und hat uns am Theater getroffen. Zusammen sind wir in Richtung Soho gelaufen, haben zu Abend gegessen (diesmal nicht asiatisch, sondern Pasta…) und uns mit 2 von Silvies Freunden zu einer weiteren Pubrunde getroffen. Es war ein langer Tag, und so sind wir schon bald nach Hause gefahren – Silvie leicht angeheitert, weil sie zu wenig gegessen und zu viel gearbeitet hatte.

Tag 6 – Sonntag

Und Sonntag hieß: Früh aufstehen für den Gottesdienst in der Westminster Abbey – der einzige Weg, den Eintrittspreis von schlappen 12 £ zu umgehen. Und natürlich war’s interessant, einen Gottesdienst in einem fremden Land mitzuerleben – und auf Englisch Kirchenlieder zu singen! Das Aufstehen hat sich gelohnt!
Und weil beten hungrig macht, haben wir zu Mittag gekocht. Nudeln. Mit Sauce. Abwechslung³. Nein, im Ernst – meine Kreation sehr frei nach einem von Rosalies Rezepten hat allen geschmeckt.
Obwohl es geregnet hat, haben wir uns dazu aufgerafft, zur Brick Lane zu fahren, einer Gegend, die zu 95% aus Vintage-Läden nebst dazugehörigen Menschen besteht. Fündig geworden bin ich in keinem dieser Läden – und erst der Rough Trade Store hat mein Herz höher schlagen lassen – CDs und Platten, so weit das Auge reichte, einige ausgefallene Sachen natürlich, ich hätte ein Vermögen ausgeben können. Weil aber meine Pounds zur Neige gingen, habe ich mich auf eine einzige CD beschränkt – A friend of a friend von der Dave Rawlings Machine. Wochenlang hatte ich die youtube-Videos rauf und runter gespielt und war kurz davor gewesen, das Album im iTunes-Store zu kaufen – aber eine richtige, echte CD in den Händen zu halten, hat mich doch um einiges glücklicher gemacht. Kostprobe gefällig?

Das Wetter war mies, wir alle müde, also sind wir früh nach Hause gefahren – und Silvie ist gleich eingeschlafen, während ich noch einige Zeit Musik gehört habe. Der letzte Abend in London, zu Hause verbracht…Asche auf mein Haupt!

Tag 7 – Montag

Obwohl wir früh im Bett gewesen waren, sind wir recht spät aufgestanden – egal, es regnete! Um auch das noch abzuhaken, haben wir einen Abstecher zu Harrod’s gemacht – nach 2 Minuten waren wir wieder draußen, es war voll und uns war nicht danach, im Kaufhaus herumzulungern. Das Frühstück war karg gewesen, deshalb haben wir nach Harrod’s zu Mittag gegessen, ich habe meine Postkarten gekauft und wir sind zurück zu Silvie gefahren – es war schon fast Zeit, meine Sachen zu packen und zum Flughafen zu fahren! Silvie hat mich noch zur U-Bahn gebracht, und schon saß ich im Zug nach Gatwick. EasyJet hat sich wieder von seiner ‚besten‘ Seite gezeigt – wenn ich’s irgendwie vermeiden kann, fliege ich in Zukunft nicht mehr mit denen!
Immerhin haben sie mich und mein Gepäck heil nach Hause gebracht, nur leicht verspätet, und um halb 11 war ich zurück in Lyon.

Die Zeit in London ist viel zu schnell vergangen – aber ich war mit Sicherheit nicht zum letzten Mal da!

Was in Lyon in der letzten Woche geschah, gibt’s demnächst zu lesen – höchste Zeit zu schlafen – Décines ruft!

10
Feb
10

Langsam wird’s echt langweilig…

…ich sitze in der Küche, und auf dem Herd brodelt das Gulasch. Der Spätzleteig steht neben Wein und Bier auf dem Balkon, der Salat wartet darauf, geputzt zu werden.

Zeit, die letzte Woche Revue passieren zu lassen.

Am Mittwoch bin ich vom Coffeeshop direkt zu Ryan gefahren – Abendessen war angesagt! Ryan hatte Sofrito gemacht, eine sehr leckere spanische Soße aus Tomaten, Paprika und Olivenöl, dazu gab’s Fisch und Baguette. Noch ein Rezept, das gleich aufgeschrieben wurde! (Wenn ich die ganzen Sachen nachkoche, muss ich erstmal übersetzen – und bei den amerikanischen Rezepten auch noch umrechnen…1 cup ist soundso viel, 1 tablespoon sind 3 teaspoons, oder wie auch immer das alles ist)

Den Donnerstag habe ich, wie so viele Donnerstage, mit Aufräumen, Wäsche und ein bisschen Unterrichtsplanung für’s Collège: die Anfänger haben die Monate und Jahreszeiten gelernt, mit den wunderbaren 3e EURO gab’s Vorbereitung auf die B1-Prüfung und die netten Gruppen aus der 5e und 4e wurden mit öffentlichen Verkehrsmitteln gequält – offensichtlich war’s aber gar nicht so langweilig, wie ich befürchtet hatte – sie waren alle überrascht, als es plötzlich schon geklingelt hat. Danke, BVG!

Am Abend hat Anna ihren Geburtstag gefeiert – mit vielen Chips und Süßigkeiten, Unmengen Kartoffel- und Broccoligratin und einer überschaubaren Menge Wein. Mit der letzten Metro haben wir uns auf den Weg zu den Péniches gemacht – und sind auf das berühmt-berüchtigte Q-Boat gegangen, bei dem ich bisher noch jedes Mal abgewiesen worden war. Im Nachhinein bin ich darüber nicht traurig – so toll fand ich’s (und der Großteil der anderen Mädels) nicht, zu schicki-micki. Also sind wir nach nicht einmal 10 Minuten auf’s La Marquise weitergezogen, das ich sehr gerne mag – viel lockerer, bessere Musik und angenehmere Leute. Ausnahmsweise war’s aber leer, und außer Sophie und mir wollte niemand bleiben. Letzte Station des Abends war die sichere Bank Le Sirius – gerammelt voll mit Zwergen! Obwohl einige davon etwas aufdringlich waren, war’s ganz nett – irgendwann allerdings wurde es mir dann doch zu viel, gemeinsam mit Sophie und Anna habe ich mich auf den Fußweg nach Hause gemacht und bin todmüde ins Bett gefallen.

Am Samstag war Verdi angesagt, Michael und ich haben mal wieder von unserer Carte Entrée Libre Gebrauch gemacht. Das Orchester sah teilweise gewohnt teilnahmslos aus, die Sänger waren in Ordnung, und ich bin eingeschlafen. Nur kurz. Aber trotzdem…

Nach dem Konzert haben wir Ryan getroffen, um Falafel essen zu gehen. Satt waren wir danach nicht und haben einen kleinen Abstecher zum Tandoori-Laden gemacht – gerammelt voll! Ich habe nicht gezählt, aber es waren definitiv weit mehr Leute in diesem winzigen Raum als hineinpassten. Endlich satt und zufrieden, sind wir mit Ryans Wein zu mir gefahren, haben ein bisschen gequatscht – und uns derart verquatscht, dass Ryan seinen letzten Bus verpasst hat und nach Hause laufen musste und die beiden den Nachtbus nehmen mussten.

Der Sonntag stand wieder ganz im Zeichen des Fußballs – Rachel und ich haben gerufen – und Ryan ist gekommen…magere Ausbeute der Massen-SMS…Wir sind trotzdem zum Spielen gekommen: mit zwei kleinen Franzosen-Jungs und ihren Eltern. Die Kinder waren total niedlich – und haben Englisch mit uns gesprochen, sie waren total stolz darauf, dass sie sich mit uns unterhalten konnten! (Als wir uns verabschiedet haben, ist ihnen aufgegangen, dass wir auch Französisch sprechen – tja, zu spät!) Gute Fußballspieler, das haben wir festgestellt, sind wir nicht: Ryan, Rachel, ich und ein Franzosenvater haben gegen die beiden Jungs, den zweiten Vater und eine Mutter verloren…schön war’s trotzdem, matschig auch – ein perfekter Nachmittag im Park! Anschließend ging’s verdreckt nach Bellecour, Ana hatte über Facebook einen ihrer Massenaufrufe gestartet – und wir waren so zahlreich, dass nur ein etwas seltsames

(Die Gäste kommen, die Küche ruft – Fortsetzung folgt!)

29
Jan
10

„Ich habe einen Puff in meinem Zimmer!“

Am vergangenen Mittwoch bin ich pünktlich um 10.10 aufgewacht – Zeit genug, zu duschen und zum Bahnhof zu rennen, um Georg um 11 vom Bahnhof abzuholen – im strömenden Regen und mit knurrendem Magen. Nachdem Georg von der freundlichen TCL-Frau mit einer Técély-Karte ausgestattet worden war, haben wir uns auf den Weg nach Hause gemacht – dabei habe ich das hier in der Tram entdeckt:

Nach dem Frühstück haben wir trotz Mistwetters die erste Sightseeing-Tour in Angriff genommen – und dabei ist mir aufgefallen, dass Lyon an Sehenswürdigkeiten nicht allzu viel zu bieten hat – in Windeseile hatten wir Oper, Rathaus/Place des Terreaux und Bellecour abgehakt und haben uns, statt weiter im Regen herumzuplatschen, mit Ryan und Rosie getroffen, um Tandoori zu essen – diesmal ohne die verhängnisvolle Sauce indienne – aus Fehlern (anderer) lernt man!

Weil es nicht aufhören wollte zu regnen, sind wir nur ein paar Schritte hügelaufwärts ins nächste Café gegangen, meinen neuen Lieblingscoffeeshop, in dem wir schon so manche Stunde geplant haben – alles kein Problem dank wi-fi und sehr netten Besitzern, die nicht blöd gucken, wenn man stundenlang an seinem Tee nippt. Am Mittwoch haben wir schneller und vor allem mehr getrunken – die heiße Schokolade dort ist ein Gedicht, und sie besteht zu zwei Dritteln aus Sahne!

Als wäre das nicht schon genug der Schlemmerei gewesen, sind wir nach einem kurzen Abstecher nach Hause schon wieder losgezogen – zu einem ordentlichen Lyon-Besuch gehört natürlich ein Essen im L’Épicerie! Michael war mit von der Partie, es war lecker wie immer – für Georg und mich gab’s die tartine Tomate, Pesto, Mozzarella, Michael hat sich an die (im Übrigen sehr leckere) Tages-Tartine mit Zucchini usw. gewagt und zum Abschluss gab’s Dessert – Crumble aux Pommes (Laure lacht immer, wenn ich versuche, „crumble“ französisch auszusprechen) und Mousse au Chocolat.

Der Abend war noch jung – genau wie wir – also haben wir Rosie und Ryan Bescheid gesagt und sind nach Vieux-Lyon ins Les Berthom gegangen – meine Lieblingsadresse, wenn’s um Bier geht! Zwar haben sie kein deutsches Bier, das wäre wohl zu viel verlangt, aber die Auswahl an belgischem Gesöff ist riesig und die Preise okay…

Gequatscht haben wir über dies und das in dieser und jener Sprache – das hat das Ganze natürlich spannend gemacht! Irgendwann (und immer noch ab und zu) war ich so durcheinander, dass ich selbst zu Ryan Sachen auf Deutsch gesagt habe…der Arme!

Damit war’s aber dann genug für den Tag – Zeit für’s Bett! Zum Glück hatte ich auch am Donnerstag frei – ich habe lange und Georg zu lange geschlafen, aber irgendwann am Nachmittag haben wir dann den Rest des spärlichen Lyoner Sightseeingprogramms abgehakt: das Wetter war schöner als am Mittwoch, und so sind wir nach Fourvière hochgefahren, haben die römischen Theater besichtigt und sind zurück nach Vieux-Lyon gelaufen.

Théâtres romains

Théâtres romains

Auf dem Weg nach unten haben wir – außer dem heiligen Georg – ein ziemlich cooles Café entdeckt, Retro-Stil hart an der Grenze zum Kitsch, aber nett!

alleine schon die Limo-Gläser...

alleine schon die Limo-Gläser...

Paul, Georgs alter Austauschpartner, den ich im Sommer 08 in Berlin kurz kennen gelernt hatte, war auch in der Stadt, und wir hatten vor, uns zu treffen. Da er aber auf unsere SMS nicht reagiert hat, haben wir ein Crêpes-Treffen bei Michael ausgemacht –  nur um eine halbe Stunde später Paules Antwort zu bekommen – too late, Monsieur! Und so sah es mal wieder so aus:

Irgendwann, viel zu schnell, war der Crêpe-Teig alle, aber Ryan war noch nicht satt…deswegen sind wir zu mir aufgebrochen – nach einigen nutzlosen bis bizarren Nachrichten und Telefonaten von Ryan mit Rosie, die schließlich dazugestoßen ist. Aus Mangel an Essbarem (und weil ich für Freitag ohnehin eingeladen hatte) gab’s nur schnell zusammengerührte Tomatensoße und Nudeln, was aber in dem Moment allen genug war – und dank Balsamico hatte die Soße sogar Geschmack!

Am nächsten Tag hieß es früh aufstehen – Schule in St Laurent! Georg habe ich noch ein bisschen schlafen lassen, während ich mich fertig gemacht habe. Wenn er sich schon bereit erklärt hatte, mitzukommen, wollte ich ihm wenigstens so viel Schlaf wie möglich ermöglichen. Es war noch dunkel, als wir uns auf den Weg zum Busbahnhof gemacht haben, und während der Fahrt wären wir beide fast eingeschlafen.

Die Schüler haben uns aber dann auf Trab gebracht…nach der obligatorischen Fragerunde (und natürlich wieder „‚Ast du Chaustiere?“) haben wir mit den Anfängern Memory mit Farben und einfachen Wörtern gespielt – es hat Spaß gemacht (obwohl ich verloren habe!!!) und die Stunde ist schnell vergangen. Danach war eine Stunde gammeln und Unterrichtsplanung angesagt – die 3ème Euro war großartig! In der Gruppe, die an dem Tag dran war, sind ein paar echt pfiffige Schüler, einer von ihnen hat tatsächlich Ironie benutzt – auf Deutsch! Die Klasse hat demnächst eine Sprachprüfung, weshalb ich mit ihnen dafür üben soll – einfach Fragen in 3-4 Minuten beantworten. Annick hatte mir einige Beispiele gegeben – eins davon: Beschreibe dein Zimmer! Klar, jeder hatte ein Bett, einen Schrank, einen Schreibtisch – und eine sagte „Und ich habe einen Puff!“. Nach einem Moment ungläubigen Staunens brachen Georg und ich in schallendes Gelächter und ließen die Ärmste erstmal erklären, was sie denn da hat (offensichtlich so eine Art Sitzsack/Hocker), ehe wir sie aufgeklärt haben, was sie da gerade gesagt hatte. Von leckerem (…) Casino-Essen gestärkt, haben wir noch die letzten beiden Stunden hinter uns gebracht und sind nach Hause gefahren. Es war wohl der Schultag, der am schnellsten vergangen ist. Es war lustig, mit jemandem zusammenzuarbeiten – umso mehr deshalb, weil es zum Schießen war, wie die ganzen Teenie-Mädchen Georg angehimmelt haben!

Kaum zuhause angekommen, war es auch schon Zeit, das Essen vorzubereiten! Hähnchengeschnetzeltes mit Broccoli und Nudeln…mmm! Ryan und Rosie sind vorbeigekommen – DIE Kochgruppe schlechthin! Nach dem Essen sind wir zu Ryan gefahren – Ana hat ihren Geburtstag nachgefeiert…und diese Party hat das Attribut ‚legendär‘ verdient! Es war verrückt…wir waren ungefähr 30 Leute, je später die Stunde, desto ausgelassener wurde es…

Um nicht auf dem Hügel zu versauern, haben wir den letzten Bus nach Perrache genommen – ein Wunder, dass wir die Fahrt unverletzt überstanden haben, der Fahrer ist gefahren wie eine Wildsau und wir konnten uns kaum halten…in Perrache angekommen, hat der Wahnsinn seinen Höhepunkt erreicht: wir 30, alle gut angeheitert, sind zwar in den Bahnhof hineingekommen, aber – oh Wunder – nicht mehr raus, weil in der Zwischenzeit die Türen abgeschlossen worden waren – Betriebsschluss! Nach einer Weile hatten die völlig verwirrten Sicherheitsleute, die sich absolut nicht erklären konnten, wie wir in den Bahnhof gekommen waren, die Schlüssel besorgt und wir konnten zum Club weiterziehen. Leider war’s zu spät – nirgendwo sind wir reingekommen. Weil wir nicht weiter in der Kälte herumstehen wollten, sind Ryan, Rosie, Georg und ich nach Charpennes véloviert…was für ein wilder Ritt! Ich wusste nicht, dass die Vélo’vs so schnell können…

Heil bei mir angekommen, sind wir gleich ins Bett/auf den Fußboden gefallen (letzterer dürfte auch nicht viel härter als mein Bett sein…oder, Georg?) – denn am Samstag sollte der Wecker früh klingeln: ein Tagesausflug nach Grenoble stand auf dem Programm!

Es wurde ein unvergesslicher Tag, der eigentlich einen eigenen Blogeintrag verdient hätte – aber dafür bin ich inzwischen zu müde und zu faul…deshalb nur die Kurzfassung:
Wir – Georg, Rosie, Ryan, Rachel, Jaime und ich – haben uns am Part-Dieu getroffen, um die 1 1/2 Stunden Zugfahrt nach Grenoble in Angriff zu nehmen. Dort sind wir zunächst Richtung Innenstadt gegangen und haben uns etwas umgeschaut und Falafel gegessen, morgens um 11…es war trotzdem lecker! Nach einem Kaffee im ältesten Kaffeehaus Frankreichs (in dem man uns leider in die obere und ganz sicher nicht alte Etage abgeschoben hatte) haben wir uns an den langen Aufstieg zur Bastille gemacht…lang deshalb, weil wir unterwegs geschätzte 1000000 Fotos geschossen haben…eine kleine Auswahl hier:

schwerer, als es aussieht - dieses verdammte Ding hat sich in alle Richtungen bewegt!

Rosie, ich, Jaime, Ryan, Georg, Rachel auf der Bastille!

Nach dem Gang durch irgendeinen seltsamen Tunnel gerieten die Dinge etwas außer Kontrolle – Schneemann und Schneeballschlacht waren angesagt…die Teams waren nicht ganz klar – Georg gegen Ryan und alle gegen die beiden, glaube ich…aber wie auch immer – es gab ohnehin keinen klaren Sieger…

Ausgepowert und ausgehungert haben wir uns an den Abstieg gemacht – Treppen über Treppen – meine Beine haben gezittert, als wir endlich unten angekommen waren! Bevor wir nach Lyon gefahren sind, haben wir uns noch eine Pizza gegönnt – die hielt ungefähr bis zuhause vor…Essen konnte ich nicht bieten, aber heiße Schokolade für alle, dazu ein schlechter Film (Mystic River), den wir nur zur Hälfte gesehen haben, weil wir alle fast eingeschlafen sind…Ende eines wunderbaren Tages!

Am Sonntag haben wir ausgeschlafen – ich bis 10, Georg bis 1, danach sind wir trotz Kälte und Regenwolken in den Parc gegangen…Tiere, Zuckerwatte, Eis und Fußball!

Du sollst nichts essen, was größer als dein Kopf ist - wahre Worte!

Nach einem kleinen Spaziergang waren wir durchgefroren und – Achtung – hungrig…ich hatte absolut nichts mehr zuhause, also wurde diesmal Rosies Küche (die ungefähr die Größe eines durchschnittlichen Küchentischs hat) benutzt – gebratene Zucchini, Paprika und Aubergine, mein Lieblings-Standardessen! Kaum verspeist, war es für Georg und mich auch schon Zeit, nach Hause und dann zum Bahnhof gehen – 5 Tage waren wie im Flug vergangen! Mir hat’s Spaß gemacht, wir haben einiges erlebt und unternommen, du bist jederzeit wieder willkommen, Georg (falls die Zeit noch reicht 😉 )! Bis zum nächsten Mal!

(Was diese Woche sonst geschah, werde ich – hoffentlich – morgen in der Schule aufschreiben…jetzt muss ich dringend ins Bett, St Laurent ruft schon!)

17
Jan
10

Schon wieder Sonntag…

…Zeit für das nächste Update, bevor mich mein Gedächtnis im Stich lässt.

Montag und Dienstag, die Tage, an denen ich hart arbeiten muss, waren wie gewohnt – Schüler, die nichts machen, außer zu reden, von meiner fabelhaften Terminale mal abgesehen, die sich trotz der unmenschlichen Zeit, montags um 8, und entsprechend müde immerhin bemüht, was auf die Reihe zu kriegen. Ansonsten war’s eher ätzend – einziges Highlight in meiner Seconde war die Diskussion mit einer Schülerin, die alles andere als doof, aber leider auch sehr vorlaut und nervig ist – sie hat festgestellt, dass das französische Schulsystem verdammt schlecht ist, was Fremdsprachen angeht – Recht hat sie! Nur auf das Warum haben weder sie noch ich eine Antwort gefunden.

Am Dienstag habe ich abends, wenn ich mich recht entsinne, nichts weiter gemacht, als mit Ana bei Starbucks Kaffee zu trinken- also springe ich gleich zum Mittwoch: 5 Stunden Shopping-Marathon! Ryan braucht für seine Aufnahmeinterviews an mehreren Medical Schools einen Anzug – und da wir uns im Lande Liliput befinden, war klar, dass es schwer werden würde, für den dürren Riesen Ryan etwas Passendes zu finden. Rachel, Ryan und ich sind nach dem ersten erfolglosen Versuch in einem ziemlich schicken (und teuren) Anzugladen gelandet, in dem Ryan nach einigem Anprobieren tatsächlich einen fast perfekten Anzug gefunden hat – fast perfekt bis auf den Preis. Das Herz sagte ja, der Kopf war noch nicht überzeugt, also sind wir weitergezogen. Der nächste Laden war billiger und unerträglich – der Verkäufer war aufdringlich, fast agressiv, und gar nicht mehr freundlich, als wir NEIN zu seinen Anzügen gesagt haben. Auf dieses Geschäft folgte der nächste Reinfall: 1000€ waren definitiv zu viel. Einen anderen schicken und fast perfekten Anzug haben wir noch gefunden, und während Ryan mit sich gerungen hat, haben wir beim Brioche Dorée zu Nachmittag gegessen. Auch bei Printemps gab’s nichts, was uns richtig vom Hocker gerissen hätte, und nachdem Ryan sich noch von seiner Mutter telefonisch Rat geholt hatte, hat er sich für den ersten fast perfekten Anzug entschieden – der Verkäufer hatte Recht mit „Ça va très bien avec vos cheveux“ – „Das passt sehr gut zu Ihrer Haarfarbe“. Um einige hundert Euro ärmer, aber um einen schicken Anzug reicher, hat Ryan das Geschäft als glücklicher Mann verlassen.

Zur Feier des Tages haben wir ein bisschen Wein gekauft und haben es uns mit Marzipan in meinem Wohnzimmer gemütlich gemacht. Ulrich war auch zuhause, und so waren wir gezwungen Französisch zu sprechen – wenngleich wir, wie Laure augenzwinkernd bemerkt hat, sofort Englisch gesprochen haben, wenn er das Zimmer verlassen hat – die Macht der Gewohnheit! Später sind Ryan und ich noch in die einzige Bar in Guillotière gegangen, in der man nicht das Fürchten bekommt, und haben uns dort mit Mike auf ein Bier getroffen. Ryan musste am nächsten Tag unterrichten und war vom Einkaufen erschöpft, Mike und ich sind noch auf’s La Marquise gegangen, es war nichts los und wir sind bald gegangen.

Den Donnerstag habe ich wieder mal zum Haushaltstag gemacht und reichlich gekocht – meine geliebte Hackfleisch-Auberginen-Paprika-Zucchini-Mischung mit Reis und Joghurtsoße. Es waren Unmengen übrig, und als Rosie mich nach meinen Plänen für Freitag gefragt hat, habe ich sie zum Essen eingeladen. Um 6 klingelte das Telefon – Ryan. Er hatte ein Huhn gekauft, dass er nicht alleine essen wollte, und da er wusste, dass Rosie zu mir kommen würde, hat er vorgeschlagen mit Huhn und Co. vorbeizukommen und es für uns zu kochen. „Master of Chicken“ wäre der passende Titel für ihn, falls es mit der Medical School nicht klappt – das Hühnchen war mal wieder köstlich! Die Wartezeit haben wir mit meinem Resteessen, von Laure gestiftetem Schinken, Bier und Wein vertrieben – und mit angeregten Diskussionen auf Französisch. Dazu gab’s französische Chansons und amerikanischen Folk und Bluegrass – mein musikalischer Horizont erweitert sich dramatisch! Hier mein Ohrwurm seit mehreren Tagen:

Und so ging der Abend dahin, wir waren satt und zufrieden, vor allem aber müde – ich habe noch schnell den Abwasch gemacht, bevor ich wie tot ins Bett gefallen bin.

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen: Skifahren in Alpe d’Huez war angesagt. Wir waren eine Gruppe von 8 Leuten – was uns allerdings erst klar wurde, als wir uns alle hundemüde am Bus getroffen haben, denn wir hatten nicht zusammen gebucht. Mit von der Partie waren Emily, Sara, Mike, Patrick, Benjamin, Greg und Rob. Die Busfahrt war lang und langweilig, schlafen konnte ich nicht. Gegen dreiviertel Zehn sind wir angekommen, und da nur Mike und ich noch Ausrüstung leihen mussten, sind die anderen schon hochgefahren – wir wollten uns später wieder treffen. Nach einigem Warten waren auch Mike und ich soweit und haben uns auf den Weg nach oben gemacht. Ich war etwas unsicher, was meine Fahrkünste anging, weil ich schon seit Jahren nicht mehr Ski gefahren war (unglaublich, dass der Ski-Grundkurs schon 4 Jahre her ist!). Bei den ersten Abfahrten, obwohl nicht sehr anspruchsvoll, ging’s mir dann auch vor allem darum, die Ski unter Kontrolle zu halten und nicht hinzufallen – erst nach einiger Zeit und nachdem Mike mich genötigt hatte, eine Abfahrt zu nehmen, die von der Gondel aus atemberaubend steil aussah, fühlte es sich mehr und mehr an wie Skifahren. Es hat Spaß gemacht, ja!

Den Rest der Mannschaft haben wir durch Zufall früher als geplant wiedergetroffen – ich habe Greg auf der Piste am wilden Rudern mit den Armen erkannt, er ist zum ersten Mal Ski gefahren, und als ich ihn gerufen habe, hat er mich vor Schreck fast umgefahren. Den Rest des Tages haben wir in wechselnden Gruppen verbracht – Mike und Rob haben die ein oder andere Abfahrt genommen, die wir anderen uns nicht zugetraut haben.

Das Foto (ohne Patrick, der fotografiert hat, und Ben, der’s nicht mitbekommen hat) ist auf dem Pic Blanc entstanden – 3330m, trotz Wolken eine atemberaubende Aussicht – und der Weg zurück für alle außer Mike mit der Gondel, weil es nur schwarze Pisten gab.

Die letzte Abfahrt des Tages ging zurück in den Ort – angegeben als blaue, also eher einfache Piste, entpuppte sie sich sich als „ab und zu blau, überwiegend rot und vereist, am Ende dafür als Ausgleich grün“ – aber es blieb Patrick und mir (die anderen hatten entweder eine wirklich rote Piste oder den Lift genommen) nichts anderes übrig, als uns irgendwie nach unten zu kämpfen, es gab kein Zurück. Nach 5 Stunden Skifahren war ich froh, endlich wieder meine normalen Schuhe anzuhaben, und ich war so hundemüde, dass ich die Fahrt nach Lyon fast komplett verschlafen habe. Nach der Ankunft haben wir noch eben Pizza gegessen, ehe wir nach Hause gegangen sind.

Nachdem ich mich schnell umgezogen hatte, bin ich zur Glühweinparty bei Maxi, Larissa, Alina und Sophie weitergezogen – der heiße Glühwein nach so viel frischer Luft tat gut! Auf der Party hatte ich eine Begegnung der dritten Art: Jemand, der mich kannte obwohl wir uns noch nie gesehen hatten…dass mein Blog für alle im Internet steht, weiß ich ja, aber jemanden zu treffen, der es tatsächlich gelesen hat, obwohl er nicht zu Familie und Freundeskreis gehört, war doch etwas bizarr.

Weil das Wetter heute grandios war, sonnig und relativ mild, haben Michael, Rosie und ich eine kleine Radtour an der Rhône vom Parc de la Tête d’Or im Norden bis zum Stade de Gerland im Süden und (fast) zurück gemacht – es war herrlich!

Soviel zu dieser Woche – mehr folgt dann irgendwann bald! Gute Nacht!

10
Jan
10

10-Tage-Bilanz 2010

In einem Satz zusammengefasst: Wenn das Jahr so weitergeht, wie es angefangen hat, wird es verdammt gut! Here’s why:

Silvester war ein voller Erfolg – keine Böller, keine Raketen, dafür jede Menge leckeres Essen (wir hatten natürlich Unmengen übrig…) in netter Gesellschaft, und um Mitternacht waren wir mit unserem Sekt auf dem Place St Jean, einem meiner liebsten Plätze in Lyon. Ein paar Fotos vom Abend:

Obwohl es an Silvester gar nicht sooo spät geworden war, war an Neujahr hauptsächlich Schlaf und Erholung angesagt. Michael ging es mindestens genauso gut wie mir, und wir haben das Neujahrskonzert auf den 2. Januar verschoben.

Zum Glück haben wir es nicht ganz ausfallen lassen, denn es war das beste Konzert, dass ich bisher vom Orchestre National de Lyon gesehen habe – eine Auswahl von Jacques Offenbach, mit Gesang und Tanz, quasi. Nur die Blumendeko und die bunte Weihnachtsbeleuchtung an diversen Schlaginstrumenten war weniger schön.
Als hätten wir an Silvester noch nicht genug davon gehabt, sind wir nach dem Konzert zu Michael gefahren, um mehr Raclette zu essen – jetzt reicht’s aber erstmal!

Am 4. ging, wie berichtet, schon wieder die Schule los…die 3 Stunden waren so ermüdend, dass ich den Nachmittag verschlafen habe – und dafür am Dienstag für meinen langen Tag topfit war…am Ende war ich völlig geschafft – zum Glück ging’s nach etlichen nervigen Klassen erfreulicher weiter: den ursprünglichen Plan (Happy Hour im Berthom mit Patrick und Konsorten) habe ich über den Haufen geworfen, um mit Rosalie und Ryan in Croix-Rousse Kaffee trinken zu gehen. Auch dieser Plan sollte sich noch ändern: im Anschluss an Kaffee und heiße Schokolade gab’s Tapas à la française, unglaublich lecker und überraschend preiswert. Und als hätten wir immer noch nicht genug vom Abend gehabt, sind wir zu Rosalie gegangen und haben mit ihren englisch-französischen Karteikarten ein Vokabelquiz gemacht.

Den Mittwoch habe ich zum Schlafen, zum Einkaufen, Aufräumen und Wäschewaschen genutzt. Am Nachmittag ist Ryan vorbeigekommen, und wir haben die letzten Weihnachtsplätzchen vernichtet – vollgestopft, aber glücklich! Auch Ulrichs kniffliges Hauptstädteraten konnte dem nichts anhaben – er ist auf dem Gebiet ein wandelndes Lexikon, aber Ryan und ich haben uns ganz gut geschlagen 😉

Am Freitag, wie gesagt, hatte ich überraschend keine Schule und habe mich mit anderen Assistenten (unter anderem Michael, Rosie und Sonya) in der Épicerie zum Mittagessen getroffen – wie immer köstlich! Danach haben Michael, Sonya und ich uns in die Soldes gestürzt: Alles ist reduziert, aber gefunden habe ich trotzdem nichts! Spaß gemacht hat es eigentlich auch nicht besonders, denn es hat ununterbrochen weitergeschneit, es war eiskalt und rutschig – und nur ein bisschen schön.

Durchgefroren, wie wir waren, haben wir beschlossen, dem Mittagessen noch eins draufzusetzen – Crêpes chez Michael et Sonya waren angesagt! Nach dem Essen gab’s noch eine Mini-Dance party in Sonyas Zimmer, Michael hat uns für ne andere Verabredung verlassen und ich habe noch stundenlang mit Sonya gequatscht – ein unerwartet cooler Freitag!

Leider musste ich am Samstag früh raus – Assistententag im Goethe-Institut, 7 lange Stunden von 9.30 bis 16.30. Wegen des Schnees fuhr kein einziger Bus, und wir waren ganze 10, die es zum Goethe-Institut geschafft haben. Zuerst ging’s um Musik/Lieder im Unterricht, wir haben uns einiges angehört und ein paar hilfreiche Hinweise bekommen, was man außer Lückentexten noch machen kann. Der zweite Teil nach der Mittagspause mit Sandwiches, Tee und Keksen war zwar teilweise unterhaltsam bis albern, aber leider weniger hilfreich – es ging um das Deutsch-Mobil und Sprachanimation, also darum, wie man Schülern, die kein Wort Deutsch können, mit Spielen usw. Lust auf Deutsch machen kann…nunja, man soll ja niemals nie sagen – aber werde ich das brauchen?

Später war ich im Kino und habe mir Bright Star angesehen, der neueste Film mit Ben Whishaw – der, natürlich, klasse gespielt hat. Trotzdem hat mich der Film nicht vom Hocker gerissen, er war etwas langatmig, und nach 7 Stunden Goethe-Berieselung war ich doch recht müde und wäre einige Male fast eingeschlafen.

Und jetzt sitze ich schon seit Stunden mit Rosie und Ryan in einem Café in Croix-Rousse – der Unterricht für morgen ist vorbereitet, und es wird langsam Zeit für’s Abendessen…

(Ja, richtig, es geht ständig ums Essen, ich hab’s auch gemerkt – diese Woche war ein kulinarisches Fest!) Alors, espérons que l’année continuera comme ça!

09
Dez
09

Alles ist erleuchtet.

Am vergangenen Wochenende und bis gestern wurde in Lyon die Fête des Lumières gefeiert, mit dem die Lyoner der Jungfrau Maria dafür danken, die Stadt vor der Pest bewahrt zu haben, indem sie am 8. Dezember Kerzen in ihren Fenstern aufstellen. Weil das aber noch kein Touristenmagnet ist, wurde das Fest inzwischen ausgeweitet, und Lichtkünstler beleuchten verschiedene Gebäude und Parks in der Stadt. Mit Worten kann ich das nicht beschreiben, deshalb ein paar Fotos und Videos:

Fourvière - Merci Marie!

Place des Terreaux

Cathédrale St Jean

Croix-Rousse

Mehr Text gibt’s nach dem nächsten Wochenende, das schon wieder voll verplant ist – mit Chanukkah/Weihnachts-Party bei Emily und Rachel, Barber/Gershwin/Bernstein im Auditorium und Weihnachtsmarkt/L’Épicerie mit Larissa, Maxi und Anna. Und dann ist es auch fast schon Zeit, die Tasche für Berlin zu packen!