31
Mai
10

Hannah will meer

(wie gesagt – ich gaukle zeitnahes Schreiben vor…es war natürlich nicht der letzte Freitag, sondern der Freitag vor 6 Wochen)

Am vergangenen Freitag haben Rosie, Ryan und ich uns zu einem spontanen Kurztrip an die französische Mittelmeerküste, genauer nach Sète, entschlossen. Die Entscheidung fiel gegen 21 Uhr, Zugtickets und Jugendherberge wurden noch schnell reserviert, und dann standen auch schon die Reisevorbereitungen an: Ryan und ich sind nach Hause gegangen, um Sachen zu packen und (in meinem Fall) den PAD-Bericht noch schnell fertig zu schreiben. Da meine Klamotten noch nicht alle trocken waren, habe ich erst bis Mitternacht geschrieben – leider nicht genug Zeit für die Lyoner Luft, der Fön musste her:

Dem Spektakel wohnte auch Ryan bei, der inzwischen mit Sack und Tüten vorbeigekommen war, um aus übrig gebliebenem Obst einen apple and pear crumble zu backen. Angesichts der leicht absurden Situation fiel es schwer, nicht dauernd herumzugackern – doch Rücksicht auf die friedlich schlummernde Laure war geboten, und so schälten wir in aller Stille Birnen und Äpfel, kneteten Streusel und tranken Weinreste, bis endlich um dreiviertel Zwei der Crumble goldgelb aus dem Ofen kam – noch kurz abgekühlt und transportfähig verpackt, ging es zurück zu Rosalie.

Nach kurzer Nachtruhe klingelte um 6 der Wecker – gerade genug Zeit, um den Zug nach Avignon um halb 8 zu bekommen. Völlig überrascht waren wir, als dieser tatsächlich planmäßig fuhr – die SNCF machte mal wieder grève, schon wochenlang. Nicht ganz so reibungslos lief es auf der restlichen Strecke von Avignon nach Montpellier: kein Regionalzug, kein TGV, nur ein Bus nach Nîmes stand bereit. Dank Rosalies aktiver Anstehtechnik und trotz zeternder Franzosen, die den Weg versperrten, saßen wir drei immerhin gemütlich auf Schalensitzen und blickten in die traurigen Gesichter all derer, die nicht mehr mitgekommen waren.

Letztendlich war die Busfahrt gar keine schlechte Unannehmlichkeit – wir haben mehr von der Gegend gesehen, und wir sind nicht einmal später als geplant in Montpellier angekommen, weil die Verbindung Nîmes-Montpellier gut passte. Da der nächste Zug nach Sète erst später am Nachmittag fahren sollte, haben wir uns die Innenstadt von Montpellier angeschaut und dort die leckersten Crêpes aller Zeiten gegessen – aus Buchweizenmehl und gefüllt mit allerlei Köstlichkeiten – Thunfisch, Ratatouille, frische Tomaten oder oder oder – die Auswahl war groß und die Wahl fiel schwer.

Nach dem Essen ging’s weiter mit dem TGV nach Sète – eingekesselt von Koffern, weinenden Kindern und Hunden. Riesigen Hunden. Zum Glück war die Fahrt bald überstanden und uns stand nur noch der Fußmarsch zur Jugendherberge bevor – bei 25°C, in der prallen Sonne und mit Gepäck wahrlich kein Zuckerschlecken – die letzten ca. 400m Meter  ging’s bergauf, die Schultern schmerzten – und dem Apple Crumble war auch schon gut warm geworden. In der Jugendherberge angekommen, haben wir erstmal unser Gepäck abgestellt und uns gesonnt. Als uns das zu langweilig wurde und die Sonne langsam hinter dem Hügel verschwand, haben wir uns auf den Weg zurück in den Ort gemacht und eins der vielen, vielen Restaurants fürs Abendessen ausgesucht. Irgendwann war es dann Zeit, in die Jugendherberge zurückzugehen, um endlich unser Zimmer beziehen zu können – wir hatten Glück, ein Zimmer für uns, alles ordentlich und sauber.

Da unsere Verpflegung für den Tag hauptsächlich aus Apple Crumble bestanden hatte, sind wir nach einer kurzen Erfrischungspause schon wieder den Hügel abwärts und zum Essen gegangen. Wir hatten uns ein Fischrestaurant ausgesucht, und Ryan, abenteuerlustig wie er ist, hat als Vorspeise die Austern-Schnecken-etc.-Platte gewählt – in der irrigen Annahme, das Zeug wäre irgendwie gekocht/frittiert/o.ä. – eine Entscheidung, die er noch bereuen sollte:

Was darauf folgte, war keine kulinarische Höchstleistung, aber ganz okay. Satt und müde sind wir in die Jugendherberge zurückgelaufen und haben uns ins Bett gehauen – mit der Aussicht auf einen Tag am Strand.

Schock am Morgen: man sah nichts. Außer Wolken und Nebel. Beim Frühstück waren wir gedrückter Stimmung und schon dabei, einen Plan B zu entwerfen. Unsere Mienen hellten sich erst auf, als der Himmel aufriss, pünktlich nach unserer Einkaufstour bei Monoprix, und wir doch noch zurück zu Plan A gehen konnten!  Der Strand war eine gute halbe Stunde von der Jugendherberge entfernt, wir haben uns für den noch etwas längeren, aber schöneren Weg über den Hügel entschieden. Hübsch war’s, ein bisschen windig und sonnig – perfekte Bedingungen für den ersten Sonnenbrand!

Am späten Nachmittag haben wir uns auf den Weg zurück gemacht und haben im Hostel ein Festmahl zubereitet, schließlich wollten wir auch im Urlaub nicht auf unsere Kochrituale verzichten – es gab Taboulé und staunende Blicke von der Herbergsmutter.

Der nächste Tag verlief ähnlich, mit dem einzigen Unterschied, dass Rosie kränkelte und beim Sonnenbaden passen musste. Sie hat was verpasst: ein Bad im Mittelmeer! So viel kälter als die Ostsee im Sommer war es nicht. Trotzdem wurde es am Strand irgendwann frisch, und so sind wir zur schlafenden Rosalie zurückgekehrt, haben mit den Resten vom Vortag gekocht und Karten gespielt. Mit der Ruhe des Vortags war es allerdings vorbei: schlagartig hatte sich die Jugendherberge gefüllt – mit Jugendlichen! Ryan und ich haben noch ein bisschen mit ein paar anderen Gästen gequatscht und sind früh ins Bett. An Schlaf war nicht zu denken: Feueralarm! Minutenlang gab es ohrenbetäubendes Klingeln, das selbst Tote aufgeweckt hätte. Ich will ja keine Vermutungen anstellen, aber…wer war doch gleich angekommen?!

Am Dienstag war Rosie wieder fit genug, um zum Strand mitzukommen – es war der bisher heißeste Tag, kaum noch Wind und keine Wolke am Himmel. Perfekt, um herumzuliegen, zu lesen und zu dösen! Dösen wollte wohl auch die Sonne und hat sich am Nachmittag spontan aus dem Staub gemacht. Naja – so hatten wir wenigstens Zeit genug, das Abendesen vorzubereiten, ganz unspektakulär mit Salat, Baguette, Guacamole und Nachos. Diesmal wurde es etwas später, wir saßen noch mit einem Deutschen und einem Ami auf der Terrasse und haben mit der Herbergsmutter gequatscht. Und so hatten wir wenigstens noch nicht geschlafen, als der Feueralarm losging…wieder war’s die Jugendgruppe…

Am Mittwoch mussten wir schon wieder zurück nach Lyon, der Streik war vorbei und wir hatten somit keine Ausrede, unseren Urlaub zu verlängern…schade eigentlich, schön war’s…


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