02
Mrz
10

It’s London, baby!

Die Erinnerungen aus London hatten eine Woche Zeit sich zu setzen – höchste Zeit für den Blogeintrag, bevor sie verblassen. Die Tatsache, dass ich in einer Woche Ferien nicht dazu gekommen bin, obwohl ich alle Zeit der Welt hatte, und stattdessen mitten in der Nacht vor meinem längsten Schultag einen möglicherweise langen Blogeintrag anfange, sollte mir vielleicht zu denken geben, was meine Motivation zu unterrichten angeht. But anyway…es geht ja erst um 11 los…

Vorbemerkung: Die Bilder geben einen stark verfälschten Eindruck davon, wie das Wetter war.

Tag 1 – Dienstag

Mein Flieger geht um halb 11 – früh genug, mir die Zeit bis zum Aufstehen mit den Olympischen Spielen und den herzergreifend grottigen französischen Fernsehkommentatoren zu vertreiben. Weil ich EasyJet nicht traue, bin ich mehr als zeitig zum Flughafen gefahren – zum Glück: Ich musste eine halbe Stunde warten, um mein Gepäck und mich einzuchecken. Der erste Eindruck: Erwartungen erfüllt – die Frau am Schalter hat mehrere Minuten gebraucht, meine Buchung zu finden, und musste eine Kollegin hinter mir her rennen lassen, weil sie vergessen hatte, meinen Ausweis zu kontrollieren. Es war ein bisschen wie mit den Kindern bei der Parkeisenbahn im FEZ: Alle nehmen ihre Aufgabe total ernst, aber letztendlich sind’s doch Amateure.
Die Zeit bis zum Abflug habe ich mit meinem iPod verbracht. Im Stehen – denn in der Wartehalle gab’s grob geschätzt 20 Sitze für 120 Leute. Kurz vor der planmäßigen Boardingzeit  haben die sich in einem Pulk um den Ausgang geschart – fertig machen zum Run auf die billigen Plätze! Der Einfachheit halber habe ich mich auf den erstbesten fallen lassen – und bin schon kurz vor dem Start eingeschlafen. Nicht weiter tragisch – mein Sitznachbar, obwohl er mich im Wartesaal pausenlos angestarrt hatte, schien an einer Kontaktaufnahme ohnehin nicht interessiert. Abgesehen davon, dass er irgendwann im Schlaf in meine Richtung fiel.
Die Ankunft in Gatwick war verdammt englisch: Regen, wohin man blickte…der graue Himmel ließ die Landschaft und die Dörfer an der Bahnstrecke nach London recht eintönig aussehen. Zum Glück war’s nach einer halben Stunde überstanden – Ankunft an London Bridge Station! Da ich noch vom letzten Mal Guthaben auf meiner Oyster Card hatte, konnte ich mich gleich durch die Menschenmassen zur Tube durchkämpfen, Umsteigen in Elephant and Castle, und in Lambeth North wartete schon Silvie auf mich. Wir sind zu ihr gegangen, um meine Sachen abzustellen, und sind dann trotz grottigen Wetters aufgebrochen, die Stadt zu Fuß zu erkunden – von ihrer Wohnung sind es nur 10 Minuten zu Fuß zum Big Ben. Dort haben wir Michael für das obligatorisch Scheißfoto getroffen – voilà:

Weil das Wetter nicht besser wurde, sind wir in die National Portrait Gallery gegangen, haben ein paar schöne, einige hässliche Porträts gesehen und sind schließlich weiter durch die nassen Straßen spaziert, einige Zwischenstops in diversen Geschäften inklusive. Völlig ausgehungert sind wir irgendwann am Russell Square gelandet, haben asiatisch zu Abend gegessen und dann einige Freunde von Silvie im Pub getroffen. Es lief Fußball und der Pub war dementsprechend voll, also sind wir auf der Suche nach einem Platz weitergezogen und sind nach einigem Herumirren in der Bowling Alley gelandet, die es mir schon bei meinem letzten Besuch angetan hatte – 50er-Jahre-Dekor und Bier, hatte was. Inzwischen war ich so müde, dass ich fast am Tisch eingeschlafen wäre, und wir sind nach Hause gefahren.

Tag 2 – Mittwoch

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen: Wir sind zu Silvies Uni nach Kingston, einem Vorort von London, gefahren, weil sie dort ein Tutorial mit einem Professor hatte. Die Sonne schien, und so fiel es nicht allzu schwer, aus dem Bett zu kommen. Nach einer kurzen Bahnfahrt, Frühstück aus dem Supermarkt und einem kleinen Fußmarsch durch Kingston sind wir an der Uni angekommen und Silvie hat mir ihre letzte Arbeit gezeigt – ein 2×1.5m großes (Selbst-?)Porträt.

(Mehr gibt’s auf Silvies Website)

Um das Gemälde ging’s auch im Tutorium, ihr Professor schien ziemlich angetan – zu Recht, wie ich Kunstexperte finde.
Zwischendurch sind wir noch Zeugen eines schier unglaublichen Spektakels geworden: einige Studenten haben Bronzeskulpturen gegossen. Es war wirklich interessant, orange glühend und so weiter – leider habe ich keine Fotos gemacht, weil ich wie gebannt zugeschaut habe. Anschließend ging das Tutorium weiter, wir haben etwas gegessen, sind noch kurz durch die Fußgängerzone von Kingston und zur Themse gelaufen und haben uns dann auf den Rückweg von der Klein- in die Monsterstadt gemacht.

Weil das Wetter immer noch schön war, sind wir nach Camden gefahren und sind von dort am Kanal entlang zum Primrose Hill spaziert, von dem aus man einen schönen Blick über London hat.

Beim Sainsbury’s haben wir ein bisschen für’s Abendessen eingekauft, ehe wir nach Hause gefahren sind. Mit dem Bus natürlich, weil Silvies Abo nicht für die U-Bahn gilt. Ich habe viel Zeit in Bussen verbracht.
Zuhause bei Silvie haben wir erstmal Tee getrunken, während wir darauf gewartet haben, dass ihr Freund Juan zum Essen vorbeikommt. Ich traue mich ja fast nicht, es zu schreiben, aber – ich habe gekocht…es gab Pasta mit Broccoli und Hähnchengeschnetzeltem, lecker!
Nach dem Essen ging’s mit dem Bus zu einer Ausstellung einiger Kommilitonen in einem leerstehenden Restaurant irgendwo am Arsch der Welt. Die Leute dort waren alle sehr, sehr cool – zumindest sahen sie so aus, als würden sie sich so fühlen. Naja…Geschmackssache. Genau wie die Kunstwerke, die sie ausgestellt haben. Es hat nicht lange gedauert, bis wir genug hatten und uns auf den Rückweg gemacht haben.

Tag 3 – Donnerstag

Der Donnerstag fing an, wie der Dienstag aufgehört hatte – regnerisch…deswegen war es auch kein großer Verlust, den Großteil des Morgens verschlafen zu haben. Weil es wirklich keinen Spaß machte, draußen herumzulaufen, sind wir in die Tate Britain, in ein sehr cooles Nobelkaufhaus und ins Café gegangen – so kann man die Zeit totschlagen…
Am Abend sind wir wieder Essen gegangen – zur Abwechslung mal chinesisch. Weil Silvies finnischer Kumpel Markus noch auf sich warten ließ, haben wir auch mit der Bestellung noch gewartet – und uns böse Blicke und Kommentare der Kellner eingefangen – tant pis! Das Essen war jedenfalls trotzdem lecker und sie haben uns nicht vergiftet. Im Anschluss an die reichliche Mahlzeit sind wir in einen Pub weitergezogen und haben dort  Tom getroffen, ebenfalls ein Freund von Silvie. Nach einigen Pints war’s Zeit für den Heimweg.

Tag 4 – Freitag

Am nächsten Tag klingelte leider der Wecker – Silvie musste arbeiten. Ich bin mit ihr gefahren, um mir den Taschen Store und vor allem ein paar der interessanteren Bücher anzugucken. Anschließend habe ich mich auf den Weg zur London Bridge Station gemacht – sicherheitshalber mit der U-Bahn. Dort habe ich Rachel getroffen, die auch gerade mit ihren Eltern in London war. Wir sind auf den Borough Street Market gegangen, der mit französischen Märkten allerdings keinesfalls mithalten konnte, haben The Monument bestiegen und heiße Schokolade getrunken, die Tate Modern besucht und schließlich ihre Eltern an der Tower Bridge getroffen.

Weil die Sonne schien, sind wir noch eine Weile an der Themse spazieren gegangen, ehe ich mich auf den Weg nach Camden Town gemacht habe, um Tom, Silvie und Juan zum Abendessen und anschließend zu einem Konzert in einem Pub zu treffen. Tom war vor Silvie und Juan da und wir sind eine Weile in der Gegend herumgeirrt, auf der Suche nach dem Restaurant, zu dem Silvie mir eine Wegbeschreibung gegeben hatte, an die ich mich nur noch sehr lückenhaft erinnern konnte. Letzten Endes sind wir doch zur U-Bahn-Station zurückgegangen, um dort auf die beiden zu warten. Es stellte sich heraus, dass wir nur ein paar Meter vor dem Restaurant umgekehrt waren – shit happens! Das leckere (asiatische) Essen war Entschädigung genug für meine Blindheit.
Die Band, die im Pub spielen sollte, hatte sich auf ihrem MySpace als Bluegrass angekündigt – haben aber nicht gehalten, was sie versprochen haben. Ich habe Tom um seine Ohrstöpsel beneidet! Irgendwann war’s dann vorbei, das Bier geleert, Zeit für’s Bett!

Tag 5 – Samstag

Am Samstag musste Silvie wieder arbeiten, den Tag musste ich aber trotzdem nicht alleine verbringen: Tom hatte sich als Fremdenführer angeboten. Wir haben uns an der St Paul’s Cathedral getroffen und haben Stunden dort verbracht. Nicht unbedingt, weil wir so begeistert waren – vielmehr, weil die vielen Statuen und Gedenktafeln für längst verblichene englische Seefahrer, koloniale Ausbeuter und Seeleute genügend Anlass zum Witze Reißen gegeben haben. Und natürlich, weil der Aufstieg in die Kuppel seine Zeit brauchte – ich habe die Stufen nicht gezählt, aber in meiner Erinnerung wabert eine Zahl >500 herum. Da das Wetter gut war, entschädigte der Ausblick für die Anstrengung.

Völlig erschöpft vom Sightseeingmarathon in der Kathedrale, haben wir uns eine Pause im Coffeeshop gegönnt…und ich musste dieses Monster von heißer Schokolade besiegen, das Tom mir gekauft hatte:

Wundersamerweise bin ich ohne größere Anstrengung als Sieger aus diesem Kampf hervorgegangen – ich war so stolz auf mich!
Tom hatte nach dem mittelmäßigen Konzert am Vorabend ein weitaus vielversprechenderes Konzert im Royal National Theatre herausgesucht – ein Folk/Bluegrass/whatever-Duo, Geige, Gitarre und gelegentlich Mandoline. Die zwei waren wirklich gut, gesanglich und musikalisch top. Balsam für meine geschundenen Ohren…
Silvie war inzwischen mit der Arbeit fertig und hat uns am Theater getroffen. Zusammen sind wir in Richtung Soho gelaufen, haben zu Abend gegessen (diesmal nicht asiatisch, sondern Pasta…) und uns mit 2 von Silvies Freunden zu einer weiteren Pubrunde getroffen. Es war ein langer Tag, und so sind wir schon bald nach Hause gefahren – Silvie leicht angeheitert, weil sie zu wenig gegessen und zu viel gearbeitet hatte.

Tag 6 – Sonntag

Und Sonntag hieß: Früh aufstehen für den Gottesdienst in der Westminster Abbey – der einzige Weg, den Eintrittspreis von schlappen 12 £ zu umgehen. Und natürlich war’s interessant, einen Gottesdienst in einem fremden Land mitzuerleben – und auf Englisch Kirchenlieder zu singen! Das Aufstehen hat sich gelohnt!
Und weil beten hungrig macht, haben wir zu Mittag gekocht. Nudeln. Mit Sauce. Abwechslung³. Nein, im Ernst – meine Kreation sehr frei nach einem von Rosalies Rezepten hat allen geschmeckt.
Obwohl es geregnet hat, haben wir uns dazu aufgerafft, zur Brick Lane zu fahren, einer Gegend, die zu 95% aus Vintage-Läden nebst dazugehörigen Menschen besteht. Fündig geworden bin ich in keinem dieser Läden – und erst der Rough Trade Store hat mein Herz höher schlagen lassen – CDs und Platten, so weit das Auge reichte, einige ausgefallene Sachen natürlich, ich hätte ein Vermögen ausgeben können. Weil aber meine Pounds zur Neige gingen, habe ich mich auf eine einzige CD beschränkt – A friend of a friend von der Dave Rawlings Machine. Wochenlang hatte ich die youtube-Videos rauf und runter gespielt und war kurz davor gewesen, das Album im iTunes-Store zu kaufen – aber eine richtige, echte CD in den Händen zu halten, hat mich doch um einiges glücklicher gemacht. Kostprobe gefällig?

Das Wetter war mies, wir alle müde, also sind wir früh nach Hause gefahren – und Silvie ist gleich eingeschlafen, während ich noch einige Zeit Musik gehört habe. Der letzte Abend in London, zu Hause verbracht…Asche auf mein Haupt!

Tag 7 – Montag

Obwohl wir früh im Bett gewesen waren, sind wir recht spät aufgestanden – egal, es regnete! Um auch das noch abzuhaken, haben wir einen Abstecher zu Harrod’s gemacht – nach 2 Minuten waren wir wieder draußen, es war voll und uns war nicht danach, im Kaufhaus herumzulungern. Das Frühstück war karg gewesen, deshalb haben wir nach Harrod’s zu Mittag gegessen, ich habe meine Postkarten gekauft und wir sind zurück zu Silvie gefahren – es war schon fast Zeit, meine Sachen zu packen und zum Flughafen zu fahren! Silvie hat mich noch zur U-Bahn gebracht, und schon saß ich im Zug nach Gatwick. EasyJet hat sich wieder von seiner ‚besten‘ Seite gezeigt – wenn ich’s irgendwie vermeiden kann, fliege ich in Zukunft nicht mehr mit denen!
Immerhin haben sie mich und mein Gepäck heil nach Hause gebracht, nur leicht verspätet, und um halb 11 war ich zurück in Lyon.

Die Zeit in London ist viel zu schnell vergangen – aber ich war mit Sicherheit nicht zum letzten Mal da!

Was in Lyon in der letzten Woche geschah, gibt’s demnächst zu lesen – höchste Zeit zu schlafen – Décines ruft!


4 Responses to “It’s London, baby!”


  1. 03/03/2010 um 17:19

    hallo hannah, war schön, wieder von dir zu lesen. anh vi liest deine berichte auch öfters. seit ein paar tagen ist ein foto von ihr im internet unter http://www.wonderword.com, und dann links die news anklicken. wir sind fans von den rätseln von mr. david quellet und haben die puzzles in viet nam entdeckt. alles gute, peter und anh virginie

  2. 2 Laure
    06/03/2010 um 08:23

    salut Hannah ! je réagis juste au tableau de ton amie Silvie : surprenant de simplicité et d’expressivité ! je suis bluffée ! bravo à elle.
    @ +

  3. 3 Die Mona
    11/03/2010 um 20:42

    Dein Päckchen ist heute angekommen. MERCIII🙂 Aaaaaaaber ich habs noch nicht geöffnet!!
    Bin schon seehr seehr gespannt. Ansonsten ist dein Papa letztens wieder an mir vorbei gestiefelt …Grüße an dieser Stelle.🙂

    Ich drück dich,

    die Mona

  4. 4 Die Mona
    11/03/2010 um 20:44

    Ohhh vergessen vergessen! Mich gibts wohl bald auch CD😉 Mein Mittwochs-Chor ist aller Voraussicht nach am 17.4 im Haus des Rundfunks im Tonstudio und singt eine DemoCD ein😉 Irgendwie lustig🙂


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