Archiv für Februar 2010

15
Feb
10

London Calling!

Zuerst die angekündigte Fortsetzung von letztem Mittwoch:

Wir hatten also nur Platz in einem seltsamen Café gefunden, und nichtmal dort alle an einem Tisch – Rosie, Tristan (ihr amerikanischer Besuch) und ich haben uns also abgesondert – und sind in unseren Stamm-Coffeeshop in Croix-Rousse gegangen. Ich war inzwischen völlig durchgefroren, weil ich mich kleidungstechnisch auf Fußball und nicht auf Stadtspaziergang eingestellt hatte – da kam mir die gigantische Chocolat viennois (sehr wenig heiße Schokolade, sehr viel Sahne) gerade recht.

Es folgt: die nächste Koch-Episode…Rosie und Tristan sind mit einer Wagenladung Gemüse bei mir vorbeigekommen, Tristan hat lecker gekocht – Nudeln mit Pilz-Zucchini-Soße, dazu Wein en masse. Netter Abend!

Am Montag und Dienstag nichts Neues – Schule! Die Montags-Seconde war ätzend wie gewohnt, manche Schüler treiben mich wirklich zur Weißglut! Der Dienstag war überraschend angenehm, sogar die späte schlimme Seconde war nahezu handzahm – was vielleicht daran lag, dass der Störenfried Nr. 1, der permanent singt oder summt, nicht da war – und die Störenfriede 2 bis 10 nicht dagegen anstören mussten. Es hat zum ersten Mal Spaß gemacht, mit der Klasse zu arbeiten!

Schon ist Mittwoch – DER Küchentag! Auf vielfachen Wunsch eines einzelnen Herrn, Ryan, habe ich Spätzle und Gulasch eingeplant – dumm nur, dass Ryan vergessen hatte, dass er schon etwas anderes vorhatte, und deshalb nicht in den Genuss deutscher Hausmannskost gekommen ist…nach Abstechern in diverse Supermärkte und Fleischereien habe ich Fleisch gefunden, das dem, was ich in Deutschland als Gulaschfleisch gekauft hätte, zumindest einigermaßen nahe kam, ich habe Ewigkeiten damit verbracht, es passend hinzuschnippeln, habe Tränen über Tonnen von Zwiebeln vergossen und Salat in rauen Mengen geputzt. Es roch gut, ganz sicher war ich meiner Sache aber nicht – mein erstes ‚eigenes‘ Gulasch, dann auch noch für 7 Personen – es war aufregend! Wie immer hat das Spätzlereiben zu allgemeiner Heiterkeit beigetragen, mir sind fast die Hände abgebrannt und die Arme abgefallen, aber am Ende hatten wir einen Berg Spätzle, der gerade so für alle gereicht hat. Zum Glück gab’s noch Salat sowie allerbesten Nachtisch: Tiramisú von Michael, Tarte aux pralines und Tarte aux poires von Laure. Völlig vollgestopft haben Laure und ich uns später um den Abwasch gekümmert – wenn man unbedingt ins Bett will, geht das schnell!

Den nächsten Vormittag habe ich komplett verschlafen und vergammelt, für Freitag musste ich glücklicherweise nichts vorbereiten, und so konnte ich ruhigen Gewissens um 6 zur Happy Hour im Les Berthom gehen – belgisches Bier zu erschwinglichen Preisen erheitert das Gemüt! Wir waren eine ganze Horde und hatten den Eingangsbereich in Beschlag genommen – sehr zur Freude der Kellner…um 8 war der Spaß vorbei und wir sind in den nächsten Pub umgezogen – Happy Hour bis 9! Für mich war dann auch leider Schluss, die Schule rief! Den letzten Schultag vor den Ferien hab ich mit Ach und Krach hinter mich gebracht, ich weiß nicht, wer sich mehr über die 2 freien Wochen gefreut hat – die Schüler oder ich…

Am Abend war ich so müde, dass ich gar nichts mehr groß gemacht habe, sondern einfach ins Bett gefallen bin – und auch am nächsten Morgen von Laure beim Staubsaugen nur kurz aufgewacht bin. Nach einem späten Frühstück und ein paar kleineren Besorgungen habe ich mich mit Mike im L’Épicerie zu einem frühen Abendessen inklusive Tarte aux framboises und Glühwein getroffen. Danach ging’s, weil im Kino nichts Interessantes lief, zu Mike – er hat ein paar Lieder auf der Mandoline und seiner brandneuen Gitarre zum Besten gegeben, anschließend haben wir ‚Into The Wild‘ geschaut, einen Film über einen College-Absolventen, der alle Ersparnisse spendet und durch die USA trampt, um schließlich in einem verlassenen Bus in Alaska zu enden – beeindruckend! Zur Aufheiterung haben wir uns noch die letzte Folge der Daily Show angeschaut, dann musste ich schon nach Hause eilen, weil Sonya sich für die Nacht angekündigt hatte – sie musste den ersten Bus zum Flughafen erwischen, morgens um 5 – hieß: Wecker auf 4.15…kaum war ich wieder im Bett und schon im Halbschlaf, klingelte mein Handy: sie hatte sich verlaufen – wie das passieren konnte, ist mir schleierhaft, von mir zum Bahnhof muss man immer nur geradeaus gehen…aber egal, letztendlich hat sie’s gefunden und den Flieger erwischt. Später am Tag, inzwischen ausgeruhter, habe ich mich mit Mike im Parc de la Tête d’Or zum Laufen (er) bzw. Radfahren (ich) getroffen. Trotz Skiunterwäsche, Mütze und Handschuhen habe ich gefroren wie ein Schneider und war mehr als froh über den heißen Tee zuhause. Das nächste Mal sollte ich vielleicht auch laufen – ich bin sicher, dass mich das aufwärmen würde. (Ob allerdings Mike der ideale Laufpartner wäre, bezweifle ich stark – er trainiert für den Marathon…)

Jetzt sitze ich hier, um mich herum Berge von Wäsche – London calling! Morgen früh geht’s für 6 Tage zu Silvie. Ich freue mich schon wie verrückt, nach 2 Jahren endlich wieder dorthin zu kommen. Einige andere Lyoner sind auch da, ich werde mich sicher nicht langweilen, wenn Silvie arbeiten muss/in der Uni ist. Wir hören uns danach wieder, take care, tout le monde!

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10
Feb
10

Langsam wird’s echt langweilig…

…ich sitze in der Küche, und auf dem Herd brodelt das Gulasch. Der Spätzleteig steht neben Wein und Bier auf dem Balkon, der Salat wartet darauf, geputzt zu werden.

Zeit, die letzte Woche Revue passieren zu lassen.

Am Mittwoch bin ich vom Coffeeshop direkt zu Ryan gefahren – Abendessen war angesagt! Ryan hatte Sofrito gemacht, eine sehr leckere spanische Soße aus Tomaten, Paprika und Olivenöl, dazu gab’s Fisch und Baguette. Noch ein Rezept, das gleich aufgeschrieben wurde! (Wenn ich die ganzen Sachen nachkoche, muss ich erstmal übersetzen – und bei den amerikanischen Rezepten auch noch umrechnen…1 cup ist soundso viel, 1 tablespoon sind 3 teaspoons, oder wie auch immer das alles ist)

Den Donnerstag habe ich, wie so viele Donnerstage, mit Aufräumen, Wäsche und ein bisschen Unterrichtsplanung für’s Collège: die Anfänger haben die Monate und Jahreszeiten gelernt, mit den wunderbaren 3e EURO gab’s Vorbereitung auf die B1-Prüfung und die netten Gruppen aus der 5e und 4e wurden mit öffentlichen Verkehrsmitteln gequält – offensichtlich war’s aber gar nicht so langweilig, wie ich befürchtet hatte – sie waren alle überrascht, als es plötzlich schon geklingelt hat. Danke, BVG!

Am Abend hat Anna ihren Geburtstag gefeiert – mit vielen Chips und Süßigkeiten, Unmengen Kartoffel- und Broccoligratin und einer überschaubaren Menge Wein. Mit der letzten Metro haben wir uns auf den Weg zu den Péniches gemacht – und sind auf das berühmt-berüchtigte Q-Boat gegangen, bei dem ich bisher noch jedes Mal abgewiesen worden war. Im Nachhinein bin ich darüber nicht traurig – so toll fand ich’s (und der Großteil der anderen Mädels) nicht, zu schicki-micki. Also sind wir nach nicht einmal 10 Minuten auf’s La Marquise weitergezogen, das ich sehr gerne mag – viel lockerer, bessere Musik und angenehmere Leute. Ausnahmsweise war’s aber leer, und außer Sophie und mir wollte niemand bleiben. Letzte Station des Abends war die sichere Bank Le Sirius – gerammelt voll mit Zwergen! Obwohl einige davon etwas aufdringlich waren, war’s ganz nett – irgendwann allerdings wurde es mir dann doch zu viel, gemeinsam mit Sophie und Anna habe ich mich auf den Fußweg nach Hause gemacht und bin todmüde ins Bett gefallen.

Am Samstag war Verdi angesagt, Michael und ich haben mal wieder von unserer Carte Entrée Libre Gebrauch gemacht. Das Orchester sah teilweise gewohnt teilnahmslos aus, die Sänger waren in Ordnung, und ich bin eingeschlafen. Nur kurz. Aber trotzdem…

Nach dem Konzert haben wir Ryan getroffen, um Falafel essen zu gehen. Satt waren wir danach nicht und haben einen kleinen Abstecher zum Tandoori-Laden gemacht – gerammelt voll! Ich habe nicht gezählt, aber es waren definitiv weit mehr Leute in diesem winzigen Raum als hineinpassten. Endlich satt und zufrieden, sind wir mit Ryans Wein zu mir gefahren, haben ein bisschen gequatscht – und uns derart verquatscht, dass Ryan seinen letzten Bus verpasst hat und nach Hause laufen musste und die beiden den Nachtbus nehmen mussten.

Der Sonntag stand wieder ganz im Zeichen des Fußballs – Rachel und ich haben gerufen – und Ryan ist gekommen…magere Ausbeute der Massen-SMS…Wir sind trotzdem zum Spielen gekommen: mit zwei kleinen Franzosen-Jungs und ihren Eltern. Die Kinder waren total niedlich – und haben Englisch mit uns gesprochen, sie waren total stolz darauf, dass sie sich mit uns unterhalten konnten! (Als wir uns verabschiedet haben, ist ihnen aufgegangen, dass wir auch Französisch sprechen – tja, zu spät!) Gute Fußballspieler, das haben wir festgestellt, sind wir nicht: Ryan, Rachel, ich und ein Franzosenvater haben gegen die beiden Jungs, den zweiten Vater und eine Mutter verloren…schön war’s trotzdem, matschig auch – ein perfekter Nachmittag im Park! Anschließend ging’s verdreckt nach Bellecour, Ana hatte über Facebook einen ihrer Massenaufrufe gestartet – und wir waren so zahlreich, dass nur ein etwas seltsames

(Die Gäste kommen, die Küche ruft – Fortsetzung folgt!)

03
Feb
10

Genudelt!

Ich komme mir schon fast so vor, als würde ich nichts Anderes erleben: Ich sitze gerade mit Rosie und Ryan im Coffee-Shop, unfähig, mich zu bewegen. Der Grund: Spätzle mit Champignon-Sahne-Sauce und zum Nachtisch Apple Crumble…hmmm!

Wenn ich 7 Tage zurückdenke, sehe ich: Rosie, Ryan und mich, vollgefressen im Café. Letzte Woche gab’s meine pseudoindische Kartoffel-Hähnchen-Paprika-Pfanne, Ryan, Maxi und Anna haben mir beim Essen geholfen. Nachdem der Abwasch erledigt war, sind Ryan und ich losgezogen, um für ihn ein Hemd zu besorgen. Der langen Arme wegen hatte er an ein maßgeschneidertes gedacht. Unsere Shoppingtour war nach 5 Minuten beendet, als er die Preise gesehen hat – ab 110€ aufwärts. Und weil er keinen Bock hatte, weiter herumzuirren, sind wir hier nach Croix-Rousse gelaufen, um Tee, Schokolade etc. zu trinken. Nach und nach sind einige andere eingetrudelt, die Ryan per Massen-SMS informiert hatte – so voll hatte ich das Café noch nie gesehen!

Anschließend bin ich erstmal nach Hause gefahren – und habe Rosie später getroffen, um für’s Abendessen bei Ryan einzukaufen. Weil der Bus nicht sehr regelmäßig fuhr, waren wir erst gegen halb 10 da – und dann konnte das Kochen losgehen! Rosie hat eine köstliche Nudelsoße mit Aubergine, Zucchini und Paprika gemacht, dazu super-einfaches Bierbrot. Obwohl es schon das zweite ‚richtige‘ Essen des Tages war, haben wir alles vernichtet! Natürlich war ich nach all der Völlerei hundemüde und viel zu faul, den letzten Bus zu nehmen; Ryan hat mir freundlicherweise einen Schlafplatz angeboten. Wir haben noch stundenlang gequatscht und Ana vom Einschlafen abgehalten – die Wände in ihrer Wohnung sind papierdünn.

Für den Samstag hatten wir einen Trip nach Avignon geplant – wach geworden bin ich um 9.34 – schlappe 2 Stunden nach Abfahrt des Zuges. Die Anrufe und SMS der anderen hatte ich schlicht überhört…ich fand’s verdammt schade und habe den Tag mit Nichtstun vertrödelt. Am Abend hat eine englische Englisch-Assistentin bei sich in der Schule ihren Geburtstag gefeiert – und nein, es ist kein Vorurteil, dass englische Mädchen trinken wie ein Loch…später auf dem Weg in die Salsabar haben Larissa und ich uns weit weg hingesetzt…es war einfach zu albern, wie sie sich benommen haben. Da es mit meinen Salsa-Künsten nicht sehr weit her ist, bin ich nicht lange geblieben, sondern habe mich bald auf den (Fuß-)Weg nach Hause gemacht. Unterwegs bin ich bestimmt ein Dutzend mal fast gefallen – und das, obwohl kaum Alkohol im Spiel war: Am Abend hatte es wieder geschneit, und weil es sich ziemlich abgekühlt hatte, war der Weg vom Hôtel de Ville nach Charpennes eine einzige Rutschpartie.

Am Sonntag hatte es aufgeklart, es war kalt, aber sonnig – perfektes Wetter für eine weitere Runde Fußball im Park! Sam hatte den Ball – und kam eine halbe Stunde zu spät! Der arme Matt muss in seiner kurzen Hose fast erfroren sein…Als endlich alle 7 Spieler des Tages anwesend waren, haben auch Dan und Sam einen kleinen Strip im Park hingelegt. Die Mannschaften waren nicht ganz ausgeglichen – obwohl Matts Mannschaft einen Spieler weniger hatte, haben sie locker gewonnen – und wahrscheinlich hätte er uns auch alleine platt gemacht. Es hat wieder verdammt viel Spaß gemacht, es war matschig und wir sahen nach einigen spektakulären Fouls aus wie die Schweine – aber ohne Hinzufallen wär’s nur halb so lustig!

Am Montag musste ich mich regelrecht in die Schule quälen, die Aussicht auf (von meiner Terminale EURO abgesehen) völlig desinteressierte Schüler war nicht sehr verlockend. Der Tag ist zum Glück kurz, und so war ich gegen halb 1 zuhause und habe erstmal einen kleinen Mittagsschlaf gemacht, ehe ich mich mit einer heißen Dusche wiederbelebt habe. Zum Abendessen war ich mit Mike beim Mexikaner verabredet – der leider geschlossen war. Satt geworden sind wir trotzdem.

(Der Coffeeshop macht gleich zu, deshalb höre ich auf – mehr gibt’s auch gar nicht zu erzählen…)