29
Jan
10

„Ich habe einen Puff in meinem Zimmer!“

Am vergangenen Mittwoch bin ich pünktlich um 10.10 aufgewacht – Zeit genug, zu duschen und zum Bahnhof zu rennen, um Georg um 11 vom Bahnhof abzuholen – im strömenden Regen und mit knurrendem Magen. Nachdem Georg von der freundlichen TCL-Frau mit einer Técély-Karte ausgestattet worden war, haben wir uns auf den Weg nach Hause gemacht – dabei habe ich das hier in der Tram entdeckt:

Nach dem Frühstück haben wir trotz Mistwetters die erste Sightseeing-Tour in Angriff genommen – und dabei ist mir aufgefallen, dass Lyon an Sehenswürdigkeiten nicht allzu viel zu bieten hat – in Windeseile hatten wir Oper, Rathaus/Place des Terreaux und Bellecour abgehakt und haben uns, statt weiter im Regen herumzuplatschen, mit Ryan und Rosie getroffen, um Tandoori zu essen – diesmal ohne die verhängnisvolle Sauce indienne – aus Fehlern (anderer) lernt man!

Weil es nicht aufhören wollte zu regnen, sind wir nur ein paar Schritte hügelaufwärts ins nächste Café gegangen, meinen neuen Lieblingscoffeeshop, in dem wir schon so manche Stunde geplant haben – alles kein Problem dank wi-fi und sehr netten Besitzern, die nicht blöd gucken, wenn man stundenlang an seinem Tee nippt. Am Mittwoch haben wir schneller und vor allem mehr getrunken – die heiße Schokolade dort ist ein Gedicht, und sie besteht zu zwei Dritteln aus Sahne!

Als wäre das nicht schon genug der Schlemmerei gewesen, sind wir nach einem kurzen Abstecher nach Hause schon wieder losgezogen – zu einem ordentlichen Lyon-Besuch gehört natürlich ein Essen im L’Épicerie! Michael war mit von der Partie, es war lecker wie immer – für Georg und mich gab’s die tartine Tomate, Pesto, Mozzarella, Michael hat sich an die (im Übrigen sehr leckere) Tages-Tartine mit Zucchini usw. gewagt und zum Abschluss gab’s Dessert – Crumble aux Pommes (Laure lacht immer, wenn ich versuche, „crumble“ französisch auszusprechen) und Mousse au Chocolat.

Der Abend war noch jung – genau wie wir – also haben wir Rosie und Ryan Bescheid gesagt und sind nach Vieux-Lyon ins Les Berthom gegangen – meine Lieblingsadresse, wenn’s um Bier geht! Zwar haben sie kein deutsches Bier, das wäre wohl zu viel verlangt, aber die Auswahl an belgischem Gesöff ist riesig und die Preise okay…

Gequatscht haben wir über dies und das in dieser und jener Sprache – das hat das Ganze natürlich spannend gemacht! Irgendwann (und immer noch ab und zu) war ich so durcheinander, dass ich selbst zu Ryan Sachen auf Deutsch gesagt habe…der Arme!

Damit war’s aber dann genug für den Tag – Zeit für’s Bett! Zum Glück hatte ich auch am Donnerstag frei – ich habe lange und Georg zu lange geschlafen, aber irgendwann am Nachmittag haben wir dann den Rest des spärlichen Lyoner Sightseeingprogramms abgehakt: das Wetter war schöner als am Mittwoch, und so sind wir nach Fourvière hochgefahren, haben die römischen Theater besichtigt und sind zurück nach Vieux-Lyon gelaufen.

Théâtres romains

Théâtres romains

Auf dem Weg nach unten haben wir – außer dem heiligen Georg – ein ziemlich cooles Café entdeckt, Retro-Stil hart an der Grenze zum Kitsch, aber nett!

alleine schon die Limo-Gläser...

alleine schon die Limo-Gläser...

Paul, Georgs alter Austauschpartner, den ich im Sommer 08 in Berlin kurz kennen gelernt hatte, war auch in der Stadt, und wir hatten vor, uns zu treffen. Da er aber auf unsere SMS nicht reagiert hat, haben wir ein Crêpes-Treffen bei Michael ausgemacht –  nur um eine halbe Stunde später Paules Antwort zu bekommen – too late, Monsieur! Und so sah es mal wieder so aus:

Irgendwann, viel zu schnell, war der Crêpe-Teig alle, aber Ryan war noch nicht satt…deswegen sind wir zu mir aufgebrochen – nach einigen nutzlosen bis bizarren Nachrichten und Telefonaten von Ryan mit Rosie, die schließlich dazugestoßen ist. Aus Mangel an Essbarem (und weil ich für Freitag ohnehin eingeladen hatte) gab’s nur schnell zusammengerührte Tomatensoße und Nudeln, was aber in dem Moment allen genug war – und dank Balsamico hatte die Soße sogar Geschmack!

Am nächsten Tag hieß es früh aufstehen – Schule in St Laurent! Georg habe ich noch ein bisschen schlafen lassen, während ich mich fertig gemacht habe. Wenn er sich schon bereit erklärt hatte, mitzukommen, wollte ich ihm wenigstens so viel Schlaf wie möglich ermöglichen. Es war noch dunkel, als wir uns auf den Weg zum Busbahnhof gemacht haben, und während der Fahrt wären wir beide fast eingeschlafen.

Die Schüler haben uns aber dann auf Trab gebracht…nach der obligatorischen Fragerunde (und natürlich wieder „‚Ast du Chaustiere?“) haben wir mit den Anfängern Memory mit Farben und einfachen Wörtern gespielt – es hat Spaß gemacht (obwohl ich verloren habe!!!) und die Stunde ist schnell vergangen. Danach war eine Stunde gammeln und Unterrichtsplanung angesagt – die 3ème Euro war großartig! In der Gruppe, die an dem Tag dran war, sind ein paar echt pfiffige Schüler, einer von ihnen hat tatsächlich Ironie benutzt – auf Deutsch! Die Klasse hat demnächst eine Sprachprüfung, weshalb ich mit ihnen dafür üben soll – einfach Fragen in 3-4 Minuten beantworten. Annick hatte mir einige Beispiele gegeben – eins davon: Beschreibe dein Zimmer! Klar, jeder hatte ein Bett, einen Schrank, einen Schreibtisch – und eine sagte „Und ich habe einen Puff!“. Nach einem Moment ungläubigen Staunens brachen Georg und ich in schallendes Gelächter und ließen die Ärmste erstmal erklären, was sie denn da hat (offensichtlich so eine Art Sitzsack/Hocker), ehe wir sie aufgeklärt haben, was sie da gerade gesagt hatte. Von leckerem (…) Casino-Essen gestärkt, haben wir noch die letzten beiden Stunden hinter uns gebracht und sind nach Hause gefahren. Es war wohl der Schultag, der am schnellsten vergangen ist. Es war lustig, mit jemandem zusammenzuarbeiten – umso mehr deshalb, weil es zum Schießen war, wie die ganzen Teenie-Mädchen Georg angehimmelt haben!

Kaum zuhause angekommen, war es auch schon Zeit, das Essen vorzubereiten! Hähnchengeschnetzeltes mit Broccoli und Nudeln…mmm! Ryan und Rosie sind vorbeigekommen – DIE Kochgruppe schlechthin! Nach dem Essen sind wir zu Ryan gefahren – Ana hat ihren Geburtstag nachgefeiert…und diese Party hat das Attribut ‚legendär‘ verdient! Es war verrückt…wir waren ungefähr 30 Leute, je später die Stunde, desto ausgelassener wurde es…

Um nicht auf dem Hügel zu versauern, haben wir den letzten Bus nach Perrache genommen – ein Wunder, dass wir die Fahrt unverletzt überstanden haben, der Fahrer ist gefahren wie eine Wildsau und wir konnten uns kaum halten…in Perrache angekommen, hat der Wahnsinn seinen Höhepunkt erreicht: wir 30, alle gut angeheitert, sind zwar in den Bahnhof hineingekommen, aber – oh Wunder – nicht mehr raus, weil in der Zwischenzeit die Türen abgeschlossen worden waren – Betriebsschluss! Nach einer Weile hatten die völlig verwirrten Sicherheitsleute, die sich absolut nicht erklären konnten, wie wir in den Bahnhof gekommen waren, die Schlüssel besorgt und wir konnten zum Club weiterziehen. Leider war’s zu spät – nirgendwo sind wir reingekommen. Weil wir nicht weiter in der Kälte herumstehen wollten, sind Ryan, Rosie, Georg und ich nach Charpennes véloviert…was für ein wilder Ritt! Ich wusste nicht, dass die Vélo’vs so schnell können…

Heil bei mir angekommen, sind wir gleich ins Bett/auf den Fußboden gefallen (letzterer dürfte auch nicht viel härter als mein Bett sein…oder, Georg?) – denn am Samstag sollte der Wecker früh klingeln: ein Tagesausflug nach Grenoble stand auf dem Programm!

Es wurde ein unvergesslicher Tag, der eigentlich einen eigenen Blogeintrag verdient hätte – aber dafür bin ich inzwischen zu müde und zu faul…deshalb nur die Kurzfassung:
Wir – Georg, Rosie, Ryan, Rachel, Jaime und ich – haben uns am Part-Dieu getroffen, um die 1 1/2 Stunden Zugfahrt nach Grenoble in Angriff zu nehmen. Dort sind wir zunächst Richtung Innenstadt gegangen und haben uns etwas umgeschaut und Falafel gegessen, morgens um 11…es war trotzdem lecker! Nach einem Kaffee im ältesten Kaffeehaus Frankreichs (in dem man uns leider in die obere und ganz sicher nicht alte Etage abgeschoben hatte) haben wir uns an den langen Aufstieg zur Bastille gemacht…lang deshalb, weil wir unterwegs geschätzte 1000000 Fotos geschossen haben…eine kleine Auswahl hier:

schwerer, als es aussieht - dieses verdammte Ding hat sich in alle Richtungen bewegt!

Rosie, ich, Jaime, Ryan, Georg, Rachel auf der Bastille!

Nach dem Gang durch irgendeinen seltsamen Tunnel gerieten die Dinge etwas außer Kontrolle – Schneemann und Schneeballschlacht waren angesagt…die Teams waren nicht ganz klar – Georg gegen Ryan und alle gegen die beiden, glaube ich…aber wie auch immer – es gab ohnehin keinen klaren Sieger…

Ausgepowert und ausgehungert haben wir uns an den Abstieg gemacht – Treppen über Treppen – meine Beine haben gezittert, als wir endlich unten angekommen waren! Bevor wir nach Lyon gefahren sind, haben wir uns noch eine Pizza gegönnt – die hielt ungefähr bis zuhause vor…Essen konnte ich nicht bieten, aber heiße Schokolade für alle, dazu ein schlechter Film (Mystic River), den wir nur zur Hälfte gesehen haben, weil wir alle fast eingeschlafen sind…Ende eines wunderbaren Tages!

Am Sonntag haben wir ausgeschlafen – ich bis 10, Georg bis 1, danach sind wir trotz Kälte und Regenwolken in den Parc gegangen…Tiere, Zuckerwatte, Eis und Fußball!

Du sollst nichts essen, was größer als dein Kopf ist - wahre Worte!

Nach einem kleinen Spaziergang waren wir durchgefroren und – Achtung – hungrig…ich hatte absolut nichts mehr zuhause, also wurde diesmal Rosies Küche (die ungefähr die Größe eines durchschnittlichen Küchentischs hat) benutzt – gebratene Zucchini, Paprika und Aubergine, mein Lieblings-Standardessen! Kaum verspeist, war es für Georg und mich auch schon Zeit, nach Hause und dann zum Bahnhof gehen – 5 Tage waren wie im Flug vergangen! Mir hat’s Spaß gemacht, wir haben einiges erlebt und unternommen, du bist jederzeit wieder willkommen, Georg (falls die Zeit noch reicht😉 )! Bis zum nächsten Mal!

(Was diese Woche sonst geschah, werde ich – hoffentlich – morgen in der Schule aufschreiben…jetzt muss ich dringend ins Bett, St Laurent ruft schon!)


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