17
Jan
10

Schon wieder Sonntag…

…Zeit für das nächste Update, bevor mich mein Gedächtnis im Stich lässt.

Montag und Dienstag, die Tage, an denen ich hart arbeiten muss, waren wie gewohnt – Schüler, die nichts machen, außer zu reden, von meiner fabelhaften Terminale mal abgesehen, die sich trotz der unmenschlichen Zeit, montags um 8, und entsprechend müde immerhin bemüht, was auf die Reihe zu kriegen. Ansonsten war’s eher ätzend – einziges Highlight in meiner Seconde war die Diskussion mit einer Schülerin, die alles andere als doof, aber leider auch sehr vorlaut und nervig ist – sie hat festgestellt, dass das französische Schulsystem verdammt schlecht ist, was Fremdsprachen angeht – Recht hat sie! Nur auf das Warum haben weder sie noch ich eine Antwort gefunden.

Am Dienstag habe ich abends, wenn ich mich recht entsinne, nichts weiter gemacht, als mit Ana bei Starbucks Kaffee zu trinken- also springe ich gleich zum Mittwoch: 5 Stunden Shopping-Marathon! Ryan braucht für seine Aufnahmeinterviews an mehreren Medical Schools einen Anzug – und da wir uns im Lande Liliput befinden, war klar, dass es schwer werden würde, für den dürren Riesen Ryan etwas Passendes zu finden. Rachel, Ryan und ich sind nach dem ersten erfolglosen Versuch in einem ziemlich schicken (und teuren) Anzugladen gelandet, in dem Ryan nach einigem Anprobieren tatsächlich einen fast perfekten Anzug gefunden hat – fast perfekt bis auf den Preis. Das Herz sagte ja, der Kopf war noch nicht überzeugt, also sind wir weitergezogen. Der nächste Laden war billiger und unerträglich – der Verkäufer war aufdringlich, fast agressiv, und gar nicht mehr freundlich, als wir NEIN zu seinen Anzügen gesagt haben. Auf dieses Geschäft folgte der nächste Reinfall: 1000€ waren definitiv zu viel. Einen anderen schicken und fast perfekten Anzug haben wir noch gefunden, und während Ryan mit sich gerungen hat, haben wir beim Brioche Dorée zu Nachmittag gegessen. Auch bei Printemps gab’s nichts, was uns richtig vom Hocker gerissen hätte, und nachdem Ryan sich noch von seiner Mutter telefonisch Rat geholt hatte, hat er sich für den ersten fast perfekten Anzug entschieden – der Verkäufer hatte Recht mit „Ça va très bien avec vos cheveux“ – „Das passt sehr gut zu Ihrer Haarfarbe“. Um einige hundert Euro ärmer, aber um einen schicken Anzug reicher, hat Ryan das Geschäft als glücklicher Mann verlassen.

Zur Feier des Tages haben wir ein bisschen Wein gekauft und haben es uns mit Marzipan in meinem Wohnzimmer gemütlich gemacht. Ulrich war auch zuhause, und so waren wir gezwungen Französisch zu sprechen – wenngleich wir, wie Laure augenzwinkernd bemerkt hat, sofort Englisch gesprochen haben, wenn er das Zimmer verlassen hat – die Macht der Gewohnheit! Später sind Ryan und ich noch in die einzige Bar in Guillotière gegangen, in der man nicht das Fürchten bekommt, und haben uns dort mit Mike auf ein Bier getroffen. Ryan musste am nächsten Tag unterrichten und war vom Einkaufen erschöpft, Mike und ich sind noch auf’s La Marquise gegangen, es war nichts los und wir sind bald gegangen.

Den Donnerstag habe ich wieder mal zum Haushaltstag gemacht und reichlich gekocht – meine geliebte Hackfleisch-Auberginen-Paprika-Zucchini-Mischung mit Reis und Joghurtsoße. Es waren Unmengen übrig, und als Rosie mich nach meinen Plänen für Freitag gefragt hat, habe ich sie zum Essen eingeladen. Um 6 klingelte das Telefon – Ryan. Er hatte ein Huhn gekauft, dass er nicht alleine essen wollte, und da er wusste, dass Rosie zu mir kommen würde, hat er vorgeschlagen mit Huhn und Co. vorbeizukommen und es für uns zu kochen. „Master of Chicken“ wäre der passende Titel für ihn, falls es mit der Medical School nicht klappt – das Hühnchen war mal wieder köstlich! Die Wartezeit haben wir mit meinem Resteessen, von Laure gestiftetem Schinken, Bier und Wein vertrieben – und mit angeregten Diskussionen auf Französisch. Dazu gab’s französische Chansons und amerikanischen Folk und Bluegrass – mein musikalischer Horizont erweitert sich dramatisch! Hier mein Ohrwurm seit mehreren Tagen:

Und so ging der Abend dahin, wir waren satt und zufrieden, vor allem aber müde – ich habe noch schnell den Abwasch gemacht, bevor ich wie tot ins Bett gefallen bin.

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen: Skifahren in Alpe d’Huez war angesagt. Wir waren eine Gruppe von 8 Leuten – was uns allerdings erst klar wurde, als wir uns alle hundemüde am Bus getroffen haben, denn wir hatten nicht zusammen gebucht. Mit von der Partie waren Emily, Sara, Mike, Patrick, Benjamin, Greg und Rob. Die Busfahrt war lang und langweilig, schlafen konnte ich nicht. Gegen dreiviertel Zehn sind wir angekommen, und da nur Mike und ich noch Ausrüstung leihen mussten, sind die anderen schon hochgefahren – wir wollten uns später wieder treffen. Nach einigem Warten waren auch Mike und ich soweit und haben uns auf den Weg nach oben gemacht. Ich war etwas unsicher, was meine Fahrkünste anging, weil ich schon seit Jahren nicht mehr Ski gefahren war (unglaublich, dass der Ski-Grundkurs schon 4 Jahre her ist!). Bei den ersten Abfahrten, obwohl nicht sehr anspruchsvoll, ging’s mir dann auch vor allem darum, die Ski unter Kontrolle zu halten und nicht hinzufallen – erst nach einiger Zeit und nachdem Mike mich genötigt hatte, eine Abfahrt zu nehmen, die von der Gondel aus atemberaubend steil aussah, fühlte es sich mehr und mehr an wie Skifahren. Es hat Spaß gemacht, ja!

Den Rest der Mannschaft haben wir durch Zufall früher als geplant wiedergetroffen – ich habe Greg auf der Piste am wilden Rudern mit den Armen erkannt, er ist zum ersten Mal Ski gefahren, und als ich ihn gerufen habe, hat er mich vor Schreck fast umgefahren. Den Rest des Tages haben wir in wechselnden Gruppen verbracht – Mike und Rob haben die ein oder andere Abfahrt genommen, die wir anderen uns nicht zugetraut haben.

Das Foto (ohne Patrick, der fotografiert hat, und Ben, der’s nicht mitbekommen hat) ist auf dem Pic Blanc entstanden – 3330m, trotz Wolken eine atemberaubende Aussicht – und der Weg zurück für alle außer Mike mit der Gondel, weil es nur schwarze Pisten gab.

Die letzte Abfahrt des Tages ging zurück in den Ort – angegeben als blaue, also eher einfache Piste, entpuppte sie sich sich als „ab und zu blau, überwiegend rot und vereist, am Ende dafür als Ausgleich grün“ – aber es blieb Patrick und mir (die anderen hatten entweder eine wirklich rote Piste oder den Lift genommen) nichts anderes übrig, als uns irgendwie nach unten zu kämpfen, es gab kein Zurück. Nach 5 Stunden Skifahren war ich froh, endlich wieder meine normalen Schuhe anzuhaben, und ich war so hundemüde, dass ich die Fahrt nach Lyon fast komplett verschlafen habe. Nach der Ankunft haben wir noch eben Pizza gegessen, ehe wir nach Hause gegangen sind.

Nachdem ich mich schnell umgezogen hatte, bin ich zur Glühweinparty bei Maxi, Larissa, Alina und Sophie weitergezogen – der heiße Glühwein nach so viel frischer Luft tat gut! Auf der Party hatte ich eine Begegnung der dritten Art: Jemand, der mich kannte obwohl wir uns noch nie gesehen hatten…dass mein Blog für alle im Internet steht, weiß ich ja, aber jemanden zu treffen, der es tatsächlich gelesen hat, obwohl er nicht zu Familie und Freundeskreis gehört, war doch etwas bizarr.

Weil das Wetter heute grandios war, sonnig und relativ mild, haben Michael, Rosie und ich eine kleine Radtour an der Rhône vom Parc de la Tête d’Or im Norden bis zum Stade de Gerland im Süden und (fast) zurück gemacht – es war herrlich!

Soviel zu dieser Woche – mehr folgt dann irgendwann bald! Gute Nacht!


4 Responses to “Schon wieder Sonntag…”


  1. 18/01/2010 um 00:35

    Ich, ich, ich! Ich weiß es. Der Fremdsprachenunterreicht ist so schlecht, weil sie shopping- und fresswütige Studenten auf die Schüler loslassen!😛

    Wer ist denn der Highlander, der sich im T-Shirt in 3 km Höhe ablichten ließ?^^

  2. 18/01/2010 um 02:01

    Die Botschaft, dass er Brite sei, transportiert auch sein Shirt. Deswegen habe ich ihn auch Highlander getauft😉 – Die genannten Namen, die am ehesten in Frage kommen sind Mike, Greg und Rob. Doch da Greg ein Anfänger ist, wird er es nicht sein. Mike ist jemand, der die Dinge ins Rollen bringt, das könnte hinhauen. Sein Name kling aber eher amerikanisch. Da letztgenannter Rob die schwierigen Abfahrten nimmt, tippe ich auf ihn. Am I right? He is such a crazy chicken.

    • 4 Hannah
      18/01/2010 um 09:45

      Mike, Greg und Rob sind sogar die einzigen Namen, die in Frage kommen – und yes, you’re right, der Highlander ist Rob (sein englischer Landsmann Greg hat sich dann doch kontinentaleuropäischer Mode unterworfen); und Mike ist tatsächlich Ami. Chapeau!


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