Archiv für Januar 2010

29
Jan
10

„Ich habe einen Puff in meinem Zimmer!“

Am vergangenen Mittwoch bin ich pünktlich um 10.10 aufgewacht – Zeit genug, zu duschen und zum Bahnhof zu rennen, um Georg um 11 vom Bahnhof abzuholen – im strömenden Regen und mit knurrendem Magen. Nachdem Georg von der freundlichen TCL-Frau mit einer Técély-Karte ausgestattet worden war, haben wir uns auf den Weg nach Hause gemacht – dabei habe ich das hier in der Tram entdeckt:

Nach dem Frühstück haben wir trotz Mistwetters die erste Sightseeing-Tour in Angriff genommen – und dabei ist mir aufgefallen, dass Lyon an Sehenswürdigkeiten nicht allzu viel zu bieten hat – in Windeseile hatten wir Oper, Rathaus/Place des Terreaux und Bellecour abgehakt und haben uns, statt weiter im Regen herumzuplatschen, mit Ryan und Rosie getroffen, um Tandoori zu essen – diesmal ohne die verhängnisvolle Sauce indienne – aus Fehlern (anderer) lernt man!

Weil es nicht aufhören wollte zu regnen, sind wir nur ein paar Schritte hügelaufwärts ins nächste Café gegangen, meinen neuen Lieblingscoffeeshop, in dem wir schon so manche Stunde geplant haben – alles kein Problem dank wi-fi und sehr netten Besitzern, die nicht blöd gucken, wenn man stundenlang an seinem Tee nippt. Am Mittwoch haben wir schneller und vor allem mehr getrunken – die heiße Schokolade dort ist ein Gedicht, und sie besteht zu zwei Dritteln aus Sahne!

Als wäre das nicht schon genug der Schlemmerei gewesen, sind wir nach einem kurzen Abstecher nach Hause schon wieder losgezogen – zu einem ordentlichen Lyon-Besuch gehört natürlich ein Essen im L’Épicerie! Michael war mit von der Partie, es war lecker wie immer – für Georg und mich gab’s die tartine Tomate, Pesto, Mozzarella, Michael hat sich an die (im Übrigen sehr leckere) Tages-Tartine mit Zucchini usw. gewagt und zum Abschluss gab’s Dessert – Crumble aux Pommes (Laure lacht immer, wenn ich versuche, „crumble“ französisch auszusprechen) und Mousse au Chocolat.

Der Abend war noch jung – genau wie wir – also haben wir Rosie und Ryan Bescheid gesagt und sind nach Vieux-Lyon ins Les Berthom gegangen – meine Lieblingsadresse, wenn’s um Bier geht! Zwar haben sie kein deutsches Bier, das wäre wohl zu viel verlangt, aber die Auswahl an belgischem Gesöff ist riesig und die Preise okay…

Gequatscht haben wir über dies und das in dieser und jener Sprache – das hat das Ganze natürlich spannend gemacht! Irgendwann (und immer noch ab und zu) war ich so durcheinander, dass ich selbst zu Ryan Sachen auf Deutsch gesagt habe…der Arme!

Damit war’s aber dann genug für den Tag – Zeit für’s Bett! Zum Glück hatte ich auch am Donnerstag frei – ich habe lange und Georg zu lange geschlafen, aber irgendwann am Nachmittag haben wir dann den Rest des spärlichen Lyoner Sightseeingprogramms abgehakt: das Wetter war schöner als am Mittwoch, und so sind wir nach Fourvière hochgefahren, haben die römischen Theater besichtigt und sind zurück nach Vieux-Lyon gelaufen.

Théâtres romains

Théâtres romains

Auf dem Weg nach unten haben wir – außer dem heiligen Georg – ein ziemlich cooles Café entdeckt, Retro-Stil hart an der Grenze zum Kitsch, aber nett!

alleine schon die Limo-Gläser...

alleine schon die Limo-Gläser...

Paul, Georgs alter Austauschpartner, den ich im Sommer 08 in Berlin kurz kennen gelernt hatte, war auch in der Stadt, und wir hatten vor, uns zu treffen. Da er aber auf unsere SMS nicht reagiert hat, haben wir ein Crêpes-Treffen bei Michael ausgemacht –  nur um eine halbe Stunde später Paules Antwort zu bekommen – too late, Monsieur! Und so sah es mal wieder so aus:

Irgendwann, viel zu schnell, war der Crêpe-Teig alle, aber Ryan war noch nicht satt…deswegen sind wir zu mir aufgebrochen – nach einigen nutzlosen bis bizarren Nachrichten und Telefonaten von Ryan mit Rosie, die schließlich dazugestoßen ist. Aus Mangel an Essbarem (und weil ich für Freitag ohnehin eingeladen hatte) gab’s nur schnell zusammengerührte Tomatensoße und Nudeln, was aber in dem Moment allen genug war – und dank Balsamico hatte die Soße sogar Geschmack!

Am nächsten Tag hieß es früh aufstehen – Schule in St Laurent! Georg habe ich noch ein bisschen schlafen lassen, während ich mich fertig gemacht habe. Wenn er sich schon bereit erklärt hatte, mitzukommen, wollte ich ihm wenigstens so viel Schlaf wie möglich ermöglichen. Es war noch dunkel, als wir uns auf den Weg zum Busbahnhof gemacht haben, und während der Fahrt wären wir beide fast eingeschlafen.

Die Schüler haben uns aber dann auf Trab gebracht…nach der obligatorischen Fragerunde (und natürlich wieder „‚Ast du Chaustiere?“) haben wir mit den Anfängern Memory mit Farben und einfachen Wörtern gespielt – es hat Spaß gemacht (obwohl ich verloren habe!!!) und die Stunde ist schnell vergangen. Danach war eine Stunde gammeln und Unterrichtsplanung angesagt – die 3ème Euro war großartig! In der Gruppe, die an dem Tag dran war, sind ein paar echt pfiffige Schüler, einer von ihnen hat tatsächlich Ironie benutzt – auf Deutsch! Die Klasse hat demnächst eine Sprachprüfung, weshalb ich mit ihnen dafür üben soll – einfach Fragen in 3-4 Minuten beantworten. Annick hatte mir einige Beispiele gegeben – eins davon: Beschreibe dein Zimmer! Klar, jeder hatte ein Bett, einen Schrank, einen Schreibtisch – und eine sagte „Und ich habe einen Puff!“. Nach einem Moment ungläubigen Staunens brachen Georg und ich in schallendes Gelächter und ließen die Ärmste erstmal erklären, was sie denn da hat (offensichtlich so eine Art Sitzsack/Hocker), ehe wir sie aufgeklärt haben, was sie da gerade gesagt hatte. Von leckerem (…) Casino-Essen gestärkt, haben wir noch die letzten beiden Stunden hinter uns gebracht und sind nach Hause gefahren. Es war wohl der Schultag, der am schnellsten vergangen ist. Es war lustig, mit jemandem zusammenzuarbeiten – umso mehr deshalb, weil es zum Schießen war, wie die ganzen Teenie-Mädchen Georg angehimmelt haben!

Kaum zuhause angekommen, war es auch schon Zeit, das Essen vorzubereiten! Hähnchengeschnetzeltes mit Broccoli und Nudeln…mmm! Ryan und Rosie sind vorbeigekommen – DIE Kochgruppe schlechthin! Nach dem Essen sind wir zu Ryan gefahren – Ana hat ihren Geburtstag nachgefeiert…und diese Party hat das Attribut ‚legendär‘ verdient! Es war verrückt…wir waren ungefähr 30 Leute, je später die Stunde, desto ausgelassener wurde es…

Um nicht auf dem Hügel zu versauern, haben wir den letzten Bus nach Perrache genommen – ein Wunder, dass wir die Fahrt unverletzt überstanden haben, der Fahrer ist gefahren wie eine Wildsau und wir konnten uns kaum halten…in Perrache angekommen, hat der Wahnsinn seinen Höhepunkt erreicht: wir 30, alle gut angeheitert, sind zwar in den Bahnhof hineingekommen, aber – oh Wunder – nicht mehr raus, weil in der Zwischenzeit die Türen abgeschlossen worden waren – Betriebsschluss! Nach einer Weile hatten die völlig verwirrten Sicherheitsleute, die sich absolut nicht erklären konnten, wie wir in den Bahnhof gekommen waren, die Schlüssel besorgt und wir konnten zum Club weiterziehen. Leider war’s zu spät – nirgendwo sind wir reingekommen. Weil wir nicht weiter in der Kälte herumstehen wollten, sind Ryan, Rosie, Georg und ich nach Charpennes véloviert…was für ein wilder Ritt! Ich wusste nicht, dass die Vélo’vs so schnell können…

Heil bei mir angekommen, sind wir gleich ins Bett/auf den Fußboden gefallen (letzterer dürfte auch nicht viel härter als mein Bett sein…oder, Georg?) – denn am Samstag sollte der Wecker früh klingeln: ein Tagesausflug nach Grenoble stand auf dem Programm!

Es wurde ein unvergesslicher Tag, der eigentlich einen eigenen Blogeintrag verdient hätte – aber dafür bin ich inzwischen zu müde und zu faul…deshalb nur die Kurzfassung:
Wir – Georg, Rosie, Ryan, Rachel, Jaime und ich – haben uns am Part-Dieu getroffen, um die 1 1/2 Stunden Zugfahrt nach Grenoble in Angriff zu nehmen. Dort sind wir zunächst Richtung Innenstadt gegangen und haben uns etwas umgeschaut und Falafel gegessen, morgens um 11…es war trotzdem lecker! Nach einem Kaffee im ältesten Kaffeehaus Frankreichs (in dem man uns leider in die obere und ganz sicher nicht alte Etage abgeschoben hatte) haben wir uns an den langen Aufstieg zur Bastille gemacht…lang deshalb, weil wir unterwegs geschätzte 1000000 Fotos geschossen haben…eine kleine Auswahl hier:

schwerer, als es aussieht - dieses verdammte Ding hat sich in alle Richtungen bewegt!

Rosie, ich, Jaime, Ryan, Georg, Rachel auf der Bastille!

Nach dem Gang durch irgendeinen seltsamen Tunnel gerieten die Dinge etwas außer Kontrolle – Schneemann und Schneeballschlacht waren angesagt…die Teams waren nicht ganz klar – Georg gegen Ryan und alle gegen die beiden, glaube ich…aber wie auch immer – es gab ohnehin keinen klaren Sieger…

Ausgepowert und ausgehungert haben wir uns an den Abstieg gemacht – Treppen über Treppen – meine Beine haben gezittert, als wir endlich unten angekommen waren! Bevor wir nach Lyon gefahren sind, haben wir uns noch eine Pizza gegönnt – die hielt ungefähr bis zuhause vor…Essen konnte ich nicht bieten, aber heiße Schokolade für alle, dazu ein schlechter Film (Mystic River), den wir nur zur Hälfte gesehen haben, weil wir alle fast eingeschlafen sind…Ende eines wunderbaren Tages!

Am Sonntag haben wir ausgeschlafen – ich bis 10, Georg bis 1, danach sind wir trotz Kälte und Regenwolken in den Parc gegangen…Tiere, Zuckerwatte, Eis und Fußball!

Du sollst nichts essen, was größer als dein Kopf ist - wahre Worte!

Nach einem kleinen Spaziergang waren wir durchgefroren und – Achtung – hungrig…ich hatte absolut nichts mehr zuhause, also wurde diesmal Rosies Küche (die ungefähr die Größe eines durchschnittlichen Küchentischs hat) benutzt – gebratene Zucchini, Paprika und Aubergine, mein Lieblings-Standardessen! Kaum verspeist, war es für Georg und mich auch schon Zeit, nach Hause und dann zum Bahnhof gehen – 5 Tage waren wie im Flug vergangen! Mir hat’s Spaß gemacht, wir haben einiges erlebt und unternommen, du bist jederzeit wieder willkommen, Georg (falls die Zeit noch reicht 😉 )! Bis zum nächsten Mal!

(Was diese Woche sonst geschah, werde ich – hoffentlich – morgen in der Schule aufschreiben…jetzt muss ich dringend ins Bett, St Laurent ruft schon!)

Advertisements
17
Jan
10

Schon wieder Sonntag…

…Zeit für das nächste Update, bevor mich mein Gedächtnis im Stich lässt.

Montag und Dienstag, die Tage, an denen ich hart arbeiten muss, waren wie gewohnt – Schüler, die nichts machen, außer zu reden, von meiner fabelhaften Terminale mal abgesehen, die sich trotz der unmenschlichen Zeit, montags um 8, und entsprechend müde immerhin bemüht, was auf die Reihe zu kriegen. Ansonsten war’s eher ätzend – einziges Highlight in meiner Seconde war die Diskussion mit einer Schülerin, die alles andere als doof, aber leider auch sehr vorlaut und nervig ist – sie hat festgestellt, dass das französische Schulsystem verdammt schlecht ist, was Fremdsprachen angeht – Recht hat sie! Nur auf das Warum haben weder sie noch ich eine Antwort gefunden.

Am Dienstag habe ich abends, wenn ich mich recht entsinne, nichts weiter gemacht, als mit Ana bei Starbucks Kaffee zu trinken- also springe ich gleich zum Mittwoch: 5 Stunden Shopping-Marathon! Ryan braucht für seine Aufnahmeinterviews an mehreren Medical Schools einen Anzug – und da wir uns im Lande Liliput befinden, war klar, dass es schwer werden würde, für den dürren Riesen Ryan etwas Passendes zu finden. Rachel, Ryan und ich sind nach dem ersten erfolglosen Versuch in einem ziemlich schicken (und teuren) Anzugladen gelandet, in dem Ryan nach einigem Anprobieren tatsächlich einen fast perfekten Anzug gefunden hat – fast perfekt bis auf den Preis. Das Herz sagte ja, der Kopf war noch nicht überzeugt, also sind wir weitergezogen. Der nächste Laden war billiger und unerträglich – der Verkäufer war aufdringlich, fast agressiv, und gar nicht mehr freundlich, als wir NEIN zu seinen Anzügen gesagt haben. Auf dieses Geschäft folgte der nächste Reinfall: 1000€ waren definitiv zu viel. Einen anderen schicken und fast perfekten Anzug haben wir noch gefunden, und während Ryan mit sich gerungen hat, haben wir beim Brioche Dorée zu Nachmittag gegessen. Auch bei Printemps gab’s nichts, was uns richtig vom Hocker gerissen hätte, und nachdem Ryan sich noch von seiner Mutter telefonisch Rat geholt hatte, hat er sich für den ersten fast perfekten Anzug entschieden – der Verkäufer hatte Recht mit „Ça va très bien avec vos cheveux“ – „Das passt sehr gut zu Ihrer Haarfarbe“. Um einige hundert Euro ärmer, aber um einen schicken Anzug reicher, hat Ryan das Geschäft als glücklicher Mann verlassen.

Zur Feier des Tages haben wir ein bisschen Wein gekauft und haben es uns mit Marzipan in meinem Wohnzimmer gemütlich gemacht. Ulrich war auch zuhause, und so waren wir gezwungen Französisch zu sprechen – wenngleich wir, wie Laure augenzwinkernd bemerkt hat, sofort Englisch gesprochen haben, wenn er das Zimmer verlassen hat – die Macht der Gewohnheit! Später sind Ryan und ich noch in die einzige Bar in Guillotière gegangen, in der man nicht das Fürchten bekommt, und haben uns dort mit Mike auf ein Bier getroffen. Ryan musste am nächsten Tag unterrichten und war vom Einkaufen erschöpft, Mike und ich sind noch auf’s La Marquise gegangen, es war nichts los und wir sind bald gegangen.

Den Donnerstag habe ich wieder mal zum Haushaltstag gemacht und reichlich gekocht – meine geliebte Hackfleisch-Auberginen-Paprika-Zucchini-Mischung mit Reis und Joghurtsoße. Es waren Unmengen übrig, und als Rosie mich nach meinen Plänen für Freitag gefragt hat, habe ich sie zum Essen eingeladen. Um 6 klingelte das Telefon – Ryan. Er hatte ein Huhn gekauft, dass er nicht alleine essen wollte, und da er wusste, dass Rosie zu mir kommen würde, hat er vorgeschlagen mit Huhn und Co. vorbeizukommen und es für uns zu kochen. „Master of Chicken“ wäre der passende Titel für ihn, falls es mit der Medical School nicht klappt – das Hühnchen war mal wieder köstlich! Die Wartezeit haben wir mit meinem Resteessen, von Laure gestiftetem Schinken, Bier und Wein vertrieben – und mit angeregten Diskussionen auf Französisch. Dazu gab’s französische Chansons und amerikanischen Folk und Bluegrass – mein musikalischer Horizont erweitert sich dramatisch! Hier mein Ohrwurm seit mehreren Tagen:

Und so ging der Abend dahin, wir waren satt und zufrieden, vor allem aber müde – ich habe noch schnell den Abwasch gemacht, bevor ich wie tot ins Bett gefallen bin.

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen: Skifahren in Alpe d’Huez war angesagt. Wir waren eine Gruppe von 8 Leuten – was uns allerdings erst klar wurde, als wir uns alle hundemüde am Bus getroffen haben, denn wir hatten nicht zusammen gebucht. Mit von der Partie waren Emily, Sara, Mike, Patrick, Benjamin, Greg und Rob. Die Busfahrt war lang und langweilig, schlafen konnte ich nicht. Gegen dreiviertel Zehn sind wir angekommen, und da nur Mike und ich noch Ausrüstung leihen mussten, sind die anderen schon hochgefahren – wir wollten uns später wieder treffen. Nach einigem Warten waren auch Mike und ich soweit und haben uns auf den Weg nach oben gemacht. Ich war etwas unsicher, was meine Fahrkünste anging, weil ich schon seit Jahren nicht mehr Ski gefahren war (unglaublich, dass der Ski-Grundkurs schon 4 Jahre her ist!). Bei den ersten Abfahrten, obwohl nicht sehr anspruchsvoll, ging’s mir dann auch vor allem darum, die Ski unter Kontrolle zu halten und nicht hinzufallen – erst nach einiger Zeit und nachdem Mike mich genötigt hatte, eine Abfahrt zu nehmen, die von der Gondel aus atemberaubend steil aussah, fühlte es sich mehr und mehr an wie Skifahren. Es hat Spaß gemacht, ja!

Den Rest der Mannschaft haben wir durch Zufall früher als geplant wiedergetroffen – ich habe Greg auf der Piste am wilden Rudern mit den Armen erkannt, er ist zum ersten Mal Ski gefahren, und als ich ihn gerufen habe, hat er mich vor Schreck fast umgefahren. Den Rest des Tages haben wir in wechselnden Gruppen verbracht – Mike und Rob haben die ein oder andere Abfahrt genommen, die wir anderen uns nicht zugetraut haben.

Das Foto (ohne Patrick, der fotografiert hat, und Ben, der’s nicht mitbekommen hat) ist auf dem Pic Blanc entstanden – 3330m, trotz Wolken eine atemberaubende Aussicht – und der Weg zurück für alle außer Mike mit der Gondel, weil es nur schwarze Pisten gab.

Die letzte Abfahrt des Tages ging zurück in den Ort – angegeben als blaue, also eher einfache Piste, entpuppte sie sich sich als „ab und zu blau, überwiegend rot und vereist, am Ende dafür als Ausgleich grün“ – aber es blieb Patrick und mir (die anderen hatten entweder eine wirklich rote Piste oder den Lift genommen) nichts anderes übrig, als uns irgendwie nach unten zu kämpfen, es gab kein Zurück. Nach 5 Stunden Skifahren war ich froh, endlich wieder meine normalen Schuhe anzuhaben, und ich war so hundemüde, dass ich die Fahrt nach Lyon fast komplett verschlafen habe. Nach der Ankunft haben wir noch eben Pizza gegessen, ehe wir nach Hause gegangen sind.

Nachdem ich mich schnell umgezogen hatte, bin ich zur Glühweinparty bei Maxi, Larissa, Alina und Sophie weitergezogen – der heiße Glühwein nach so viel frischer Luft tat gut! Auf der Party hatte ich eine Begegnung der dritten Art: Jemand, der mich kannte obwohl wir uns noch nie gesehen hatten…dass mein Blog für alle im Internet steht, weiß ich ja, aber jemanden zu treffen, der es tatsächlich gelesen hat, obwohl er nicht zu Familie und Freundeskreis gehört, war doch etwas bizarr.

Weil das Wetter heute grandios war, sonnig und relativ mild, haben Michael, Rosie und ich eine kleine Radtour an der Rhône vom Parc de la Tête d’Or im Norden bis zum Stade de Gerland im Süden und (fast) zurück gemacht – es war herrlich!

Soviel zu dieser Woche – mehr folgt dann irgendwann bald! Gute Nacht!

10
Jan
10

10-Tage-Bilanz 2010

In einem Satz zusammengefasst: Wenn das Jahr so weitergeht, wie es angefangen hat, wird es verdammt gut! Here’s why:

Silvester war ein voller Erfolg – keine Böller, keine Raketen, dafür jede Menge leckeres Essen (wir hatten natürlich Unmengen übrig…) in netter Gesellschaft, und um Mitternacht waren wir mit unserem Sekt auf dem Place St Jean, einem meiner liebsten Plätze in Lyon. Ein paar Fotos vom Abend:

Obwohl es an Silvester gar nicht sooo spät geworden war, war an Neujahr hauptsächlich Schlaf und Erholung angesagt. Michael ging es mindestens genauso gut wie mir, und wir haben das Neujahrskonzert auf den 2. Januar verschoben.

Zum Glück haben wir es nicht ganz ausfallen lassen, denn es war das beste Konzert, dass ich bisher vom Orchestre National de Lyon gesehen habe – eine Auswahl von Jacques Offenbach, mit Gesang und Tanz, quasi. Nur die Blumendeko und die bunte Weihnachtsbeleuchtung an diversen Schlaginstrumenten war weniger schön.
Als hätten wir an Silvester noch nicht genug davon gehabt, sind wir nach dem Konzert zu Michael gefahren, um mehr Raclette zu essen – jetzt reicht’s aber erstmal!

Am 4. ging, wie berichtet, schon wieder die Schule los…die 3 Stunden waren so ermüdend, dass ich den Nachmittag verschlafen habe – und dafür am Dienstag für meinen langen Tag topfit war…am Ende war ich völlig geschafft – zum Glück ging’s nach etlichen nervigen Klassen erfreulicher weiter: den ursprünglichen Plan (Happy Hour im Berthom mit Patrick und Konsorten) habe ich über den Haufen geworfen, um mit Rosalie und Ryan in Croix-Rousse Kaffee trinken zu gehen. Auch dieser Plan sollte sich noch ändern: im Anschluss an Kaffee und heiße Schokolade gab’s Tapas à la française, unglaublich lecker und überraschend preiswert. Und als hätten wir immer noch nicht genug vom Abend gehabt, sind wir zu Rosalie gegangen und haben mit ihren englisch-französischen Karteikarten ein Vokabelquiz gemacht.

Den Mittwoch habe ich zum Schlafen, zum Einkaufen, Aufräumen und Wäschewaschen genutzt. Am Nachmittag ist Ryan vorbeigekommen, und wir haben die letzten Weihnachtsplätzchen vernichtet – vollgestopft, aber glücklich! Auch Ulrichs kniffliges Hauptstädteraten konnte dem nichts anhaben – er ist auf dem Gebiet ein wandelndes Lexikon, aber Ryan und ich haben uns ganz gut geschlagen 😉

Am Freitag, wie gesagt, hatte ich überraschend keine Schule und habe mich mit anderen Assistenten (unter anderem Michael, Rosie und Sonya) in der Épicerie zum Mittagessen getroffen – wie immer köstlich! Danach haben Michael, Sonya und ich uns in die Soldes gestürzt: Alles ist reduziert, aber gefunden habe ich trotzdem nichts! Spaß gemacht hat es eigentlich auch nicht besonders, denn es hat ununterbrochen weitergeschneit, es war eiskalt und rutschig – und nur ein bisschen schön.

Durchgefroren, wie wir waren, haben wir beschlossen, dem Mittagessen noch eins draufzusetzen – Crêpes chez Michael et Sonya waren angesagt! Nach dem Essen gab’s noch eine Mini-Dance party in Sonyas Zimmer, Michael hat uns für ne andere Verabredung verlassen und ich habe noch stundenlang mit Sonya gequatscht – ein unerwartet cooler Freitag!

Leider musste ich am Samstag früh raus – Assistententag im Goethe-Institut, 7 lange Stunden von 9.30 bis 16.30. Wegen des Schnees fuhr kein einziger Bus, und wir waren ganze 10, die es zum Goethe-Institut geschafft haben. Zuerst ging’s um Musik/Lieder im Unterricht, wir haben uns einiges angehört und ein paar hilfreiche Hinweise bekommen, was man außer Lückentexten noch machen kann. Der zweite Teil nach der Mittagspause mit Sandwiches, Tee und Keksen war zwar teilweise unterhaltsam bis albern, aber leider weniger hilfreich – es ging um das Deutsch-Mobil und Sprachanimation, also darum, wie man Schülern, die kein Wort Deutsch können, mit Spielen usw. Lust auf Deutsch machen kann…nunja, man soll ja niemals nie sagen – aber werde ich das brauchen?

Später war ich im Kino und habe mir Bright Star angesehen, der neueste Film mit Ben Whishaw – der, natürlich, klasse gespielt hat. Trotzdem hat mich der Film nicht vom Hocker gerissen, er war etwas langatmig, und nach 7 Stunden Goethe-Berieselung war ich doch recht müde und wäre einige Male fast eingeschlafen.

Und jetzt sitze ich schon seit Stunden mit Rosie und Ryan in einem Café in Croix-Rousse – der Unterricht für morgen ist vorbereitet, und es wird langsam Zeit für’s Abendessen…

(Ja, richtig, es geht ständig ums Essen, ich hab’s auch gemerkt – diese Woche war ein kulinarisches Fest!) Alors, espérons que l’année continuera comme ça!

08
Jan
10

Väterchen Frost hat zugeschlagen…

…und mir ein sehr langes Wochenende beschert!

Das frühlingshafte Silvesterwetter hat leider nicht mehr lange angehalten – am Sonntag war’s schon frostig, aber schön genug für einen Spaziergang im Parc de la Tête d’Or. Am Montag bin ich aufgewacht, und alles war weiß! Über Nacht hatte es ungefähr 10cm geschneit, was, natürlich, zur Folge hatte, dass in Lyon der Verkehr wieder mehr oder weniger zusammengebrochen ist. Ich hab’s pünktlich zur Schule geschafft, weil U-Bahn und Tram normal fuhren, hatte aber um 8 noch weniger Schüler als die üblichen 5, weil die meisten Busse gar nicht oder sehr, sehr langsam fuhren.

Die Woche über blieb’s kalt und rutschig, Winterdienst ist hier ein Fremdwort, und deshalb war es auch nicht überraschend, dass wegen der für die vergangene Nacht und heute angekündigten starken Schneefälle alle Schulbusse eingestellt wurden.

Die regulären Linien sollten je nach Wetterlage fahren – und deshalb war ich schwer enttäuscht, heute Morgen aufzuwachen und keine Krume Neuschnee zu sehen…also ab unter die Dusche, gefrühstückt, Tasche gepackt – als das Telefon klingelte: in St Laurent schneite es wohl um 11 schon heftig, und Annick stellte es mir frei, ob ich zur Schule komme: am Nachmittag zurück nach Lyon zu fahren, könnte schwierig werden. Ich habe mich erstmal fertig gemacht, um zum Part-Dieu zu laufen und zu sehen, wie’s mit dem Bus aussieht – als es schon wieder klingelte, nochmal Annick: die Schulleiterin hatte beschlossen, das Collège am Nachmittag zu schließen! Was blieb mir also übrig, als in Gedanken einen Freudenschrei auszustoßen und noch einen Tee zu kochen!

Bevor ich jetzt total einschneie (sooo schlimm find ich’s gar nicht), geht’s zum Mittagessen noch in die Épicerie…mmmm, mir läuft das Wasser im Mund zusammen!

PS: Mama, ich zieh übrigens die Skijacke an 😉