18
Nov
09

In Stresssituationen denke und spreche ich Englisch

Und das nach 2 Monaten in Frankreich! Wie ich’s gemerkt habe? Nun, die Geschichte lässt sich schnell zusammenfassen: Tram trifft Bus auf dem Bahnübergang, umarmt ihn herzlich und springt vor Freude in die Luft.

Die ausführliche Version fängt schon morgens an: Als ich gestern aufgewacht bin, konnte ich kaum sprechen und hatte tierische Halsschmerzen. Meinen Schülern zuliebe (jaja…) bin ich trotzdem in die Schule gegangen – und habe ihnen gesagt, dass SIE aktiv werden müssen, weil ich heiser bin. Schade, dass die meisten es nicht gemacht haben…es ist extrem unangenehm, vor einer schweigenden Klasse zu stehen und zu versuchen, wenn schon keinen korrekten deutschen Satz, dann doch wenigstens mal ein Wort oder überhaupt irgendeine Reaktion aus ihnen herauszukitzeln. Nach 3 Klassen, in denen genau das lief, und 2 einigermaßen aktiven Gruppen war ich natürlich total geladen, meine Stimme war vom vielen Reden und Meckern endgültig im Eimer und ich hatte absolut keinen Bock mehr und wollte die letzten Minuten bis zum Feierabend nur noch irgendwie hinter mich bringen, um dann auf dem Heimweg gemütlich ‚Informationen zur politischen Bildung‘ zum Thema Föderalismus in Deutschland zu lesen. Hatte ich eigentlich mit nach Frankreich genommen, um mit meinen Schülern damit zu arbeiten – aber die meisten verstehen ja nichtmal, wenn ich zu ihnen sage ‚Wenn ihr etwas nicht versteht, meldet ihr euch bitte und fragt nach.‘ Tja, und so vertreibe ich mir die Zeit mit diesen überaus spannenden Heftchen.

Die Tram nach Hause näherte sich der Station Vaulx-en-Velin La Soie, wo ich in die Metro nach Hause umsteigen muss. Ich hatte gerade die politische Bildung in die Tasche gestopft, als die Tram plötzlich scharf abbremste – und begleitet von einem lauten Knall zum Stehen kam. Das Licht ging aus und es herrschte Totenstille im Wagen. Mein erster Gedanke war ‚What the fuck…‘. Als sich die Türen öffneten und wir ausstiegen, kam mir der gleiche Gedanke nochmal: Mitten auf dem Bahnübergang stand ein Bus, die Tram hatte ihn genau in der Mitte erwischt und war dabei teilweise entgleist, die Scheibe der Fahrerkabine war total zertrümmert und die Schranke lag quer auf den Gleisen. Es war ein wirklich seltsamer Anblick. Mit an Bord war auch ein Englischlehrer vom Lycée gewesen, Franzose, klar – aber ich war unfähig, einen Satz auf Französisch zu sagen (Vielleicht fühlen sich meine Schüler im Unterricht ja wie ich nach einem Tram-Unfall – unter Schock???) und habe mich mit ihm auf Englisch unterhalten. Sehr bizarr, alles. Wir standen beide da und haben einfach entgeistert auf das Szenario gestarrt – ich kann mir nicht erklären, wieso das passieren konnte. Immerhin – es war niemand ernsthaft verletzt, nur der Tramfahrer musste ins Krankenhaus. (Ich bin mit einem blauen Knie davongekommen) Da der Unfall direkt vor der Station passiert war, waren sofort etliche aufgeregt TCL-Mitarbeiter vor Ort – was weiter geschah, weiß ich nicht; wir haben uns auf den Nachhauseweg gemacht. Oh what a day! Müde war ich jedenfalls nicht mehr.


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