Archiv für November 2009

30
Nov
09

Längst überfällig: 2 Tage Paris

Nach fast 2 Wochen zurück in der Heimat wird es Zeit für den Rückblick: 2 Tage in Paris bei Georg am Mittwoch/Donnerstag, den 11./12. November. Soweit ich mich erinnere, wie immer, wenn ich länger schreibfaul war.

Ich bin schon um halb 8 losgefahren, völlig übermüdet und noch im Dunkeln – den Sonnenaufgang habe ich vom TGV aus beobachtet und bin gleich danach eingeschlafen, um erst in der Pariser Banlieue wieder aufzuwachen, kurz vor der Ankunft am Gare de Lyon.

Von dort waren’s nur 15 Minuten mit dem Bus bis zu Georg – den richtigen Ausgang, den Ticketautomaten und die Bushaltestelle am Bahnhof zu finden hat nochmal mindestens genauso lange gedauert…und das am frühen Morgen! Georg hat mich schon an der Bushaltestelle erwartet, um mich in sein kleines Reich zu führen – klein! Wir haben erstmal gefrühstückt, ehe wir uns auf den Weg zum Sightseeing gemacht haben – zuerst zur Notre Dame!

CIMG1300

George le Fou

Das Wetter war einigermaßen schön, die Warteschlange kurz – also haben wir uns daran gemacht, die Treppen nach oben zu erklimmen – ohne dass wir hätten vorgeben müssen, beten zu wollen!!

Wir haben sogar ein Foto von uns, das nicht mit dem langen Arm gemacht ist – wir mussten nur ein paar amerikanische Touristen (im 3. Anlauf hab ich’s jetzt geschafft, nicht ‚Terroristen‘ zu schreiben…mein lieber Himmel!) in unserem besten Englisch fragen – änd sey wär werry frändly.

et voilà!Nach dem Abstieg kam Hunger auf – Zeit für die rue des Rosiers, die in meinen Augen kulinarisch beste Straße von Paris. Warum? Weil L’As du Fallafel sogar von Lenny Kravitz empfohlen wird natürlich! (Nein, ich kenne mich mit der Pariser Küche nicht aus!)

Weil’s zwar kalt und windig, aber immerhin sonnig war, sind wir weitergewandert in den Jardin de Luxembourg – natürlich nicht ohne unterwegs die altehrwürdige Sorbonne, Georgs aktuelle Wirkstätte, angemessen eines Blickes zu würdigen. Und natürlich nicht ohne Abstecher zu McDonald’s – wenn man schon mal in Paris ist!

Georg und McDo-Eis

Georg und McDo-Eis

Trotz der Kälte war’s schön – am Wasserbecken haben die sehr sehr niedlichen französischen Kinder mit ihren Booten gespielt, die Sonne kam ab und zu nochmal zum Vorschein – aber irgendwann war es genug, und wir sind zu Georg gefahren, um ein bisschen auszuruhen. Man kann es auch (Nach-)Mittagsschlaf nennen – der Auftakt zu einem faulen Abend mit Florence Foresti- und Little Miss Jocelyn-DVDs non-stop, Nudeln mit Tomatensoße abends um 10 und Popcorn. Aufregend, das Pariser Nachtleben!

Geisterstunde!

Geisterstunde!

Stunden später...

Stunden später...ich bette meinen Kopf auf Bart

Tag 2 von 2: mehr Sightseeing!

(Lasst euch von der Mütze nicht irritieren, es war verdammt warm – aber die Haare….)

Vom Arc de Triomphe ging’s die Champs-Élysées hinunter zur Place de la Concorde – ganz ehrlich, so toll ist die Straße nicht! Um den Sightseeingmarathon fortzuführen, stand als nächstes Montmartre auf dem Programm – inklusive Besichtigung von Sacré-Coeur, vielen Stufen nach oben, Funiculaire nach unten und einem Abstecher in das Pariser Pendant zu Kik – TATI! Sowas muss man gesehen haben – nicht nur ein Laden, nein, der ganze Straßenzug bestand aus TATI-Filialen für fast alles von Haushaltswaren bis Brautkleidern…dagegen sahen die Champs-Élysées alt aus!

Nach dem Mittagessen, wieder beim L’As du Fallafel, noch der Höhepunkt eines jeden Paris-Besuchs wie aus dem Bilderbuch: der Eiffelturm!

Nach diesem letzten kleinen Ausflug war es auch schon wieder Zeit, meine Sachen zu packen und – nach einem erneuten Stopp bei McDo – zum Bahnhof zu fahren. Und ich muss sagen: 2 Tage Paris waren genug! Es war schön, Georg zu sehen, wir hatten eine Menge Spaß, aber ich war froh, als ich gegen 11 wieder in meinem beschaulichen Lyon war – Paris ist zu viel des Guten.

Alors, demnächst wieder aktuelle Infos!

Jetzt geht’s ins L’Épicerie – Rosalie hat Geburtstag!

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27
Nov
09

Thanksgiving franco-américain-allemand-espagnol-anglais-australien

Gestern war Thanksgiving, mein erstes – und es war toll! Ryan und Rosalie hatten eingeladen, weil sie ausserdem gestern (Ryan) bzw. am Montag (Rosalie) Geburtstag hatten/haben. Neugierig und kochfreudig wie ich bin, habe ich angeboten, bei den Vorbereitungen zu helfen. Und so kam es, dass ich am Mittwoch gegen 1 hingefahren bin – Ryan und Rosalie waren schon schwer damit beschäftigt, Einkaufszettel und Arbeitspläne zu schreiben. Das Abenteuer konnte beginnen! Zuerst stand der nächstgelegene Carrefour auf dem Programm – zum Glück nicht mein absoluter Hassladen im Centre Commercial Part-Dieu, sondern ganz gemütlich und fast auf dem Dorf…es war immer noch riesig, und so hat es gut anderthald Stunden gebraucht, bis wir alles gefunden hatten.

die glücklichen Thanksgiving-Shopper

Schwer bepackt ging’s zurück zu Ryan – Zeit, das grosse Schäl-Hack-Stampf-Fest zu eröffnen. Das sollte am Ende alles auf dem Tisch stehen:

3 Hähnchen (in Ermangelung eines Truthahns)
Kartoffelpüree
Maisauflauf
Maisbrot
Steckrübenpüree mit Zwiebeln
Rosenkohl
Füllung, die nie das Hähnchen von innen gesehen hat
Apfelkuchen
Kürbiskuchen

Und zwar für 14 Leute. Bergeweise Kartoffeln und Äpfel und gefühlte 100kg (tatsächlich mindestens 2kg) Zwiebeln – wirklich zum Heulen! Und kaum waren die Tränen getrocknet, fehlte doch noch irgendwo eine Zwiebel…

Rosalies Aufgabe war noch undankbarer: sie hat den Kürbis passiert. Stundenlang.

Matys Kampf mit dem Kürbis

Zum Glück haben wir noch von Maty Verstärkung bekommen, so dass Rosie nicht länger leiden musste und sich anderen Vergnügen widmen konnte. Zum Beispiel der Logistik: wie kocht man 5 Gerichte gleichzeitig, wenn man nur 3 Töpfe hat, die gross genug sind, und, noch viel schlimmer, wo bewahrt man das Gekochte auf, wenn die einzige vorhandene Schüssel für den Kürbismatsch gebraucht wird? Unsere Kreativität war gefragt, und so wurde jeder noch so kleine Teller, jeder Flecken Arbeitsplatte genutzt, ohne dass wir uns gegenseitig zu sehr im Weg standen.

Gegen 10, das erste Cornbread war fertig und probiert, das zweite angerührt und der Ofen schon wieder mit 2 pumpkin pies belegt, haben wir Ryan mit den restlichen Kuchen alleine gelassen und haben uns auf den Weg nach Hause gemacht – völlig geschafft und mit schmerzenden Beinen und Armen.

Cornbread - Eins mit Sternchen

Aber natürlich war damit der Spass noch nicht vorbei – am Donnerstag bin ich mittags wieder zu Ryan gefahren – es sollte den Hähnchen an den Kragen gehen! (und es gab noch Unmengen anderer Dinge, die zu erledigen waren). Begonnen haben wir den zweiten Kochmarathon wieder mit Logistik – und einem Mittagsschlaf…der erste Tag steckte uns doch noch zu sehr in den Knochen.

Danach ging’s ans eingemachte: (schwache Mägen scrollen bitte schnell)

war das ein Spaß...

schön war's

Es war ein unglaublicher Spass, die Hähnchen vorzubereiten – und das Rezept war sehr interessant:

Three Chicken Army

(angenehmer Nebeneffekt: wir mussten ein bisschen Bier abtrinken)
Ausser mit Bier wurde mit Rosmarin, Orangen, Zwiebeln und einer Mischung aus Butter und allerlei Kräutern gewürzt – am liebsten wäre ich gleich über die Hähnchen hergefallen! Der Versuch, mir etwas anderes zu essen zu besorgen scheiterte an den absolut kruden französischen Öffnungszeiten mit seeeeeehr ausgedehnten Mittagspausen, so dass wieder Cornbread dran glauben musste.

Danach waren nur die Kartoffeln zu kochen, es versprach also entspannter zu werden. Aber was wäre ein Kochmarathon ohne Zwischenfall: ein Hähnchen ist zusammengebrochen und hat die anderen mit umgerissen…was für eine Sauerei, die wir da veranstaltet haben! Bratensaft, Zwiebeln und Möhren partout…und vor allem die Hähnchen, die wir nur mit Mühe und viel Fingerspitzengefühl wieder auf die Beine (Bierdosen) gekriegt haben. Das war’s zum Glück  mit den Überraschungen, bis Rosalie gegen 6 wiederkam, um vorzubereiten. Irgendwie hat’s alles hingehauen, und plötzlich war’s Viertel nach 7 und die ersten Gäste trudelten ein.

Lizzy und Michael

mit Raquel und Lizzy

Aus Platzgründen gab’s unser lecker Dinner als Büfett, Tische gab’s eigentlich, aber immerhin hatte jeder einen Stuhl, ein Glas und einen Teller – das Schlemmen konnte beginnen!

Die ganze Bande, Teil 1

Die ganze Bande, Teil 2

Alleine nach den Hauptgerichten waren wir alle genudelt – aber Rosalie war schon dabei, den Nachtisch vorzubereiten:

pumpkin pies und apple pie

Schon den ganzen Tag hatte ich mich auf die pumpkin pies gefreut – soooooo lecker!!

Danach waren wir endgültig kaputt, die ersten sind gegangen, wir haben Ryan noch beim Verstauen und Aufräumen geholfen und haben uns auf den Weg nach Hause gemacht – gerade so hab ich in Perrache noch die letzte U-Bahn erwischt – auf Vélo’v hatte ich keine grosse Lust, obwohl mir ne halbe Stunde Verdauungsradeln sicher gut getan hätte…bequemer war’s so!

Heute aufzustehen war schwer – ich war immer noch so voll, dass ich mich förmlich aus dem Bett gerollt habe und kaum in der Lage war etwas zu frühstücken. Jetzt ist Mittagspause in St Laurent – und ich habe immer noch keinen Hunger…mal sehen, wie’s in 4 Stunden aussieht, wenn ich nach Hause komme…

18
Nov
09

Für Georg: Pseudoindische Kartoffel-Hähnchen-Paprika-Pfanne

Zutaten (reicht für 2 Tage)

1-2 Hähnchenbrustfilets
1 grüne Paprikaschote
1 mittelgroße Zwiebel
6 mittelgroße Kartoffeln
2 Tomaten
Curry
scharfes Paprikapulver
Salz/Pfeffer
evtl. Zimt
Öl/Olivenöl
etwas Sahne/Milch

So geht’s:

Hähnchenbrustfilet kleinschneiden, Kartoffeln in kleine Würfel schneiden
Paprika in Streifen schneiden
Tomaten und Zwiebel würfeln

Das sieht dann ungefähr so aus:

Dann das Hähnchen in Olivenöl anbraten, Zwiebeln und Kartoffeln dazugeben und warten, warten, warten – die Kartoffeln brauchen ziemlich lange (vielleicht wär’s besser, vorgekochte Kartoffeln zu nehmen, aber das ist mir hinterher erst eingefallen). Ab und zu umrühren natürlich, sonst pappt’s an!

So:

Als nächstes die Tomaten und die Paprika mit in die Pfanne geben und ordentlich mit scharfem Paprikapulver und Curry, einer Prise Zimt (Geschmackssache – ich fand’s super!), Salz und Pfeffer würzen. Dann einfach immer weiter köcheln lassen und ab und zu probieren, wie’s den Kartoffeln geht.

Damit’s ein bisschen gaumenfreundlicher und soßiger wird, kannst du auch noch nen Schuss Sahne/Milch dranhauen, dann sieht’s am Ende so aus:

Wirklich einfach, oder? Viel Glück! 😉

18
Nov
09

In Stresssituationen denke und spreche ich Englisch

Und das nach 2 Monaten in Frankreich! Wie ich’s gemerkt habe? Nun, die Geschichte lässt sich schnell zusammenfassen: Tram trifft Bus auf dem Bahnübergang, umarmt ihn herzlich und springt vor Freude in die Luft.

Die ausführliche Version fängt schon morgens an: Als ich gestern aufgewacht bin, konnte ich kaum sprechen und hatte tierische Halsschmerzen. Meinen Schülern zuliebe (jaja…) bin ich trotzdem in die Schule gegangen – und habe ihnen gesagt, dass SIE aktiv werden müssen, weil ich heiser bin. Schade, dass die meisten es nicht gemacht haben…es ist extrem unangenehm, vor einer schweigenden Klasse zu stehen und zu versuchen, wenn schon keinen korrekten deutschen Satz, dann doch wenigstens mal ein Wort oder überhaupt irgendeine Reaktion aus ihnen herauszukitzeln. Nach 3 Klassen, in denen genau das lief, und 2 einigermaßen aktiven Gruppen war ich natürlich total geladen, meine Stimme war vom vielen Reden und Meckern endgültig im Eimer und ich hatte absolut keinen Bock mehr und wollte die letzten Minuten bis zum Feierabend nur noch irgendwie hinter mich bringen, um dann auf dem Heimweg gemütlich ‚Informationen zur politischen Bildung‘ zum Thema Föderalismus in Deutschland zu lesen. Hatte ich eigentlich mit nach Frankreich genommen, um mit meinen Schülern damit zu arbeiten – aber die meisten verstehen ja nichtmal, wenn ich zu ihnen sage ‚Wenn ihr etwas nicht versteht, meldet ihr euch bitte und fragt nach.‘ Tja, und so vertreibe ich mir die Zeit mit diesen überaus spannenden Heftchen.

Die Tram nach Hause näherte sich der Station Vaulx-en-Velin La Soie, wo ich in die Metro nach Hause umsteigen muss. Ich hatte gerade die politische Bildung in die Tasche gestopft, als die Tram plötzlich scharf abbremste – und begleitet von einem lauten Knall zum Stehen kam. Das Licht ging aus und es herrschte Totenstille im Wagen. Mein erster Gedanke war ‚What the fuck…‘. Als sich die Türen öffneten und wir ausstiegen, kam mir der gleiche Gedanke nochmal: Mitten auf dem Bahnübergang stand ein Bus, die Tram hatte ihn genau in der Mitte erwischt und war dabei teilweise entgleist, die Scheibe der Fahrerkabine war total zertrümmert und die Schranke lag quer auf den Gleisen. Es war ein wirklich seltsamer Anblick. Mit an Bord war auch ein Englischlehrer vom Lycée gewesen, Franzose, klar – aber ich war unfähig, einen Satz auf Französisch zu sagen (Vielleicht fühlen sich meine Schüler im Unterricht ja wie ich nach einem Tram-Unfall – unter Schock???) und habe mich mit ihm auf Englisch unterhalten. Sehr bizarr, alles. Wir standen beide da und haben einfach entgeistert auf das Szenario gestarrt – ich kann mir nicht erklären, wieso das passieren konnte. Immerhin – es war niemand ernsthaft verletzt, nur der Tramfahrer musste ins Krankenhaus. (Ich bin mit einem blauen Knie davongekommen) Da der Unfall direkt vor der Station passiert war, waren sofort etliche aufgeregt TCL-Mitarbeiter vor Ort – was weiter geschah, weiß ich nicht; wir haben uns auf den Nachhauseweg gemacht. Oh what a day! Müde war ich jedenfalls nicht mehr.

09
Nov
09

Blick nach Berlin

Mes chers compatriotes, heute wäre ich gerne in Berlin! Ich habe ein bisschen auf ARD.de gelesen und gesehen, was anlässlich des Mauerfalls veranstaltet wird – ihr habt’s gut, wenn ihr vor Ort seid!

Hier in Lyon ist das alles weniger wichtig – aber immerhin einer von 5 aus meiner terminale konnte mir nach einigem Überlegen sagen, warum heute ein besonderer Tag ist! Was für ein Glück – denn sonst wäre meine Stundenvorbereitung – 28 Jahre Mauer im Schnellstdurchlauf – zwar nicht fehl am Platze gewesen, aber doch wohl nicht so gut angekommen. Ich habe die lieben Großen Mini-Vorträge machen lassen: Ich soll sie schließlich irgendwie auf ihre mündliche Bac-Prüfung in Deutsch vorbereiten. Ob das so klappt – keine Ahnung! Aber da ich sonst keinerlei Informationen bekommen habe, wie das für sie ablaufen wird, und ich ihre Lehrerin immer nur vorbeihuschen sehe, mache ich halt mein Ding. Sie haben’s auch ganz gut hingekriegt, und obwohl sie meinen Enthusiasmus angesichts des Datums nur ansatzweise teilten, war es ne recht unterhaltsame Stunde. Der Rest des Schultages verlief schleppend; ich habe mit den Secondes genau die gleiche Übung gemacht wie mit der 4e im Collège, und nunja…es hat gedauert, gedauert, gedauert, bis sie überhaupt ansatzweise verstanden hatten, was ich von ihnen wollte. Eine aus der Seconde hat permanent in einem Affentempo Fragen auf Französisch gestellt, die ich zwar verstanden habe, aber das muss sie ja nicht wissen; aufgehört hat sie erst, als ich sie mindestens genauso schnell auf Deutsch zugetextet habe, bis sie nicht mehr wusste, wie ihr geschieht – danach hat sie zumindest versucht, auf Deutsch zu fragen…

Jetzt liege ich mit Tee im Bett und versuche, nicht nach draußen zu gucken – es ist Herbst, nasskalt und grau. Schön ist das nicht! Ich hoffe sehr, dass ich besseres Wetter habe, wenn ich am Mittwoch zu Georg nach Paris fahre (ich freu mich schon soooooo sehr!!) – Paris mit Mistwetter habe ich schon hinter mir, ätzend war’s (auch wenn ich diesmal natürlich besser darauf vorbereitet wäre als beim letzten Mal mitten im Hochsommer). Bewaffnet mit Schlafsack und kleinem Gepäck fahre ich am Mittwoch schon um halb 8 hier los, 2 Stunden später spuckt mich der TGV am Gare de Lyon aus, und schon bin ich mittendrin im Vergnügen. Einen Plan für’s Mittagessen habe ich schon: Falafel in der Rue des Rosiers, besser geht’s nicht . Was wir sonst machen werden, weiß ich nicht – ein bisschen Sightseeing mit Sicherheit. Nur einmal schlafen, dann muss ich schon wieder zurückfahren – um 20.54 heißt’s Adieu sagen.

Bevor’s losgeht, muss ich morgen noch einen langen Schultag überstehen – 11 bis 18 Uhr, na super! Ich werde nochmal die gleichen Sachen wie heute machen, das ist der Vorteil, wenn man immer nur die Hälfte einer Klasse sieht (auf diese Weise habe ich auch den Freitag schon komplett vorbereitet).

Kleiner Nachtrag zum Wochenende: PLACEBO!!! Ich war nur eineinhalb Stunden früher da, es war gerammelt voll, aber ich habe einen Platz relativ weit vorne gefunden. Leider musste ich ihn dann wieder aufgeben, weil sich Raquel, Paula und Jonathan, ihres Zeichens Spanisch-Assistenten, nicht zu mir durchkämpfen konnten. Der neue Standort war zwar immer noch dicht dran, hatte aber einen kleinen Haken: Der einzige Franzose auf dem Weg bis zur Bühne, der größer als ich war, stand direkt, aber wirklich direkt vor mir…Und, wie könnte es anders sein, während des Konzerts hat er sich keinen Schritt bewegt. So wie die meisten der Zuschauer. Placebo waren toll, aber ich hatte das Gefühl, dass der Funke nicht so richtig übergesprungen ist – oder die Franzosen mögen es einfach mehrheitlich, bei Konzerten einfach rumzustehen und ab und zu zu klatschen. Meine spanischen Kumpane und ich waren jedenfalls überrascht. Ich fand’s schade, dass nicht mehr die Post abging, das Konzert hätte es hergegeben.

So viel für heute, wahrscheinlich wird’s erst nach Paris wieder Neuigkeiten von mir geben!

07
Nov
09

Endlich Wochenende!

DAS Wochenende: In ziemlich genau 3 Stunden geht’s los, das von mir lang erwartete Placebo-Konzert in der Halle Tony Garnier. Ich bin schon den ganzen Tag total aufgedreht.

Gestern waren für mich die Ferien beendet, eine wahrlich anstrengende Schulwoche ist zu Ende. Meine Collège-Kinder sind wirklich niedlich, total aufgedreht, aber halbwegs motiviert. Ich habe mit meiner 5e mit dem Deutschland-Poster vom Goethe-Institut gearbeitet, einem Poster, auf dem etliche Dinge, Personen, Symbole etc. abgebildet sind, die „typisch deutsch“ sind. Sie sollten Dialoge dazu schreiben, die meisten Jungs haben den Krieg der Autos ausgerufen, aber ein paar Ideen waren echt klasse: ein Dialog zwischen einem Brot und einer Wurst zum Beispiel:

B: „Hallo, ich bin das Brot, wer bist du?“
W: „Hallo, ich bin die Wurst.“
B: „Das ist schön. Wir können einen Hotdog machen.“
W: „Ja! Wir brauchen aber Senf.“
B: „Und Ketchup.“
W: „Genau! Das wird ein guter Hotdog!“

So macht’s Spaß!

Gestern Abend war ich bei Anna und ihren Mitbewohnern Crêpes essen, sehr lecker!, und danach kurz bei einer Soirée bei Maxis französischem Tandempartner im 7e – genau dorthin werde ich mich auch jetzt wieder aufmachen, au revoir!

05
Nov
09

Schlag auf Schlag

Erst wochenlang nichts, und jetzt gibt’s schon den nächsten Artikel gleich hinterher…ich bin gerade so…schreibaktiv!

Aufmerksame Leser erinnern sich: Meine Eltern sind gerade in Richtung  Berlin aufgebrochen (ja, ich weiß – sie sind längst angekommen, aber das ist halt so, wenn ich stark zeitversetzt schreibe) – also wieder alleine in Lyon…

Zur Feier des Tages sind wir am Abend ins Cosmo, eine Bar in der Nähe der Oper, gegangen. (Okay, wir sind nicht dorthin gegangen, um die Abreise meiner Eltern zu feiern, sondern weil das Bier dort sensationell günstig ist…) Als wir gekommen sind, war es noch sehr leer – weil es noch sehr früh war: die Bier-Happy-Hour ging nur bis 10 😉

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Rosalie, Ana, Patrick, Greg, irgendein Franzose

Rosalie und Ana habe ich ja schon häufiger erwähnt, Patrick ist ein Englisch-Assistent aus Georgia, den ich nur einmal kurz beim großen Assistenten-Treffen Anfang Oktober gesehen hatte. Inzwischen sind die Abstände zwischen den Treffen kürzer geworden, später mehr. Greg und irgendein Franzose sind Freunde von Patrick, viel mehr weiß ich nicht.

Nach einigen Bieren und Cocktails sind wir hungrig geworden. Greg hat uns in einen Tandoori-Imbiss gelotst. Allen außer Patrick hat’s geschmeckt – er dagegen hat sich sehenden Auges ins Verderben gestürzt und trotz der Warnung des Verkäufers sauce indienne bestellt, die mit (fort) beworben wurde. Ich habe sie probiert und kann sagen: Meine scharfe Curry-Sauce war ein Spaziergang dagegen! Diese Sauce war das Schärfste, was ich seit langem gegessen habe (nur getoppt von der koreanischen Instantsuppe, die wir irgendwann mal bei irgendeinem Geburtstag bei den Fürstenhagener Hübners gegessen haben). Patricks Gesicht spricht Bände, wie ich finde:
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Der freundliche Inder hat ihm zur Rettung seiner Mundschleimhaut Joghurt angeboten, den hat er aber ebenso abgelehnt wie den Ayran, den Greg in der nächsten épicerie gekauft hat (und der wirklich nicht lecker war). Stattdessen ist er auf dem schnellsten Weg nach Hause gevélo’vt, um sich zu erholen, während Rosalie, Greg und ich nach Hause gelaufen sind.

Ausnahmsweise habe ich mir den Wecker sehr früh gestellt, nicht unbedingt das, was ich während der Ferien gerne mache: Am Donnerstag haben wir einen Ausflug nach Pérouges gemacht, ein mittelalterliches Dorf etwa eine Stunde von Lyon entfernt. Ich bin, obwohl ich früh losgegangen bin, fast zu spät gekommen, weil im Supermarkt, in dem ich mir etwas zu trinken kaufen wollte, die Kasse noch nicht gezählt und die Ausgangstür noch nicht geöffnet war – Ed, ich liebe dich! Zum Glück habe ich es doch noch geschafft – der Busfahrer war so nett, 2 Minuten auf mich zu warten 😉 Die Fahrt war lang genug, um die anderen (besser) kennen zu lernen: Ana, Sam, Matthew und Abi aus Großbritannien und Sonja aus München.

Das Wetter war gewohnt prächtig, am Morgen, als wir losgefahren sind, war es noch recht frisch, aber in Pérouges hatten wir strahlenden Sonnenschein, und nur im Schatten konnte man eine Jacke vertragen.

10_139Wir haben uns in der Touristeninformation erkundigt, was man unbedingt besichtigen müsse, und die Auskunft, die wir bekommen haben, traf zu: Alles! Das ganze Dorf ist eine einzige Sehenswürdigkeit, enge gepflasterte Gassen, kleine Häuser mit (überwiegend) dezent dekorierten und beworbenen Souvenirläden und Bäckereien, die galettes pérougiens, eine Art süße Pizza, verkaufen – wunderschön! Wir sind eine gute Stunde einfach nur herumgeschlendert und haben die Atmosphäre genossen.

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Der Marktplatz

Man sieht sie zwar nicht gut, aber hier sind meine „Reisebegleiter“:

10_141Da der Bus nur alle 3 Stunden fährt, mussten wir uns bald auf den Weg zurück machen. Auf der Rückfahrt haben wir alle mehr oder weniger lange geschlafen – soviel frische Luft macht schläfrig!

Auf dem Place Bellecour fand am Donnerstag eine Art Markt (in einem riesigen Zelt) mit lokalen und regionalen Spezialitäten statt, durch die wir uns durchprobiert haben: Schnecken-Knoblauch-Paste (igitt!!!!), Bier mit Heidelbeer-, Kastanien- oder Holundergeschmack (naja…), diverse Weine (alles von naja bis sehr sehr sehr lecker – wobei der teuerste nicht der beste war!), Süßigkeiten wie Brioche mit Pralinensplittern, Macarons und Schokolade (durchweg lecker) und, last but not least: Käse! Um die ganz schlimm verschimmelten, die aussehen, als hätten sie drei Jahre unter dem Kühlschrank gelagert, habe ich noch einen Bogen gemacht, aber die meisten habe ich tatsächlich probiert – und fast alle haben geschmeckt. Mama, Papa, ja, ihr hattet recht – so schlimm ist das gar nicht.

Am Abend sind Sam, Ana, Rosalie, Jack und später Patrick zu mir gekommen. Die Bilder gab’s hier schon. Was ich neulich nicht geschrieben habe, was man auf den Photos vielleicht aber schon erkennen konnte: Nett war’s, und es ging lang. Irgendwann bin ich wohl eingepennt, jedenfalls bin ich am nächsten Morgen auf dem Sofa aufgewacht. Umringt von leeren Flaschen und anderen Überresten der Nacht. Also durfte ich erstmal putzen – das hat mich wenigstens endgültig wach gemacht!

Für den Abend hat Patrick zu einem kleinen Apéro in seiner Wohnung geladen. Eingeplant und entsprechend eingekauft hatte er 5, 6 Leute. Es waren mehr. 20, grob geschätzt, überwiegend Freunde von Ana und deren Freunde, also andere Spanisch-Assistenten, die das ganze von einem Apéro in eine Party umwandelten. Es war – großartig!

(Der Herr vorne ist der einzige andere Deutsche, der anwesend war – leider konnte mir niemand seinen Namen sagen, und so ist alles, was ich weiß, dass er aus Konstanz kommt – mehr hat er weder mir noch irgendjemand anderem erzählt.)

Nachdem Patricks Vorräte und die der Gäste aufgebraucht waren, sind wir losgezogen, um  noch in eine Bar oder einen Club zu gehen – leider haben Dan (auf dem Foto oben rechts von mir) und ich die anderen schon nach ein paar Minuten verloren – eine Gruppe von 20 mehr oder minder stark angeheiterten Leuten lässt sich schwer zusammenhalten – und saßen dann irgendwo beim Bahnhof auf der Wiese und haben Mist gelabert. Was die anderen noch gemacht haben, konnte Patrick mir am nächsten Tag leider nicht erzählen – offensichtlich sind sie nicht in die Clubs reingekommen, weil der Deutsche, der als einziger nahezu nüchtern war, nur vor sich hin gestiert und einen komplett besoffenen Eindruck machte. Daraufhin ist Patrick nach Hause gegangen und hat Nudeln gekocht – zumindest hat er das aus der Tatsache geschlossen, dass er gekochte Nudeln in der Küche stehen hatte, als er aufgestanden ist.

Auch ich war nach dem Abend leicht angeschlagen und habe den Tag größtenteils verschlafen und verfaulenzt. Weggegangen bin ich am Samstagabend nicht, obwohl Halloween war – schade eigentlich…Dafür ging’s am Sonntag wieder auf die Piste, nur kurz allerdings, mit Ana und Begonia, einer anderen Spanischassistentin. Und es gab mal wieder Kebab zum Abendessen, langsam wird’s zur Gewohnheit.

Am Montag musste ich ein bisschen Papierkram erledigen, weil die Schule die Unterlagen für die Krankenversicherung nicht vollständig weitergeleitet hat, obwohl ich alle Dokumente abgegeben hatte – großes Kino!

Endlich habe ich mich mal wieder zum Ed geschleppt, um einen Großeinkauf zu machen – und endlich gab’s wieder etwas Selbstgekochtes! Abendessen nachmittags um halb 6. Ich hatte Bock auf Kartoffeln, Hähnchen und Paprika im Kühlschrank und einen kreativen Moment: es sollte scharf werden! Also Curry und scharfen Paprika in Massen in die Pfanne, um der sauce indienne nachzueifern. Es ist unerwartet lecker geworden und hat gleich noch für den nächsten Tag gereicht.

Davon abgesehen habe ich tagsüber nicht allzu viel gemacht, bin ein bisschen umhergewandert,  habe meiner Muter zum Geburtstag gratuliert und mich über die französische Post geärgert, das war’s auch schon. Der Abend war dann wieder für’s Cosmo reserviert – in dem die Bier-Happy-Hour diesmal bis 1 Uhr ging. Mit von der Partie: Patrick, Ryan, Rosalie, Ana und noch diverse Freunde und Bekannte, deren Namen ich schon wieder vergessen habe.

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Irgendwie haben Patrick und ich es diesmal zum Glück in die letzte Metro geschafft, nach Laufen war mir nicht zumute. Ich bin wie tot ins Bett gefallen, hatte aber keine Chance, lange zu schlafen: der Wecker war gestellt, denn ich war mit Maxi zum Frühstück bei Brioche Dorée verabredet. Sie hatte mir in Aussicht gestellt, mich einzuladen, falls ich im Pyjama komme, leider bin ich aber schon um 6 aufgewacht und war deshalb um 10 fast topfit. Das Wetter war mistig und wir hatten beide unsere Regenschirme vergessen. Es blieb uns also nichts übrig, als ausgedehnt zu frühstücken und uns danach von Geschäft zu Geschäft zur nächsten Metrostation vorzuarbeiten. Das Ergebnis ist nicht grandios, aber immerhin ein bisschen Geld habe ich vershoppt. Das Leben in Frankreich ist teuer, kann ich euch sagen!

Trotzdem habe ich keine Kosten und Mühen (letztere sind verschwindend gering) gescheut, um wieder wegzugehen, diesmal in einen belgischen Pub.

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Ryan, Julie, Kirsten im Les Berthom

Da wir früh gegangen sind, war ich recht zeitig auf und habe mich mit Feuereifer daran gemacht, den großen Rückblick zu schreiben. Abends habe ich mich kurz mit Rosalie auf ihrem Balkon getroffen, um mit ihr ihr 1 year anniversary of freedom from Alaska zu feiern – sie hat letztes Jahr im Wahlkampf geholfen und ist dabei in Alaska gelandet, wo es wohl nicht allzu lustig war.

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Blick nach Osten...irgendwo am Horizont liegt mein Collège

Die Aussicht von Rosies Balkon im 13. Stock – volle Kanne Banlieue, aber schön!

Nicht so schön war die farbliche Zusammenstellung unserer Mützen – aber es war ja dunkel:

CIMG1289Im Gegensatz zu mir hat Rosalie morgen schon wieder Schule, ich bin nur kurz geblieben – und auch hier ist jetzt Schluss, ich bin im Hier und Jetzt angekommen, alles ist gesagt. (Nicht alles natürlich, der Rest geht euch nichts an 😉 )

à plus!