30
Sep
09

Auf großer Tour

Heute Vormittag habe ich mich auf den beschwerlichen Weg nach St Laurent de Mure gemacht, um Annick, die Deutschlehrerin am Collège Louis Lachenal, meiner „kleinen“ Schule, zu treffen. St Laurent liegt ein ganzes Stück außerhalb von Lyon, gar nicht weit vom Flughafen, und es gibt nur eine einzige Buslinie, die dort hinfährt – großer Vorteil: Sie gehört nicht zu den Lyoner Verkehrsbetrieben und wird deshalb zur Zeit auch nicht bestreikt. Großer Nachteil: Sie fährt nur einmal pro Stunde, und die Fahrt dauert ungefähr 45 Minuten – wenn ich denn erstmal zum Gare Part-Dieu gelaufen bin (ich freue mich schon auf den Winter!).

Beinahe hätte ich die Haltestelle verpasst, weil es nicht ganz so aussah, wie ich es mir nach Annicks Wegbeschreibung vorgestellt hatte – „Du musst quasi im Nirgendwo aussteigen, aber das ist schon okay“…Tatsächlich standen links Häuser, rechts Häuser. Von dort waren es noch rund 200m bis zum Collège – inklusive einem der in Frankreich unvermeidlichen Kreisverkehre (ich glaube, die Kreisverkehrrate pro 1000 Einwohner oder pro Straßenkilometer oder pro was weiß ich ist hier noch höher als in Ostdeutschland!)

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Kreisverkehr und ein bisschen Collège

Annick hat mich schon im Foyer erwartet, und nachdem ich mich durch die Horden von kleinen Franzosen gekämpft hatte, hat sie mich durch die Schule geführt. Wir sind zuerst zur Sekretärin gegangen, die mir einige Formulare mitgegeben hat – oh ja, die französische Bürokratie…im Vergleich zu Deutschland immer noch aushaltbar…, danach hat sie mich dem stellvertretenden Direktor vorgestellt, der, wie das eben so ist, keine Zeit für mehr als einen feuchten Händedruck hatte. Im Lehrerzimmer hat sie mir schließlich erzählt, in welchen Klassen ich unterrichten werde und wie sie sich die Zusammenarbeit vorstellt. Die meisten Gruppen werden relativ klein sein, 6-8 Schüler, die größte Gruppe hat ca. 14 Schüler. Es werden blutige Anfänger dabei sein, aber auch echte Deutsch-Cracks – es verspricht also spannend zu werden!

Nachdem wir alles Wichtige besprochen hatten, hat sie mich mit zum Bus genommen – auf den ich zum Glück nur kurz warten musste. Am Gare Part-Dieu angekommen, habe ich mich gleich auf den Weg zum Place Bellecour gemacht, wo ich mit Eleftheria (ich hoffe, ich hab’s richtig geschrieben! – kurz: Elfi), einer anderen Deutsch-Assistentin aus Stuttgart getroffen habe. Nach seiner ausgiebigen Einkaufstour im Carrefour ist auch noch Michael zu uns gestoßen, ich habe mir ein Baguette, Michael etwas zu trinken und Elfi Nägel gekauft und wir sind -mal wieder- zu den Berges du Rhônes gegangen. Es war wie die letzten Tage auch sehr warm und sonnig, so dass es am Wasser mehr als angenehm war.

Michael und Elfi

Michael und Elfi

Elfi ist irgendwann gegangen, um sich in ihren Vorort durchzuschlagen (sie wohnt in ihrer Schule), und wurde durch Rosalie ersetzt. Ein bisschen saßen wir noch auf der Wiese, dann sind wir in den Asia-Supermarkt gegangen und schließlich nach Hause. Die Metro hier nach Charpennes fuhr tagsüber zwar, sie war aber so voll, dass ich nicht mehr reingepasst habe und mal wieder nach Hause gelaufen bin…langsam reicht’s mir, ich bin total kaputt!

Heute werde ich wohl nicht allzu spät ins Bett gehen – morgen um 9Uhr muss ich im Lycée Charlie Chaplin sein, mein erster Tag! Ich bin schon ein bisschen nervös, weil ich keinen blassen Schimmer habe, was mich dort erwarten wird – Catherine, eine der Deutschlehrerinnen dort, hat mir geschrieben, dass sie mir das Lycée zeigen und mich den wichtigsten Personen vorstellen wird, und dann gibt’s natürlich noch mehr Bürokratie – Arbeitsvertrag, Antrag auf Gehaltsvorschuss, bla bla bla. Immerhin werde ich nicht alleine dort sein – den Englisch-Assistenten habe ich ja neulich schon beim Abendessen kennen gelernt – wenn wir verzweifeln und in Papierbergen versinken, dann gemeinsam!

Morgen mehr – bonne nuit!


2 Responses to “Auf großer Tour”


  1. 30/09/2009 um 23:14

    Was hast du eigentlich für eine rechtliche Stellung? Du bist „Assistentin“ aber machst einen eigenständigen Unterricht wie ein „prof“, oder wie ist das? – Wobei, in erster Linie bist du ja ein(e) boche😉

    • 2 Hannah
      01/10/2009 um 07:28

      offiziell nennt es sich „betreute Assistenzzeit“, aber ich soll machen, was ich will – unabhängig davon, was die profs machen


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